Mehr als 20 Wohnungslose in Mainz gestorben

21 wohnungslose Frauen und Männer sind in diesem Jahr schon in Mainz und Umgebung verstorben. Gerhard Trabert kritisiert scharf die Stadt Mainz, wie mit den Menschen umgegangen wird.

Mehr als 20 Wohnungslose in Mainz gestorben

Lukas, Jennifer, Simon, Steven, Mariam, Anke,… 21 Menschen sind in diesem Jahr bereits in Mainz und Umgebung gestorben. Das teilt Prof. Dr. Gerhard Trabert vom Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ auf Facebook mit.

Gleichzeitig kritisiert Trabert das „sture und wenig menschenfreundliche derzeitige Verhalten der Stadt Mainz, des Sozialdezernates gegenüber wohnungslosen Menschen“. Die zusätzliche Unterkunftsmöglichkeit in Winter- und Corona-Pandemiezeiten werde erst ab dem 1. Dezember zur Verfügung stehen, „obwohl wir und auch andere Akteure einen dringenden, schon jetzt bestehenden Bedarf klar vermittelt haben.“ Stattdessen werde sich hier „hinter Bestimmungen und gesetzlichen Vorgaben versteckt.“ Trabert kritisiert zudem, dass es kein praktisch anwendbares Quarantäne-Konzept für Menschen ohne Wohnung gebe. Die Diskussionen mit den Zuständigen der Stadt Mainz, die er immer wieder führen müsse, sei er leid.

Plätze für Obdachlose in der Housing Area

Die Stadt hatte Anfang November gemeldet, dass sie vom 1. Dezember bis voraussichtlich 31. März nächsten Jahres 50 Plätze in der Housing Area in Gonsenheim einrichten wird, davon vier Plätze für kurzfristige nächtliche Aufnahmen in Notsituationen. Das Angebot richte sich insbesondere an Menschen, die „aus den unterschiedlichsten Gründen eine der ganzjährigen Übernachtungseinrichtungen nicht nutzen können oder wollen“. Anmelden solle man sich dafür bei der Stiftung Juvente. Grundsätzlich gebe es für Menschen ohne festen Wohnsitz ganzjährig Übernachtungsmöglichkeiten in drei Einrichtungen: 53 Plätze im Thaddäus-Heimes, 20 Plätze im Egli-Haus sowie vier Plätze für Frauen im Wendepunkt. Die Container am Fort Hauptstein indes würden in diesem Jahr nicht aufgestellt.

„Muss erst wieder ein wohnungsloser Mensch erfrieren oder im Freien aufgrund von Krankheit und Witterung versterben, bis kommunal gehandelt wird?“, fragt sich der Obdachlosenarzt. „Ich hatte gehofft und geglaubt, dass die gemeinsame gute Zusammenarbeit in der bisherigen Corona-Pandemiezeit ein nachhaltiges Problembewusstsein erzeugt hätte, dies ist leider offensichtlich nicht der Fall.“

Hintergrund

Der gemeinnützige Mainzer Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ setzt sich für die Gesundheitsversorgung armer und sozial benachteiligter Menschen ein. Die „Ambulanz ohne Grenzen“ etwa steht für alle Menschen zur Verfügung, die nicht oder nur unzureichend krankenversichert sind und eine akute Behandlung benötigen. Sozial beraten werden zudem Asylbewerber, papierlose Menschen oder ehemals privat Versicherte, die sich die Beiträge nicht mehr leisten können oder konnten. Mit dem rollenden „Arztmobil“ werden Menschen erreicht, die von sich aus nicht in der Lage sind, Hilfseinrichtungen aufzusuchen. Auch Kinder und Jugendliche in benachteiligten Wohngebieten in Mainz wird Raum für soziale Interaktionen und gesundheitliche Präventivmaßnahmen geboten, darunter warmes Essen, Sport- und Spielmöglichkeiten und körpertherapeutische Angebote.

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