Anwohner genervt von Autokorsos

Bei großen Turnieren wie der Fußball-EM kommt es immer wieder zu langen und lauten Autokorsos – besonders am vergangenen Samstag. Was die Polizei dazu sagt.

Anwohner genervt von Autokorsos

120 Minuten lang mussten die italienischen Fans am Samstag bei der Fußball-Europameisterschaft zittern. Am Ende gewann Italien das Achtelfinale gegen Österreich mit 2:1 nach Verlängerung. Der Jubel kannte danach auch in Mainz keine Grenzen – zum Leidwesen mancher Anwohner. So schreibt Merkurist-Leser Ernst in seinem Snip: „Anwohner leiden unter nächtlichem stundenlangen Autokorso und Hupkonzerten – warum unternimmt Polizei nichts?“.

Nach Spielschluss (etwa 23:30 Uhr) wurde etwa noch zwei Stunden lang gehupt und gejubelt, unter anderem in der Großen Bleiche und auf der Rheinstraße. Doch nicht jeder fühlt sich davon gestört. „Ihr wohnt in der Stadt. Lasst den Leuten doch die Freude und freut euch mit“, kommentiert ein User im Snip. Leserin Marie schreibt: „Ich find das prinzipiell auch ok, aber die Italiener übertreiben total. Die haben selbst nach dem letzten Gruppenspiel, als es eigentlich nichts mehr zu feiern gab, über zwei Stunden Autokorso gemacht.“ User Weisenauer Bubb findet die Aufregung übertrieben: „Weil das bei der EM / WM nun mal so ist. Ist auch nicht jeden Abend so. Betrifft meist die Spiele von Deutschland, Italien und Portugal, das war‘s.“

Was die Polizei sagt

Laut eines Polizeisprechers gab es am Samstagabend zum ersten Mal Beschwerden über Autokorsos bei dieser EM. „Offensichtlich war dies insbesondere der späten Uhrzeit geschuldet, zu welcher das Spiel nach der Verlängerung beendet wurde und sich die Fahrenden über Mitternacht hinaus in Mainz bewegten.“ Zuvor seien nur kleinere Korsos festgestellt worden.

Die Polizei achte bei Autokorsos grundsätzlich auf die Einhaltung von Verkehrsregeln. „Hierzu zählen insbesondere Rotlichtverstöße, nicht angepasste Geschwindigkeit, unnötiges Beschleunigen, herauslehnen aus dem fahrenden Auto und vieles mehr“, so der Sprecher. „Verkehrsteilnehmer werden sofort bei Feststellung von Fehlverhalten gestoppt und kontrolliert, oder bei geringeren Verstößen auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht.“

Was es der Polizei bei der Kontrolle nicht leicht macht: Die Autokorsos verteilen sich auf verschiedene Stellen in der Stadt. „Nicht immer können alle Gruppen gleichermaßen erkannt und überwacht werden“, so der Sprecher. „Am Samstag konzentrierte sich der polizeiliche Schwerpunkt auf den Bereich der Altstadt – Große Bleiche.“ Doch besonders auffällig sind die Autokorsos in diesem Jahr ohnehin nicht. Der Sprecher sagt: „Zur Zeit liegen die festgestellten Zahlen hinter den Feststellungen vergangener Jahre zurück.“

Vielleicht liegt es daran, dass die deutsche Mannschaft bisher noch nicht wirklich begeisterte – mit Ausnahme des zweiten Gruppenspiels gegen Portugal. Am Dienstag könnte es aber die nächsten Autokorsos geben: Dann spielt Deutschland im Wembley-Stadion gegen England (Anstoß um 18 Uhr).

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