Warum Verletzte aus Rüsselsheim nach Bayern geflogen werden mussten

Fast 300 Kilometer Luftlinie musste ein Rettungshubschrauber von Rüsselsheim nach Regensburg zurücklegen, um Schwerverletzte nach einem Gasaustritt ins Krankenhaus zu bringen. Waren die Kliniken in der Nähe voll?

Warum Verletzte aus Rüsselsheim nach Bayern geflogen werden mussten

Vier Schwerverletzte nach einem Gasaustritt: Wie Merkurist berichtete, mussten Feuerwehr und Polizei am Samstag zu einem Großeinsatz in Rüsselsheim ausrücken.

Mieter einer Wohnung in der Grabenstraße hatten über Schwindel und Atemnot geklagt und kurz nach 10 Uhr die Rettungsleitstelle alarmiert. Ursache war ein Gasherd, beim Kochen in der Wohnung hatte sich Kohlenmonoxid angereichert. Die vier Familienmitglieder im Alter von 50, 48, 11 und 9 und Jahren konnten geborgen und in stabilem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden. Was aber viele Merkurist-Leser wunderte: Wegen mangelnder Kapazitäten mussten die Verletzten in eine Klinik nach Regensburg (Bayern) geflogen werden. Das sind von Rüsselsheim fast 300 Kilometer Luftlinie.

Die naheliegende Vermutung: Wegen der angespannten Corona-Lage waren so viele Krankenhäuser voll, dass eine weit entfernte Klinik angeflogen werden musste. Doch war das tatsächlich der Grund? Der Fachdienstleiter vom Rettungsdienst Groß-Gerau Marco Schindler kennt die Antwort. Er sagt: „Corona hatte in diesem Fall nichts damit zu tun.“

Im konkreten Rüsselsheimer Fall habe eine Verletzung der Atemwege vorgelegen, die ein sogenanntes Druckkammerzentrum erforderlich mache. Ein solches gebe es nicht in jedem Krankenhaus. In unmittelbarer Nähe habe nur Wiesbaden eines, dann kämen Ludwigsburg und als nächstes schon Regensburg. Schindler sagt: „Corona-Patienten brauchen eine andere Therapie. Warum die Druckkammern in Wiesbaden und Ludwigsburg belegt waren, können wir nicht sagen. Für uns ist nur entscheidend, ob die Patienten versorgt werden können oder nicht.“

Logo