„Skandal“? - Schließung von Obdachlosen-Unterkunft sorgt für Ärger

Wegen der Corona-Krise durften Obdachlose die mobilen Schlafcontainer am Fort Hauptstein, die als Notunterkunft in der Winterzeit dienen, zuletzt länger nutzen. Die Container sind nun aber ab sofort geschlossen. Das sorgt jetzt für großen Ärger.

„Skandal“? - Schließung von Obdachlosen-Unterkunft sorgt für Ärger

„Unterkunft räumen“ hieß es am Dienstagnachmittag für die Obdachlosen am Fort Hauptstein. Dort stehen insgesamt sechs mobile Schlaf- und ein Sanitär-Container. Nutzen können die Obdachlosen diese aber nun nicht mehr. Die Stadt Mainz hat die Unterkunft geschlossen. Für den Verein „Rheinhessen hilft“ (Verein zur Förderung benachteiligter Menschen) ist diese Entscheidung ein echter „Skandal“.

„Unsoziales Vorgehen“

Wie der Verein erklärt, seien die Bewohner einfach von heute auf morgen auf die Straße gesetzt worden. „Vereinbart war, dass während der Corona-Pandemie die mobile Schlafstelle der Stadt Mainz am Fort Hauptstein weiter genutzt werden kann, ehe diese schließt. Die Pandemie ist noch lange nicht beendet. Wie begründet die Stadt diesen elementaren Einschnitt zum Nachteil sozial und gesundheitlich benachteiligter Menschen?“, so der 2. Vorsitzende des Vereins, Marlon Demel.

Die Übernachtung im Vier-Bett-Container sei kostenlos und zeitlich nicht begrenzt gewesen. Es stelle sich nunmehr die Frage, was die Stadt in den vielen Monaten getan hat, um gemeinsam mit diesen Menschen eine Bleibe oder Wohnung nach der Container-Zeit zu finden, so Demel. Gerade die ärmsten Menschen, darunter Obdachlose, leiden am meisten unter der Corona-Krise, weil sie keinen Rückzugsort hätten. Wie dieses „unsoziale Vorgehen“ von den Verantwortlichen begründet wird, bleibe abzuwarten. Die Bewohner seien zudem nur wenige Tage vorher über die Maßnahmen informiert worden, so „Rheinhessen hilft“ in einer Pressemitteilung.

Dass die Obdachlosen vor einigen Tagen über die Schließung informiert wurden, bestätigt auch die „gpe“ Mainz (Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen), die organisatorisch für die mobilen Schlafcontainer zuständig war. „Es wurden am 16. Mai Aushänge gemacht und Zettel verteilt, die auf die bevorstehende Schließung hinwiesen“, so eine gpe-Sprecherin gegenüber Merkurist. Völlig ohne Ankündigung sei die Schließung somit nicht erfolgt. „Rheinhessen hilft“ will die Schließung der Unterkunft nun aber nicht einfach so hinnehmen: „Wir fordern den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, einen Sozialdemokraten, deshalb auf, Rede und Antwort zu stehen und kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen“, so der Verein.

Doch diese Antwort blieb bis Dienstagabend wohl aus, wie der Verein in einem Facebook-Post angibt. Dafür erklärte der Mainzer Sozialdezernent Dr. Eckart Lensch (SPD) gegenüber der Allgemeinen Zeitung: „Das Angebot ist nicht mehr erforderlich, die Infektionslage ist niedriger.“ In Mainz gebe es eine gute Betreuung für Obdachlose. Dabei verwies Lensch auf das Thaddäusheim und das Heinrich-Egli-Haus. „Rheinhessen hilft“ ist dennoch schockiert. Denn wie der Verein in seinem Post schreibt, gehe aus einem weiteren Schreiben des Mainzer Oberbürgermeisters von Mitte März 2020 an eine Bewohnerin des Container-Dorfs hervor, dass die Container laut Sozialdezernent aufgrund der Pandemie bestehen bleiben sollen. Beide Schreiben lägen dem Verein auch vor.

Wie es nun weitergeht ist unklar. Auf eine Merkurist-Anfrage zu den genauen Hintergründen der Container-Schließung hat die Stadt Mainz bisher noch nicht geantwortet. Laut Facebook-Post von „Rheinhessen hilft“ soll es am Mittwoch jedoch eine Pressekonferenz des Sozialdezernenten Lensch zu dem Thema geben. (df/ms)

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