„Geberts Weinstuben“: Deshalb schließt das Mainzer Lokal

Ein Mainzer Traditionslokal schließt: Gegenüber Merkurist erklären Frank und Marianne Gebert die Gründe für das Aus ihrer Weinstube. Die Inhaber blicken auf eine emotionale und lange Geschichte zurück.

„Geberts Weinstuben“: Deshalb schließt das Mainzer Lokal

Die Schließung von „Geberts Weinstuben“ in der Mainzer Neustadt zum 31. Juli 2026 (wir berichteten), hat viele Reaktionen hervorgerufen. Jetzt äußern sich die Inhaber des mehrfach ausgezeichneten Restaurants in der Frauenlobstraße zu den Gründen für das Aus. Im Gespräch mit Merkurist erzählen Marianne und Frank Gebert: Die Entscheidung sei aus rein persönlichen Gründen gefallen.

Natürlich habe die Corona-Zeit Spuren hinterlassen und auch die allgemeine Situation für die Gastronomie sei gerade schwierig, sagt Koch Frank Gebert. Für das Aus hätten wirtschaftliche Gründe dennoch keine Rolle gespielt. „Der Hauptgrund bin ich“, sagt Marianne Gebert. Im Alter von 75 Jahren verabschiedet sie sich aus der Branche. „Meine Mutter kann ganz einfach nicht mehr“, erklärt ihr Sohn, der die Weinstube 2007 von seinen Eltern übernommen hat. Es sei ihm nicht gelungen, eine adäquate Nachfolge für seine Mutter zu finden.

„Entscheidung war unheimlich schwierig“

„Es ging nicht nur darum, Personal zu finden, sondern einen Gastgeber mit Leidenschaft, der den Betrieb zusammenhält und auch die nötige Weinkenntnis mitbringt“, so Frank Gebert. Der Anspruch sei immer hoch gewesen. Die drei langjährigen Mitarbeiter würden nach persönlichen Gesprächen ihren eigenen Weg in der Gastronomie gehen.

Die Schließung sei der Familie nicht leichtgefallen. „Diese Entscheidung zu finden und sie dann zum Punkt zu bringen, ist unheimlich schwierig“, sagt Frank Gebert. Laut dem 48-Jährigen war das Restaurant mehr als nur ein Arbeitsplatz für ihn. Seine Mutter führt die Weinstube bereits seit 1974. „Schon als Kind stand ich im Kinderwagen in der Küche“, erzählt er.

Der Abschied im Juli dieses Jahr sei noch nicht vollständig in seinem Bewusstsein angekommen: „Es arbeitet zwar sehr in einem, aber wenn man dann endgültig realisiert: Das war es, man schließt nicht mehr auf am nächsten Tag – das wird bestimmt nochmal schwer.“

Dank an Gäste

Vor drei Jahren wurde das Restaurant vom Gourmetmagazin „Feinschmecker“ als bestes „Restaurant für jeden Tag“ in Rheinland-Pfalz gekürt. Die gehobene deutsche Küche nennt Gebert selbst „gut-bürgerlich“. Zum Abschied bedankt sich der Koch ausdrücklich bei seinen Gästen: „Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die ich hier hatte im Restaurant.“

Gerade den Austausch mit den Gästen bezeichnet Gebert rückblickend als das Schönste: „Zum Beispiel, wenn jemand einfach in die Küche gekommen ist und gesagt hat: Frank hast gut gekocht, war lecker“. Ein besonderes Highlight für Marianne Gebert war der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), der 2018 zusammen mit der damaligen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zum Abendessen in die Weinstube kam. Wie sie erzählt, wurde für den hohen Besuch damals die komplette Straße gesperrt.

Nach dem ersten Merkurist-Bericht über die Schließung seien die Reaktionen zahlreich und „überwältigend“ gewesen, so Frank Gebert. Was nach der Schließung mit den Räumen passiert, ist noch unklar. Konkrete Pläne für die Zukunft gebe es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Bis zum Juli hat „Geberts Weinstuben“ weiter regulär geöffnet. Eine Abschiedsfeier ist noch nicht konkret geplant – soll aber laut Frank Gebert auf jeden Fall stattfinden.