Was passiert mit den „Chaoshäusern“ in der Mainzer Neustadt?

Zwei Häuser in der Mainzer Neustadt stehen seit nunmehr 15 Jahren leer. Geschätzt 17 Wohneinheiten haben beide Immobilien zusammen, doch die Eigentümer überlassen sie ihrem Verfall. Gibt es jetzt endlich eine Lösung?

Was passiert mit den „Chaoshäusern“ in der Mainzer Neustadt?

Drei zerfetzte Briefkästen hängen neben der provisorischen Eingangstür aus Eisen, die jedoch ist seit vielen Jahren verriegelt: Das Haus in der Nackstraße 1, direkt am beliebten Gartenfeldplatz in der Mainzer Neustadt, steht seit rund 15 Jahren leer. Die Fassade ist beschmiert, das große Haus scheint dem Verfall überlassen zu sein.

Ganz in der Nähe, in der Kurfürstenstraße 5, bietet sich ein ähnlicher Anblick. Wem gehören diese Häuser und warum sind sie seit so langer Zeit nicht mehr bewohnt, das fragt sich etwa Merkurist-Leser Ruben in einem Snip: „Direkt neben dem Gartenfeldplatz stehen zwei Häuser leer und sind verriegelt. Warum das bei Wohnungsnot in Mainz?!“ Auch anderen ist der Zustand der großen Gebäude ein Rätsel: „Echt unverständlich, dass diese Häuser trotz Wohnungsnot leerstehen“, wundert sich ein Merkurist-Leser. „Wäre das nicht ein guter Grund für Enteignung?“

Unmenschliche Wohnbedingungen

Tatsächlich wohnten zuletzt im Jahr 2007 Menschen in dem besagten Haus, die mussten jedoch unter „unmenschlichen Bedingungen hausen“, berichtete bereits vor fünf Jahren der damalige Ortsvorsteher der Neustadt, Johannes Klomann. Da der Hausbesitzer die Wasserrechnungen nicht bezahlt hatte, gab es zum Beispiel kein fließendes Wasser. So hatten die Menschen eines Tages begonnen, im Keller einen Brunnen zu bohren. 2007 erfuhren die Behörden von den Zuständen und räumten das Haus, die Nutzung wurde untersagt.

„Das war erforderlich, da die Anlagen den baurechtlichen Anforderungen nicht gerecht wurden – insbesondere an gesunde Wohnverhältnisse und des Brandschutzes“, erklärt der Pressesprecher der Stadt Mainz, Ralf Peterhanwahr, auf Nachfrage von Merkurist. Mit der Räumung seien zwar nicht die Missstände selbst, aber die Gefährdungen beseitigt worden, „sodass den baurechtlichen Vorschriften damit Genüge getan war.“

2002 hatte das Bauamt zudem festgestellt, dass im Unter- und Dachgeschoss sowie in Nebengebäuden einige Räume ohne die erforderlichen baurechtlichen Genehmigungen in Wohnraum umgewandelt wurden. Auch damals wurden bereits entsprechende Verfahren eingeleitet.

Stadt sind die Hände gebunden

An diesem Stand hat sich bis heute wenig geändert. Beide Gebäude waren erstmals 1970 als Wohnanlagen genehmigt worden mit damals fünf (Nackstraße) und zwölf (Kurfürstenstraße) Wohneinheiten teilt die Stadt Mainz mit. Die Häuser sind inzwischen im Besitz mehrerer Eigentümer, doch diese sind seit fast 15 Jahren nicht dazu bereit, etwas an dem Zustand der Häuser zu ändern - mit den entsprechenden Konsequenzen: „Die Gebäude dürfen ohne vorherige Beseitigung der massiven Mängel nicht genutzt werden“, so Peterhanwahr.

Solange sie also nicht den baurechtlichen Vorschriften entsprechen, ist es untersagt, die Häuser zu bewohnen. Daher wurden gemäß dem Landesverwaltungsvollstreckungsgesetz (LVwVG) „technische Sperren“ an den Gebäuden angebracht. Die Schlüssel werden von der Stadtverwaltung verwahrt. Wenn die Eigentümer ihr Haus „zum Zwecke der Erfüllung ihrer Verkehrssicherungspflicht“ betreten möchten, können die Sperren nach Voranmeldung geöffnet werden.

Ansonsten seien der Stadt Mainz die Hände gebunden. Die Eigentümer könne man nicht dazu zwingen, ihre Häuser in einen bewohnbaren Zustand zu bringen oder zu verkaufen. Es stehe allein im Ermessen der Eigentümer, ob sie ihr Gebäude instandsetzen und wieder nutzen möchten, sagt Peterhanwahr: „Weitergehende Anforderungen oder Einschränkungen des privaten Eigentums sind nicht möglich.“

Auch für den jetzigen Ortsvorsteher der Neustadt ist der Zustand der Gebäude ein großes Ärgernis: „Die sogenannten Chaoshäuser sind regelmäßig Thema im Ortsbeirat Neustadt“, berichtet Christoph Hand. „Allerdings besteht bisher keinerlei Möglichkeit, an dem aktuellen Stand etwas zu ändern.“

Warum die Besitzer seit so vielen Jahren keinerlei Interesse daran haben, die Häuser in einem solch lohnenswerten Stadtteil wieder herzustellen, dass sie vermietbar wären oder sie zu verkaufen, bleibt weiterhin rätselhaft.

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