Klopp über Union Berlin: „Das war fast schon beängstigend“

15 Jahre ist es her, dass sich Mainz 05 und Union Berlin zuletzt in einem Pflichtspiel gegenüberstanden. Doch noch heute haben die 05er eine Rechnung mit den Hauptstädtern offen. Schuld daran: ein Spiel im Mai 2002.

Klopp über Union Berlin: „Das war fast schon beängstigend“

An diesem Samstag hat Mainz 05 die Chance, sich zu rehabilitieren. Nach der 0:8-Rekordniederlage gegen Leipzig in der vergangenen Woche müssen die Mainzer zu Hause gegen Union Berlin dringend drei Punkte holen. Union Berlin - war da nicht mal was?

Im Jahr 2002 hätte Mainz 05 erstmals in die Bundesliga aufsteigen können. Einzige Voraussetzung: mindestens ein Unentschieden im letzten Saisonspiel bei Union Berlin. Die Berliner wiederum hatten den Klassenerhalt schon sicher. Doch der 5. Mai 2002 bleibt vielen Mainz-Fans für immer in negativer Erinnerung.

Vergiftete Atmosphäre und „Ossi-Wessi-Konflikt“

Die Berliner Presse hatte in der Woche vor dem Spiel Aussagen des damaligen Mainz-Trainers Jürgen Klopp überdramatisiert. Dass Union beispielsweise eine „Kloppertruppe“ sei, hatte der Mainz-Coach so nie gesagt. Was die Stimmung vor dem Spiel zusätzlich anheizte: Die rheinland-pfälzische Landesvertretung in der Hauptstadt hatte schon vor dem Spiel zu einer Feier unter dem Motto „Mainz wählt den Aufstieg“ am Abend geladen.

Berliner Zeitungen zeichneten ein Bild, das Mainz 05 als arroganten Wessi-Verein darstellte. Die Mainzer Sportjournalisten Reinhard Rehberg und Christian Karn beschrieben die Spieltags-Atmosphäre im Stadion in ihrem Buch „Karneval am Bruchweg“ so: „Die Union-Anhänger, auch viele Spieler der Berliner, lassen in dieser für die Gastgeber tabellarisch bedeutungslosen Partie einen ‘Ossi-Wessi-Konflikt’ aufleben.“

Klopp: „Uns ist der blanke Hass entgegengeschlagen“

„Die Mainzer werden bespuckt, angepöbelt.“ - Reinhard Rehberg und Christian Karn in ihrem Buch „Karneval am Bruchweg“

Die Folge: Provokationen und Hassgesänge. Als die Berliner-Spieler ihre Tore schossen, freuten sie sich, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Torschütze Kostadin Vidolov rannte sogar auf Jürgen Klopp zu und zeigte ihm mit ausgestreckter Faust, was er von ihm hielt. Am Ende siegte Union Berlin mit 3:1, Bochum und Bielefeld schnappten den Mainzern den sicher geglaubten Aufstieg noch vor der Nase weg. Was an diesem Tag im Stadion An der Alten Försterei passierte, ließ viele Mainzer fassungslos zurück.

Und nach dem Spiel ging die Qual für die 05er weiter. Als die Mainzer Spieler das Stadion an einer Wiese entlang verließen, um den Mannschaftsbus zu erreichen, trafen sie auf feiernde Berliner Fans. „Die Mainzer werden bespuckt, angepöbelt. In der Nähe des Busses kommt es vereinzelt zu Handgreiflichkeiten. Kein Ordner schützt die Mainzer vor der emotionalisierten, alkoholisierten Meute“, schreiben Karn und Rehberg. Sogar die Scheiben des Mainzer Mannschaftsbusses wurden mit Gegenständen eingeworfen.

Jürgen Klopp sagte Jahre später in einem „Bild am Sonntag“-Interview, dass er Union Berlin nie trainieren würde, sollte er nicht gerade „am Hungertuch nagen“. Seine Begründung: „Weil ich dort absolut unsportliche Schadenfreude erlebt habe.“ Auch direkt nach dem Spiel in Berlin war Klopp schon geschockt: „Uns ist hier der blanke Hass entgegengeschlagen. Das war fast schon beängstigend. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine solche Schadenfreude erlebt, erleben müssen.“ (rk)

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