Taubenküken samt Nest auf der Rheinstraße ausgesetzt

Gerettet wurden die Vögel von Ehrenamtlichen der Stadttaubenhilfe. Lässt man Tiere jedoch absichtlich verhungern oder quält sie, ist dies eine Straftat.

Taubenküken samt Nest auf der Rheinstraße ausgesetzt

Auf der Mainzer Rheinstraße in Höhe der Malakoff Passage sind frisch geschlüpfte Taubenküken samt Nest ausgesetzt worden. Das teilt der Verein Stadttaubenhilfe Mainz/Wiesbaden e.V. auf seiner Facebookseite mit. Erst kurz zuvor waren vier gerade mal eine Woche alte Küken in der Oranienstraße in Wiesbaden gefunden worden.

Wie Hannah Zepp von der Stadttaubenhilfe gegenüber Merkurist mitteilt, wurden die Nester am Straßenrand abgelegt. Bei den Mainzer Tieren vermutet sie, dass das Nest auf einem Balkon entdeckt und dann hier in einem Karton „entsorgt“ wurde. „Das ist leider keine Seltenheit“, so Zepp. Zwei der Wiesbadener Küken weisen hingegen eindeutige Merkmale von Zuchttauben auf: Ein „Häubchen“ auf dem Kopf und ein kurzer Schnabel. „Tauben legen immer nur zwei Eier, also wurden zwei Küken dazugelegt“, erklärt Zepp. Wegen ihres kurzen Schnabels sind diese Tiere allein oft nicht überlebensfähig, sie sind ihr Leben lang auf den Menschen angewiesen und müssen vom Züchter gefüttert werden.

Was jedoch den wenigsten bewusst sei: Tiere absichtlich verhungern zu lassen oder zu quälen, stellt eine Straftat dar. Nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes drohen damit bis zu drei Jahren Haftstrafe.

Eier-Attrappen werden ins Nest gelegt

Im Sommer, wenn die Wildtauben brüten, hat die Stadttaubenhilfe Hochsaison. Immer wieder bekommt der Verein Kartons mit Küken oder wird um Hilfe gebeten. „Momentan sind wir stark ausgelastet“, erklärt Zepp. Hinzu komme, dass Küken teilweise aus ihren Nestern springen, wenn es ihnen darin zu heiß wird. Die Tiere landen dann teilweise bei „Pflegeltern“, werden also anderen Tauben im Nest untergeschoben. In Mainz nimmt auch das Tierheim gefundene Tauben an. Hier würden etwa 80 Tauben in einem eigens eingerichteten Verschlag leben und aufgepäppelt werden. Doch das sei die Ausnahme und in anderen Städten oft nicht üblich, so Zepp.

Tauben brüten bis zu sechsmal im Jahr, daher greifen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Stadttaubenhilfe oft zu Eier-Attrappen: Sie tauschen die frisch gelegten Eier gegen künstliche aus. „Die Tiere brüten dann weiter, nur wächst eben kein Vogel heran“, so Zepp. 2000 Eier haben die Mitarbeiter bereits in diesem Jahr ausgetauscht, allein in Mainz und Wiesbaden. Getauscht werden muss allerdings wenige Tage nach dem Legen, wenn noch kein Vogel im Ei heranwächst. „Um sicher zu gehen, kann man das Ei durchleuchten oder uns ein Foto schicken“, erklärt Zepp. Wenn ein Nest abgestürzt ist, etwa durch einen Sturm, könne man auch die Feuerwehr rufen. In Wiesbaden ist beim Ordnungsamt eine Mitarbeiter nur für die Stadttauben zuständig.

Keine Krankheitsüberträger

Dass Stadttauben so in Verruf stehen, sei übrigens völlig unbegründet, gibt die Tierschützerin Entwarnung. „Sie sind nicht gesundheitsgefährdender als andere Tiere und auch keine Krankheitsüberträger.“ Auch die Wildvogelhilfe will mit diesem Mythos aufräumen: So wurden bei Untersuchungen nur bei fünf bis zehn Prozent der verwilderten Haustauben Krankheitserreger aus der Gruppe der Salmonellen im Kot und Organismus nachgewiesen.

So sei es zum Beispiel wahrscheinlicher, sich beim Kontakt mit der Schale ungekochter Hühnereier mit Krankheitserregern anzustecken. Oder beim Kontakt mit Haustieren: „Die Gefahr, sich bei diesen durch innigen und engen Kontakt (Kuscheln, Küsschen) mit Krankheitskeimen und Parasiten zu infizieren, ist deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit sich bei Stadttauben anzustecken, zu denen man in aller Regel nur aus der Ferne Kontakt hat“, heißt es von Seiten der Wildvogelhilfe.

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