Oppenheimer Gastwirt verteidigt Tafel-Kunden

Abfällige Bemerkungen über Bedürftige duldet Wirt Eugenius Steckler in seinem Restaurant in Oppenheim nicht - und macht Gästen dann auch mal eine klare Ansage. Merkurist hat mit ihm gesprochen.

Oppenheimer Gastwirt verteidigt Tafel-Kunden

Das Oppenheimer Weinrestaurant „Stecklers“ erntet gerade viel Zuspruch auf Facebook. „Das ist sehr anständig von euch. Vielen Dank“ , „Verneige mich vor euch. Riesengroßen Respekt!“ - so lauten nur zwei der Komplimente, die der Gastwirt Eugenius Steckler unter seinem Post geerntet hat. Doch wie hat er sich all das Lob verdient?

Gäste äußerten sich abfällig

Steckler schildert Merkurist den Vorfall in seinem Restaurant: Am vergangenen Samstag befand sich unter seinen Frühstücksgästen eine achtköpfige Geburtstagsgesellschaft. Einzelne Personen dieser Gruppe fielen dem Wirt und seinem Service-Personal von Anfang an durch ihren respektlosen Umgangston auf. Als eine Frau der Gruppe sich schließlich extrem abfällig über ihren Käseteller äußert, kann und will der Wirt sich nicht mehr zurück halten. „Ich bin immer sehr kulant, und bekanntermaßen sind Geschmäcker auch verschieden. Aber ein gewisses Maß an Respekt und Wertschätzung sollte jeder besitzen. Wir sind zwar Dienstleister, müssen uns aber trotzdem nicht alles gefallen lassen“, stellt er klar.

Steckler forderte die Frau auf: „Seien Sie doch mal ein bisschen dankbar, dass Sie überhaupt so einen Teller hier vor sich stehen haben, da vorne bei der Tafel stehen die Leute Schlange.“ Daraufhin soll ein Mann aus der Gruppe mit Bezug auf die Tafel-Kunden entgegnet haben: „Die sind ja auch selbst schuld.“

Persönliche Vorgeschichte

Diese Aussage wollte der Wirt nicht ohne Weiteres tolerieren. Er forderte die Gäste auf, solche Äußerungen in seinem Haus zu unterlassen oder zu gehen. Ein Teil der Gruppe stand daraufhin auf und ging. Bezahlen mussten sie nicht, laut Steckler ging das Frühstück aufs Haus. Außerdem hat er sich bei dem Geburtstagskind entschuldigt.

Steckler erklärt, dass seine eigene Vergangenheit nicht immer einfach war: „Ich weiß wie es ist, aus eigener Kraft von ganz unten aufstehen zu müssen.“ Deshalb könne er sich mit den Tafelkunden gut identifizieren. Dass er genau am gleichen Morgen auf dem Weg zur Arbeit an den langen Schlangen vor der Tafel vorbeigefahren sei, habe das Thema für ihn nochmal präsenter gemacht. „Wir haben kein Recht dazu, über Fremde zu urteilen, deren Vorgeschichte wir nicht kennen“, so Steckler. Ihm ging es bei seinem Facebook-Post darum, ein generelles Statement in Bezug auf Wertschätzung und Dankbarkeit zu setzen, und zum Nachdenken anzuregen.

Frau aus der Gruppe meldete sich zu Wort

Eine Frau aus der betroffenen Gruppe meldete sich bei der „Allgemeinen Zeitung“, nachdem diese über den Vorfall berichtet hatte. Die Frau stellt den Vorfall allerdings ganz anders dar: Steckler habe sich den Gästen gegenüber provokativ verhalten. Statt der pauschalen Aussage „Die sind ja auch selbst schuld“ hätte der Mann lediglich beiläufig erklärt, dass „manche“ Personen selbst schuld seien. Sie bestreitet außerdem, dass gelästert worden sei und hält Stecklers „Eskalation“ für unberechtigt. Auf Nachfrage, wie er zu dem Statement der Frau stehe, bleibt er trotzdem bei seiner Sicht der Geschehnisse. (df)

Logo