Darf ich ab Mittwoch mit neun Freunden ins Lokal gehen?

Ab Mittwoch gilt die neunte Corona-Verordnung. Unter anderem dürfen Bordelle wieder öffnen und die Öffnungszeiten in der Gastronomie ändern sich. Doch noch immer gibt es offene Fragen.

Darf ich ab Mittwoch mit neun Freunden ins Lokal gehen?

26 Seiten lang ist die neunte Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz. Zudem gibt es Hygienekonzepte für einzelne Bereiche wie Gastronomie, Veranstaltungen oder Schwimmbäder. Doch nicht jeder will sich durch alle Seiten kämpfen. Wir haben für Euch einige offene Fragen gesammelt. Hier die Antworten:

Mit wie vielen Leuten darf ich ab Mittwoch ins Lokal gehen?

Im öffentlichen Raum dürfen sich ab Mittwoch, den 10. Juni, bis zu zehn Personen treffen – egal, aus wie vielen Haushalten sie kommen. Doch gilt das auch für Gastronomie?

Ja, denn in den Hygiene- und Schutzmaßnahmen für Gastronomie heißt es: „Die Belegung der Tische richtet sich nach der geltenden Regelung des Landes Rheinland-Pfalz zum Aufenthalt von Personen in der Öffentlichkeit.“ Das bedeutet, die Abstandsregel von 1,50 Metern wird auch in der Gastronomie aufgehoben bei: „Zusammenkünfte(n) von bis zu zehn Personen oder einer Zusammenkunft der Angehörigen zweier Hausstände.“ Bei zwei großen Hausständen wären also mehr als zehn Personen möglich.

Am Mittwoch ändern sich zudem die Öffnungszeiten in der Gastronomie (6 bis 24 Uhr); die Reservierungspflicht entfällt, Kontaktdaten müssen aber immer noch erfasst werden.

Was gilt in Shisha-Bars?

Erleichterung bei Shisha-Bar-Betreibern: Ab dem 10. Juni dürfen auch sie wieder öffnen. In der Hygieneverordnung für Gastronomie ist festgelegt, unter welchen Bedingungen: „In Shisha-Bars dürfen Mundstücke und Schläuche beim Rauchen einer Shisha nicht durch mehrere Personen gemeinsam genutzt werden“, heißt es da. Und weiter: „Die Mundstücke, Schläuche und Wassergefäße sind nach jedem Gebrauch komplett zu entleeren, mechanisch und mit einem geeigneten Reinigungsmittel zu reinigen und zu desinfizieren.“ Zudem gelten alle Regeln, die auch allgemein in der Gastronomie gelten.

Warum dürfen Clubs noch nicht öffnen?

Bordelle dürfen ab Mittwoch öffnen (wir berichteten), Clubs, Diskos und Tanzlokale hingegen nicht – viele Facebook-User finden das ungerecht. Der Unterschied ist allerdings: In Bordellen treffen normalerweise immer nur zwei Personen gleichzeitig direkt aufeinander, in Clubs kommen sehr viele Menschen auf engem Raum zusammen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass vor allem Massenveranstaltungen für die Ausbreitung des Coronavirus entscheidend waren – wie zum Beispiel eine Karnevalssitzung in Heinsberg oder die Après-Ski-Partys in Ischgl. Deshalb sind in Deutschland auch Großveranstaltungen bis 31. August verboten.

Ob Clubs und Tanzlokale zumindest bald unter bestimmten Bedingungen öffnen könnten, bleibt weiter unklar. Auch die neunte Corona-Verordnung geht nicht genauer darauf ein. Es heißt lediglich:

„Untersagt ist die Öffnung oder Durchführung von

1. Clubs, Diskotheken und ähnlichen Einrichtungen

2. Kirmes, Volksfesten und ähnlichen Einrichtungen.“

Warum sind dann trotzdem Veranstaltungen in geschlossenen Räumen erlaubt?

In der achten Corona-Verordnung vom 25. Mai wurden zum ersten Mal wieder Veranstaltungen mit bis zu 100 Menschen erlaubt – allerdings nur draußen. Mit der neunten Verordnung, die ab Mittwoch gilt, ändert sich das: Veranstaltungen im Freien sind jetzt mit bis zu 250 Personen erlaubt. Und erstmals dürfen Veranstaltungen auch wieder in geschlossenen Räumen stattfinden – mit bis zu 75 Personen.

Gemeint sind damit allerdings keine Partys, sondern Zusammenkünfte, Messen oder Spezialmärkte unter strengen Auflagen. Unter anderem gilt:

  • das Abstandsgebot von 1,5 Metern

  • Besucher und Mitarbeiter tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung

  • die Kontaktdaten aller Personen müssen erfasst werden

  • Veranstaltungen (innen und außen) sind auf den Zeitraum von 6 bis 24 Uhr begrenzt

  • alle Räume müssen sind mindestens im Abstand von 20 Minuten für jeweils 15 Minuten gelüftet werden.

Darf ich Visier statt Maske tragen?

Zunächst galt: Ja, auch ein Visier ist „zulässig“ (wir berichteten). Das hat sich allerdings geändert. In der „Auslegungshilfe zur Mund-Nasen-Bedeckung“ heißt es mittlerweile: „Falls aus medizinischen oder psychischen Gründen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) nicht möglich ist, weisen wir vorsorglich darauf hin, dass Visiere zwar zulässig sind, jedoch im Sinne der Zielsetzung der MNB nicht als gleichwertige Alternative angesehen werden können.“

Im Klartext heißt das, dass „nur Ärzte beurteilen könnten, welche medizinischen Gründe gegen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sprechen. Wer ein Attest vorweisen könne, dürfe statt einer Maske auch ein Visier tragen“, wie der SWR auf Nachfrage beim Gesundheitsministerium erfuhr. Rheinland-Pfalz hat die Regeln diesem einen Punkt also nicht gelockert, sondern sogar verschärft. (ts)

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