Aktivist sieht Bundesverdienstkreuz als Verpflichtung für Menschenrechte

Ein Jahr nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes erneuert der Mainzer Aktivist Behrouz Asadi seinen Appell. Er sieht die Ehrung als Verpflichtung, sich weiter für Menschenrechte im Iran und für Geflüchtete einzusetzen. Ein Gastbeitrag.

Aktivist sieht Bundesverdienstkreuz als Verpflichtung für Menschenrechte

Am 16. Oktober 2025 wurde mir der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Ein Jahr später blicke ich mit großer Dankbarkeit, aber auch mit einem noch stärkeren Bewusstsein für meine Verantwortung auf diese besondere Ehrung zurück.

Für mich ist das Bundesverdienstkreuz nicht nur eine persönliche Anerkennung, sondern vor allem eine Verpflichtung, meine Stimme weiterhin für Menschenrechte, Freiheit, Gerechtigkeit und die Würde jedes einzelnen Menschen zu erheben.

Diese Auszeichnung widme ich den Menschen im Iran, insbesondere den mutigen Frauen, den politischen Gefangenen, den Familien der Opfer, den Menschen, die für Freiheit und Gerechtigkeit ihr Leben verloren haben, sowie der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“.

Menschenrechte sind universell und dürfen niemals von politischen oder wirtschaftlichen Interessen abhängig gemacht werden.

Die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen, die Unterdrückung von Frauen, die Verfolgung Andersdenkender und die Hinrichtungen im Iran erfüllen mich weiterhin mit großer Sorge. Die Ablehnung der Todesstrafe muss ausnahmslos gelten. Das Recht auf Leben steht jedem Menschen zu, unabhängig von seiner Herkunft, Religion, politischen Überzeugung oder den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.

Ich appelliere deshalb an die Bundesregierung, die Europäische Union und die internationale Gemeinschaft, Menschenrechte nicht nur in Erklärungen zu verteidigen, sondern durch konkrete und wirksame Maßnahmen zum Schutz bedrohter Menschen beizutragen. Auch die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Regierungen, denen schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, müssen kritisch auf ihre tatsächlichen Auswirkungen überprüft werden.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil meines Engagements als Menschenrechtsaktivist und Sozialarbeiter ist der Einsatz für Geflüchtete, Schutzsuchende und Menschen, die von Krieg, Verfolgung, Gewalt und Vertreibung betroffen sind.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – Artikel 1 des Grundgesetzes.

Dieser Grundsatz ist für mich nicht nur ein verfassungsrechtliches Versprechen, sondern eine menschliche und gesellschaftliche Verpflichtung. Jeder Mensch hat das Recht auf Achtung seiner Würde, auf Schutz vor Verfolgung und auf ein Leben in Sicherheit.

Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, brauchen mehr als Mitgefühl. Sie brauchen Solidarität, rechtlichen Schutz, gesellschaftliche Teilhabe und konkrete Unterstützung. Wir müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten alles dafür tun, ihre grundlegenden Rechte zu schützen und zu verhindern, dass schutzbedürftige Menschen in Situationen zurückgeschickt werden, in denen ihnen Folter, politische Verfolgung oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.

Ebenso wichtig ist es, Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger vor Einschüchterung, Bedrohung und grenzüberschreitender Verfolgung zu schützen.

Ich wünsche mir eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Menschenrechtsorganisationen, demokratischen Initiativen, zivilgesellschaftlichen Einrichtungen und allen Menschen, die sich für Freiheit und Menschenwürde einsetzen. Gerade angesichts wachsender gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen brauchen wir Zusammenhalt, gegenseitigen Respekt und gemeinsames Handeln.

Politische Meinungsverschiedenheiten dürfen uns nicht daran hindern, gemeinsam für den Schutz von Menschenleben, gegen Hinrichtungen und für die Rechte von Geflüchteten und politisch Verfolgten einzutreten.

Ein Jahr nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ist meine Überzeugung stärker denn je: Menschenrechte müssen täglich verteidigt werden – unabhängig von Grenzen, Herkunft oder politischen Interessen.

Diese Auszeichnung ist für mich kein Zeichen des Schweigens. Sie erinnert mich vielmehr an meine Verantwortung, weiterhin hinzusehen, meine Stimme zu erheben, Missstände kritisch anzusprechen, Menschen solidarisch zur Seite zu stehen und mich entschieden gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung einzusetzen.

Denn Menschenwürde ist unteilbar, Menschenrechte sind universell, und Solidarität kennt keine Grenzen.

Über den Autor

Seit Jahrzehnten setzt sich der iranisch-stämmige Mainzer Behrouz Asadi für Menschenrechte, Flüchtlinge und Menschen in Not ein. Für sein Engagement wurde er im Oktober 2025 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.