Das bleibt vom Pokalspiel in Kaiserslautern

Viele Mainz-05-Fans werden an den 10. August 2019 nicht allzu gute Erinnerungen haben. Was bleibt abseits des Spielergebnisses von diesem Tag hängen? Merkurist zieht Bilanz.

Das bleibt vom Pokalspiel in Kaiserslautern

Euphorisierte Fans, eine bittere Niederlage, Pyrotechnik und ein vermüllter Gutenbergplatz - was bleibt vom Pokalspiel gegen Kaiserslautern? Merkurist zieht Bilanz und hat dafür unter anderem mit Alex Schulz, dem stellvertretenden Leiter der 05-Fanabteilung, gesprochen.

Müll auf dem Gutenbergplatz

Vor dem Spiel gegen Kaiserslautern versammelten sich rund 1500 Fans vor dem Staatstheater, um sich auf die Partie einzustimmen. „Ich war auch dabei, da war die Stimmung schon richtig gut“, sagt Alex Schulz. Mit Gesängen zogen die Anhänger anschließend zum Hauptbahnhof. Zum Unmut vieler Passanten hinterließen sie auf dem Gutenbergplatz vor dem Theater einiges an Müll. Auch in den sozialen Medien wurde dieses Verhalten heftig diskutiert. Schulz meint dazu: „Es waren viele Menschen dort und es sind auch immer Leute dabei, die ihren Müll nicht wegräumen. Ich fand das nicht wirklich ungewöhnlich, denkt man da auch mal an Fastnacht oder die Johannisnacht. Aber natürlich darf das nicht passieren und ist nicht akzeptabel.“

Stimmung vor und im Stadion

Imposant sei für Schulz der Fanmarsch zum Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg gewesen. „Jeder hatte Bock auf das Spiel, die Euphorie war sehr groß!“ Vor dem Stadion dann aber die erste Ernüchterung. „Die Kontrollen haben in Kaiserslautern sehr lange gedauert. Manche haben bis zu zwei Stunden in der Hitze gewartet. Ich selbst war etwa 30 Minuten vor Anpfiff drinnen und ich stand in der Schlange ziemlich weit vorn. Da merkte man schon, dass die Stimmung leicht kippte.“ Im Stadion selbst sei die Stimmung dann richtig gut gewesen. Bis zur 62. Minute: „Der Elfmeter war dann natürlich ein Schlag ins Gesicht.“ Und auch nach dem Spiel schmerzt das Fan-Herz noch sehr. „So schnell bekommen wir keine Chance, das wieder gutzumachen. Sieben Jahre mussten wir auf solch eine Begegnung warten - und vermutlich wird es wieder genauso lange dauern. Der Stachel sitzt jetzt tief.“ Größere Zwischenfälle gab es beim Rheinland-Pfalz-Derby wohl nicht, die Polizei zog nach dem Spiel eine positive Bilanz (wir berichteten).

Pyrotechnik

Heftig diskutiert wurde das Abbrennen von Pyrotechnik, mit der die Mainzer Fans sogar für eine Unterbrechung des Spiels in der Nachspielzeit sorgten. Viele Nutzer kommentierten das Verhalten auf Facebook und Twitter. „Wir müssen uns im Klaren sein, dass Pyrotechnik nie ganz aus dem Stadion verschwinden wird. Es ist ein sehr emotionales Thema, das schon seit vielen Jahren diskutiert wird“, sagt Schulz. „Ich glaube, dass wir da einen vernünftigen Weg finden müssen, Lösungsansätze gibt es ja schon einige. Zum Beispiel könnte man für eingewiesene Fans oder in bestimmten Bereichen Pyrotechnik erlauben. In Dänemark experimentiert man zudem mit kalter Pyro. Sanktionen machen das Ganze nur reizvoller.“ Was gestern im Stadion passiert sei, sei aber auf keinen Fall gutzuheißen.

Gegenüber der Allgemeinen Zeitung äußerte sich auch 05-Präsident Stefan Hofmann zu diesem Thema. „Da gibt es keine zwei Meinungen: Das geht gar nicht. Darüber muss mit den Fans geredet werden. Wir können das nicht so im Raum stehen lassen“, sagt Hofmann. „Wir tun alles, um Fans zu gewinnen. Da ist sowas kontraproduktiv. Das Spiel wurde im Vorfeld zu hoch gehängt. Man hätte meinen können, es geht um einen Titel. Es war eigentlich die Plattform für einen tollen Tag. Aber sportlich und in puncto Außendarstellung haben wir nichts daraus gemacht.“ Auch Trainer Sandro Schwarz äußerte sich dazu: „Das braucht kein Mensch. Das hat im Stadion nichts zu suchen.“

Sandro Schwarz zu Gast bei „Doppelpass“

Gelegenheit zur Aufarbeitung der Partie gegen den FC Kaiserslautern hatte Schwarz in der Sendung „Doppelpass“ des Sportsenders Sport 1. Dort war er am Sonntag erstmals zu Gast. „Wir hatten das Gefühl, dass wir in den ersten 30, 35 Minuten alles im Griff hatten. Viele gute Angriffe gestartet, und ja, wir hätten das Tor machen müssen. Das hätte vieles einfacher gemacht“, so Schwarz. „Wir waren zu überhastet später.“ Gemeinsam mit den Gästen wie Mario Basler und Stefan Effenberg analysierte er das Spiel. Den Elfmeter sah Sandro Schwarz als ungerechtfertigt an. „Es war ein Laufduell und Stefan Bell kriegt einen Tritt in den hinteren Fuß. Das war für mich kein Foulspiel.“ Mario Basler pflichtete dem 05-Trainer bei und ergänzte sichtlich erzürnt: „Freunde, wie soll das ein Elfmeter sein? Je öfter ich mir das anschaue, desto sicherer bin ich mir. Für den FCK war es natürlich eine schöne Situation, aber es war schon gestern kein Elfmeter.“

Schwarz blieb nichts erspart. Auch das 0:2 war natürlich Thema in der Talkrunde. „Eigentlich Standard, so kurz vor Schluss war das natürlich nicht gut. Das musst du natürlich besser regeln, solche Situationen. Dann verhindert man auch ein Gegentor“, erklärte Schwarz. „Das Zweikampf-Verhalten ist echt bitter“, sagte Basler. „So hab ich früher Zweikämpfe geführt!“ Schwarz’ Fazit fällt dementsprechend ernüchtert aus: „Der Frust ist groß. Aber ab Dienstag liegt der Fokus auf der Bundesliga. Wir wollen aber keine Rückschlüsse aus der Niederlage gestern im Hinblick auf die Bundesliga ziehen.“ (nl)

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