Kinder-Flitzer mit Mainz-Trikot „belohnt“: Das sind die Folgen für die Eltern

Dass Kinder nach Abpfiff im Stadion Trikots ihrer Stars ergattern, ist nicht unüblich. Am Samstag rannte jedoch ein Kind dafür extra auf das Spielfeld der Mewa Arena. Die Fans sind geteilter Meinung, was die Aktion angeht.

Kinder-Flitzer mit Mainz-Trikot „belohnt“: Das sind die Folgen für die Eltern

Es war die Szene nach dem Schlusspfiff beim 4:0-Heimsieg von Mainz 05 gegen Arminia Bielefeld: Ein kleiner Junge flitzte zunächst unbeobachtet von den Ordnern auf das Spielfeld der Mewa Arena. Sein Ziel war der Mittelkreis, in dem gerade die 05er ihren Erfolg bejubelten. Als der Junge die Aufmerksamkeit der Spieler auf sich lenken konnte, griffen die Ordner schließlich ein und wollten den Jungen vom Platz bringen. Doch FSV-Kapitän Moussa Niakhate beruhigte die Situation und überreichte dem Kind sein Trikot.

Während ein großer Teil der Mainz-Fans die Aktion in den sozialen Medien feierte, gab es aber auch einige kritische Stimmen. Demnach sei das Verschenken des Trikots ein „falsches Signal“, weil das Kind so noch „belohnt“ werde. Mainz 05 selbst befindet sich indes in einem Dilemma, zumal es auch noch einen weiteren Flitzer-Vorfall am Samstagnachmittag gab.*

Was auf die Familie des Jungen zukam

Wie Mainz 05-Pressesprecherin Silke Bannick gegenüber Merkurist sagt, sei die Situation im Fall des Kindes besonders komplex. Denn es gelte grundsätzlich ein Verbot, in den Stadion-Innenraum vorzudringen, auch für Minderjährige. „Es hat schon gute Gründe, dass nicht jeder einfach auf den Platz rennen kann. Es gab in der Vergangenheit leider schon Vorfälle von aggressivem Verhalten gegenüber Spielern und Offiziellen durch unerlaubte Platzstürmer. Die Ordner müssen eingreifen, sie wissen nicht, welche Intention die Person hat, die aufs Spielfeld läuft.“ Außerdem sei ein Sprung über die Brüstung in die Tiefe auch gefährlich, besonders für Kinder. Dazu könne in Zeiten von Corona beispielsweise auch schon eine Umarmung zum Problem werden, erklärt Bannick. Die Regeln würden für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen gelten. Die Ordner hätten hier der Situation und dem Alter des Flitzers jedoch angemessen reagiert - auch wenn es für sie Pfiffe gegeben habe - und den Jungen behutsam behandelt. Moussa Niakhate habe schließlich auch noch etwas dazu beitragen wollen, die Situation zu entspannen.

Generell sei es so, dass Vereine bei solchen Aktionen von Flitzern mit Tausenden Euro bestraft würden. „Der Verein reicht dann die Strafe an den Verursacher weiter, der dann auch noch ein Stadionverbot erhalten kann“, sagt Bannick. Im Fall des Kindes gestalte sich die Situation wie bereits angedeutet schwieriger. Auch hier müssten grundsätzlich Konsequenzen erfolgen. Denn Eltern würden auch hier für ihre Kinder haften. „In diesem Fall war es nun so, dass der Junge und dessen Familie, mit der er im Stadion war, aus dem Ausland in Mainz zu Besuch und der deutschen Sprache nicht mächtig waren“, so Bannick. Die entsprechende Sprachbarriere habe die Situation zusätzlich verkompliziert. Trotzdem mache man darauf aufmerksam, dass eine solche Aktion ganz grundsätzlich verboten ist und gegen die Stadionordnung verstößt.

Letztlich habe man es dann bei der Familie des Jungen bei einer sogenannten Gefährderansprache beziehungsweise bei einer Verwarnung belassen. „Dennoch wollen wir als Mainz 05 an dieser Stelle ganz deutlich betonen, dass dieser Vorfall keine Nachahmer finden soll“, sagt Pressesprecherin Bannick. „Es gibt genügend andere Arten, um auf sich aufmerksam zu machen und einen Trikot-Wunsch zu äußern, wie zum Beispiel kreative Plakate.“ Auch der Besuch von öffentlichen Trainingseinheiten böte die Chance, Kontakt zu Spielern aufzunehmen.

*Beim ersten Zwischenfall war ein junger Mann über die Absperrung gesprungen und auf das Feld direkt zu den Spielern in den Mittelkreis gelaufen. Erst danach nahm ein Ordner die Verfolgung auf, rutschte aber beim Versuch, den jungen Mann einzufangen, weg. Dieser sprang letztlich erneut über die Absperrung zurück in den Zuschauerbereich, wo er sich schließlich vom Sicherheitspersonal abführen ließ.

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