„Mainzer City Carré“ will Quartier rund um den Neubrunnenplatz aufwerten

Die Zustände rund um den Neubrunnenplatz, die Lotharstraße und das Bleichenviertel sind Dieter Grünewald ein Dorn im Auge. Nun hat er eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen. Was sie bewirken will.

„Mainzer City Carré“ will Quartier rund um den Neubrunnenplatz aufwerten

Dieter Grünewald ist wütend. Das, was er beinahe täglich im Quartier rund um den Neubrunnenplatz erlebe und sehe, sei nicht mehr hinnehmbar, sagt er. Müll liege überall herum, Wildpinkler entleeren ihre Blase an Hauswänden, Jugendliche feiern lautstark nächtliche Partys und die vielen Leerstände laden die Mainzer Bürger nicht gerade dazu ein, hier einzukaufen oder zu verweilen. „Seit Jahren befindet sich an der Lotharstraße, neben ‘Mc Shirt’ und gegenüber der Lothar-Apotheke, zum Beispiel eine öffentliche Mülldeponie, ein unansehnliches Dreckloch, das dem Image dieses Quartiers sehr schadet“, sagt Grünewald sichtlich erzürnt.

Dagegen möchte der ehemalige Gastronom nun etwas unternehmen und hat die Interessensgemeinschaft „Mainzer City Carré“ (IG) gegründet. Mehr als 20 Einzelhändler und Gastronomen, die am Neubrunnenplatz, in der Lotharstraße und dem Bleichenviertel ihre Läden betreiben, sind schon dabei. Ihr Ziel: für mehr Sicherheit, Sauberkeit und Attraktivität des Quartiers sorgen. „Die Leute müssen sich wohlfühlen und somit gilt es die Einkaufs-, Verweil- und Erlebnisqualität deutlich zu verbessern.“ Einen Fokus legt die IG dabei auch auf die Römerpassage. Sie sei in ihrer derzeitigen Verfassung kein Aushängeschild für die Innenstadt. „Sie liegt mitten in unserem Quartier und wir müssen daher darauf bestehen, dass sie integriert und aufgewertet wird, denn es geht um die erfolgreiche Vermarktung des Gesamtangebotes.“

Erstes Treffen Anfang Juli

Anfang Juli hat sich die IG erstmals getroffen, um Lösungsansätze zu formulieren. Dabei waren auch Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) und Burkhard Hofmann, Leiter des Ordnungsamts. Auch mit dem Leiter der Innenstadt-Polizeiinspektion habe Grünewald gesprochen. „Es wurde in der Sache hart, aber fair diskutiert“, resümiert er. „Fürchterlich aufgeregt haben sich die meisten über die Wildpinkler, die bei heißer Witterung dafür sorgen, dass ihre Hinterlassenschaften einen unerträglichen Geruch verbreiten.“ Auch die Leerstände seien Thema gewesen. „Die Probleme für alle Betroffenen, die Gastronomen, die Einzelhändler, die Hauseigentümer werden immer größer und desto rasanter kommt der schnelle Abstieg.“

„Das Quartier hat Flair aufzuweisen und wird mit seinen gastronomischen Angeboten durchaus gut angenommen.“ - Manuela Matz, Wirtschaftsdezernentin

Ordnungsamtsleiter Hofmann hat sich nach eigenen Angaben die Situation vor Ort angesehen. „Nach meinem Eindruck gibt es einige Stellen im Quartier, wo Handlungsbedarf besteht. So gibt es seitlich der Passage einen Bereich, der Hinterhofcharakter hat und für wilde Müllablagerungen genutzt wird. Dies muss verhindert werden.“ Darüber hinaus gebe es einige Seitenstraßen, wo übermäßiger Lärm ein Problem sei. Dazu gehöre auch die Autoposer-Szene. „Dies hat die Polizei jedoch auf dem Schirm.“ Er ist nach dem Treffen positiv gestimmt. „Die Interessengemeinschaft kann natürlich etwas bewirken, wenn die Probleme durch einen zentralen Ansprechpartner gebündelt an die Verwaltung herangetragen werden.“

Und auch Manuela Matz begrüßt das Engagement der IG. „Es gibt offenkundige Probleme, die wir alle gemeinsam angehen werden, sei es durch intensivere Kontrollen oder nachdrückliche Maßnahmen bei der Sauberkeit, da hier teils etwas aus den Fugen zu geraten droht, teils auch durch Partys von Jugendlichen. Da werden wir ansetzen.“ Auch der Corona-Shutdown habe im Areal Spuren hinterlassen. Generell sehe Matz aber ein Quartier, „das Flair aufzuweisen hat und mit seinen gastronomischen Angeboten durchaus gut angenommen wird“.

Welche Ideen gibt es bereits?

Doch welche Ideen und Maßnahmen könnten hier demnächst verfolgt werden? Die Wirtschaftsdezernentin hat bereits eine Vorstellung: „Uns schwebt vor, neben den Standangeboten am Mittwoch mit Winzer und Feinkostangeboten durch ergänzende Stände an weiteren Tagen für zusätzliche Belebung und Frequenz zu sorgen – ob Oliven, Obst und Gemüse oder andere Saisonprodukte.“ Damit gewinne ein solches Quartier hinzu, was sich letztlich auch bei den Umsätzen der Einzelhändler bemerkbar mache. „Aber zur Wahrheit gehört auch: All dies geht nicht von jetzt auf gleich.“

Burkhard Hofmann will vor allem bei den Müll- und Lärmproblemen eingreifen. „Hier kann unter Einbindung des Entsorgungsbetriebes und des Vollzugsdienstes einiges verbessert werden.“ Viele Mitglieder haben sich auch über das Verhalten von Wohnungslosen beschwert. Hier sagt Hofmann: „Die Wohnungslosen gehören mittlerweile zum Stadtbild. Entsprechende Platzverweise können nur bei Verstößen gegen die Gefahrenabwehr-Verordnung ausgesprochen werden.“

„Es ist ein sehr dickes Brett, das wir bohren müssen.“ - Dieter Grünewald, Vorsitzender der IG

Dieter Grünewald ist zufrieden mit dem ersten Treffen. „Wenn alle an einem Strick ziehen, wird es gelingen das Quartier deutlich aufzuwerten, die Besucherfrequenzen nachhaltig zu erhöhen und die Attraktivität zu steigern.“ Dabei könnten seiner Meinung nach auch kulturelle Aspekte, wie das Programmkino „Capitol“, die Marke „Rheinhessenwein“, Länderthemen, wie „Frankreich und andere Länder zu Gast in Mainz“ und die Great Wine Capitals wichtige Rollen spielen.

Grünewalds erstes Fazit: „Es ist ein sehr dickes Brett, das wir bohren müssen. Wir sind uns jedoch sicher, dass wir mit der entsprechenden Rückendeckung, auch der finanziellen, dieses dicke Brett erfolgreich durchbohren werden und freuen uns, wenn Firmen und Bewohner uns bei der Durchsetzung dieses schwierigen Vorhabens kräftig unterstützen würden.“

Wer sich in der Interessengemeinschaft „Mainzer City Carré“ engagieren oder weitere Informationen dazu erhalten möchte, kann sich telefonisch bei Dieter Grünewald melden: 06131/8920944 oder 0179/2145685. (pk)

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