Das tut die Stadt, um Mainz vor extremen Hochwassern zu schützen

Alle 200 Jahre muss Mainz statistisch gesehen mit einem Extremhochwasser rechnen. Damit die Stadt nicht überflutet wird, setzen Land und Stadt einige Schutzmaßnahmen um.

Das tut die Stadt, um Mainz vor extremen Hochwassern zu schützen

Der Wasserpegel in Mainz ist nach wie vor hoch. Seit dem Wochenende sorgen Tauwetter und Regen dafür, dass der Rhein über das Ufer schwappt (wir berichteten). Das bringt zwar spannende Bilder mit sich, ein neuer Anblick ist das aber nicht. Schon vor Jahrhunderten gab es Hochwasser am Rhein, die teilweise bis in den Dom eindrangen. Zu solchen Extremhochwassern soll es heutzutage aber nicht mehr kommen, denn Land und Stadt tun einiges, damit es nicht zur Katastrophe kommt. Dafür müssen sie vor allem vom Menschen gemachte Gefahrenquellen beseitigen.

Ausbau der Schifffahrt verstärkte das Hochwasserrisiko

Denn Hochwasser sind zwar etwas natürliches und kommen durch Tauwasser, Dauerregen und feuchte Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen können, häufig vor. Der Mensch hat die Gefahr von extremen Hochwassern aber verstärkt: Als der Rhein vor rund 200 Jahren für die Schifffahrt ausgebaut wurde, ging etwa 130 Quadratkilometer Fläche verloren, die eigentlich zur Überflutung gedacht war. Steigt der Rhein-Pegel an, dann kann man solche Flächen überfluten. Das soll dafür sorgen, dass das Wasser nicht in die Stadt fließt. Weil diese Flächen aber wegfielen, wurden die Hochwasserwellen schneller und höher. Es kam häufiger zu schwereren Hochwassern.

Mehrere Maßnahmen sollen gegen extreme Hochwasser helfen

Um diese wichtigen Flächen wieder zurückzugewinnen, wurden in den vergangenen Jahrzehnten einige Maßnahmen getroffen. Das Land hat viele Rückhalteräume gebaut und Deiche zurück verlegt, erklärt das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt. Auch der Ausbau der Hochwasserschutzanlagen in Mainz - von Nackenheim bis nach Budenheim - und der Überflutungsflächen in Bodenheim/Laubenheim würden wesentlich zum Hochwasserschutz in Mainz beitragen. Die Planungshoheit für den Hochwasserschutz wurde Anfang der 90er Jahre vom Land an die Stadt übertragen.

Auch direkt in Mainz hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Schon die Aufschüttung des Lauterenviertels und der Bau der Rheinstraße im 19. Jahrhundert sorgten dafür, dass das Wasser nicht mehr ungehindert in die Stadt fließen kann. Außerdem gibt es heute eine neue Schutzwand am Winterhafen, die im Falle eines Hochwassers hochgefahren werden kann. Einige alte Schutzanlagen wurden erneuert oder werden es noch. Am Zollhafen soll beispielsweise die ursprüngliche Hochwasserschutzlinie, also die alte Kreißig-Mauer, durch eine neue Schutzwand ersetzt werden. In Mainz-Mombach läuft aktuell eine Machbarkeitsstudie, die klären soll, ob es möglich ist, den Deich rückzuverlegen.

„Für den Rhein ergibt sich daraus, dass Hochwasser wie 2013, 2018 und 2021 auch in Zukunft häufiger auftreten können.“ - Anne Spiegel, Staatsministerin

Insgesamt hat Rheinland-Pfalz in den vergangenen 25 Jahren rund 1,2 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert. Aktuell ist der Schutz vor Hochwasser trotzdem nicht so hoch, wie er es noch vor dem Ausbau der Schifffahrt vor 200 Jahren war. Und der Klimawandel bringt weitere Schwierigkeiten mit sich. „Mit dem fortschreitenden Klimawandel ändert sich auch der Wasserkreislauf“, sagt Staatsministerin Anne Spiegel. Außer der weiter ansteigenden Lufttemperatur, die immer mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, würden auch die Winterniederschläge in den kommenden Jahrzehnten ansteigen. „Für den Rhein ergibt sich daraus, dass Hochwasser wie 2013, 2018 und 2021 auch in Zukunft häufiger auftreten können“, sagt Spiegel.

In den kommenden Jahren müssen deshalb weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Das Land plant unter anderem weitere Reserveräume für Extremhochwasser am südlichen und nördlichen Oberrhein. Sind alle Maßnahmen umgesetzt, ist die Stadt auch vor einem statistisch einmal in 200 Jahren wiederkehrenden extremen Hochwasser geschützt.

Logo