Die schönsten Straußwirtschaften rund um Mainz

Vom Familienbetrieb bis zum mediterranen Flair: Rheinhessen ist bekannt für seine Straußwirtschaften. Merkurist hat drei Wirtschaften in Nierstein, Bodenheim und Ebersheim besucht und stellt sie näher vor.

Die schönsten Straußwirtschaften rund um Mainz

Die Region Rheinhessen ist ohne Wein überhaupt nicht mehr vorstellbar. Weingüter und Weinberge reihen sich wie an der Schnur aufgezogen aneinander und locken gerade zur Sommerzeit mit ihren sogenannten Straußwirtschaften. Dabei kommt es aufs Detail an: Wie genau eine Straußwirtschaft auszusehen hat, ist in der Landesgaststättenverordnung von Rheinland-Pfalz genauestens definiert.

In einer Straußwirtschaft darf etwa nur selbsterzeugter und kein importierter Wein ausgeschenkt werden. Außerdem darf sie nur vier Monate lang im Jahr geöffnet sein, entweder am Stück oder in zwei Abschnitten von jeweils zwei Monaten. In Straußwirtschaften dürfen nur „einfache Speisen“ gereicht werden - hier heißt es: Spundekäs und Spiegelei statt Sushi und Risotto. Gerade in der ländlichen Gegend um Mainz gibt es viele der klassischen Straußwirtschaften. Merkurist stellt euch drei von ihnen vor.

Weingut Kirch (Bodenheim)

![387466a6-3f24-43c0-b413-a086c8092607]

Stephan Kirch ist Winzer in zweiter Generation. Sein Weingut betreibt eine von vielen Straußwirtschaften in Bodenheim, ein Problem mit der Konkurrenz habe Kirch aber nicht: „Ich finde es schön, dass es hier so viele unterschiedliche Straußwirtschaften gibt.“ Laut Kirch sei es sowohl für Gäste als auch für Gastronomen besser, wenn es eine größere Auswahl gäbe. Er selbst kümmert sich vornehmlich um die Winzertätigkeiten, seine Schwester führt die Straußwirtschaft. „Bei uns gibt es vom Spundekäs bis zum Steak alles, was das Herz begehrt“, so Kirch, der drauf achtet, dass alle Lebensmittel frisch und regional sind. Direkt neben dem mediterranen Außenbereich der Wirtschaft ist der Weinberg der Winzer.

![f07f1767-a4dc-44a0-af60-9a599aec974a]

Der Innenbereich „ Zur guten Stube“ ist weniger mediterran, dafür klassisch rheinhessisch: Gefliester Boden, eine Holzdecke und eine rustikale Einrichtung sorgen für Winzerflair. Die Kirchs eröffnen ihre Straußwirtschaft meistens am 1. Mai, legen nach zwei Monaten eine Sommerpause ein und öffnen dann noch mal im Spätsommer. „Gerade im Sommer haben wir viel zu tun. Neben der Straußwirtschaft müssen wir uns ja weiterhin um unseren Wein kümmern“, so Kirch. Beim Getränkesortiment geht die „Gute Stube“ klassisch vor: „Natürlich bieten wir neben Wein auch anti-alkoholische Getränke wie Cola, Limo und Wasser an“, sagt der Winzer. „Bier schenken wir aber nicht aus - schließlich geht es bei Straußwirtschaften ja um Wein.“

Weingut und Straußwirtschaft Fasanenhof (Ebersheim)

![dcf12c22-635f-4144-9506-6c3d0c16667c]

Der Ebersheimer „Fasanenhof“ ist ein richtiger Familienbetrieb. Eltern, Großeltern und Kinder packen das ganze Jahr über mit an. Von April bis Juni und von September bis November hat hier die Strauswirtschaft geöffnet und bietet prämierte Weine an. Winzer Peter Eckert sagt: „Unsere Gäste kommen nicht nur aus Mainz und Rheinhessen. Viele treten auch die Reise aus Wiesbaden, Mannheim und Kassel an, um bei uns zu Essen und Wein zu trinken.“

![9ed16789-33d1-492c-878d-6ffcc7b92262]

Die kulinarische Spezialität des Hauses - neben dem Wein - ist der Handkäs: Eckerts Schwiegermutter bereitet den rheinhessischen Klassiker nach einem alten Familienrezept zu. Zu hochtrabend dürfen die Gerichte in der Straußwirtschaft aber nicht sein, denn: „Das Ordnungsamt segnet jedes Jahr unsere Speisekarte ab“, erklärt Eckert. Ist ein Gericht auf der Karte keine „einfache Speise“, muss es entfernt werden. Mitte September öffnet der „Fasanenhof“ wieder seine Straußwirtschaft. Bis dahin widmet sich Familie Eckert voll und ganz der Weinproduktion.

Weingut Strub (Nierstein)

![822dcaa9-25b1-494b-90f9-d7ed486a7f6c]

Eigentlich ist Rudolf Strub gelernter Kaufmann, doch Ende der Achtzigerjahre übernahm der Niersteiner das Weingut seiner Eltern. Der Innenraum des Weinguts Strub gleicht einem historischen Archiv von Nierstein: Alte Polizeimützen, Fotos und Instrumente zieren die Wände. Sie werden von vielen Gästen bewundert, so Strub. Dabei ist das Gebäude schon an sich eine Attraktion: „Bei Arbeiten in unserem Keller haben wir vor einigen Jahren eine Tafel mit der Aufschrift 'Weingut Hans Andreas Strub - 1796' gefunden“, erzählt der Winzer. Wahrscheinlich sei das Weingut allerdings schon länger im Familienbesitz der Strubs.

![8cdf96ff-4ca0-40d2-978c-082074e14292]

Das kulinarische Angebot der seit 1996 existierenden Straußwirtschaft ist regional und saisonal. Neben Hacksteak oder Spargel-Toast gibt es jedes Wochenende ein „Sondergericht“. Doch für Strub geht es in einer guten Straußwirtschaft nicht bloß ums Essen. „Die Gäste sollen sich wohlfühlen, miteinander ins Gespräch kommen und ihre Zeit bei uns genießen“, so Strub. Und wenn es sein muss, dann hilft der Hausherr dabei auch nach. „Wenn unsere Plätze belegt sind und jemand noch ein Plätzchen sucht, dann stelle ich eine Gruppe der anderen vor, setze sie gemeinsam an einen Tisch und freue mich, wenn sie sich angeregt unterhalten.“ Er habe, so Strub, einfach ein Gespür dafür, welche Gruppen zueinander passen.

Logo