„Foulspiel“ in Mainzer Gastronomie? Gewerkschaft mit klarer Ansage

Faire Dienstpläne und mehr Lohn für die Gastro-Beschäftigten in Mainz fordert die Gewerkschaft NGG zur Fußball-WM . Späte Anstoßzeiten könnten zudem das Public-Viewing-Angebot stark einschränken.

„Foulspiel“ in Mainzer Gastronomie? Gewerkschaft mit klarer Ansage

Kurz vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) faire Arbeitsbedingungen für die rund 6850 Beschäftigten in der Mainzer Gastronomie. Das teilt die NGG mit.

Die Gewerkschaft warnt vor übermäßigen Überstunden während der WM. „Eines darf es auf keinen Fall geben: Alles rechts ran für den Fußball und WM-Überstunden bis zum Abwinken. Gastronomen, die das verlangen, spielen sich ins Abseits“, so Guido Noll von der NGG Darmstadt und Mainz. Bei den Dienstplänen müsse Rücksicht auf die persönliche Situation der Angestellten genommen werden.

Zudem fordert die NGG, dass zu Spitzenzeiten zusätzliches Personal eingestellt wird, um eine „Überstunden-WM“ zu vermeiden. Jede Überstunde müsse bezahlt werden. Gastronomen, die sich nicht daran halten, werde die Gewerkschaft die „Rote Karte zeigen“.

Forderung nach 14,5 Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaft nutzt die WM auch, um den Druck im laufenden Tarifkonflikt mit dem Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) zu erhöhen. Der letzte Tarifvertrag sei bereits im März des Vorjahres gekündigt worden, eine deutliche Anpassung der Gehälter sei überfällig.

Die NGG fordert 14,5 Prozent mehr Lohn. Für einen gelernten Koch in Vollzeit würde das laut Gewerkschaft mindestens 400 Euro mehr pro Monat bedeuten. Die Gegenangebote des Arbeitgeberverbands DEHOGA seien ein „Schlag ins Gesicht der Angestellten“.

Späte Anstoßzeiten könnten Public Viewing einschränken

Ein weiteres Problem sieht die Gewerkschaft in den späten Anstoßzeiten der Spiele, da die WM in Kanada, Mexiko und den USA stattfindet. Viele Partien werden erst um 22 Uhr oder sogar um 1 Uhr nachts angepfiffen. „Das wird also eine ‚Nacht-WM‘“, so Noll.

Für viele Mainzer Wirte könnte sich Public Viewing daher nicht lohnen, weshalb sie voraussichtlich darauf verzichten werden. Die Gewerkschaft rechnet deshalb mit einem Ansturm auf die wenigen Plätze. Guido Noll stellt klar: „An den Beschäftigten liegt es nicht. Die sind ‚spielbereit‘, was die Küche, den Service, die Theken und Bars während der WM angeht. Vorausgesetzt, Lohn und Dienstpläne passen.“