Zecken breiten sich im Rhein-Main-Gebiet immer mehr aus

Sie übertragen gefährliche Krankheiten wie FSME und Borreliose. Nun haben Forscher festgestellt, dass Zecken sich immer weiter verbreiten. Auch Teile des Rhein-Main-Gebiets zählen inzwischen zu Risikogebieten.

Zecken breiten sich im Rhein-Main-Gebiet immer mehr aus

Es wird wieder wärmer, die Menschen zieht es nach draußen. Auch die Natur wird langsam wach, und mit ihr die Zecken. Die winzigen Spinnentiere leben bodennah, in Gräsern, Büschen und Unterholz. Dort warten sie auf ihren Wirt, von dessen Blut sie sich dann ernähren. Sie packen mit den Vorderbeinen zu, wenn man etwa an Büschen vorbeistreift. Dann können sie gefährliche Krankheiten übertragen, wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose.

Zecken machen sich in Deutschland immer mehr breit. Wie Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart in dieser Woche verkündeten, würden etwa in Höhenlagen von 500 bis 700 Metern zunehmend FSME-Fälle registriert. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass es den Zecken in tiefer gelegenen Gegenden allmählich zu warm wird.

Fast 400 FSME-Erkrankungen im Jahr 2021

390 FSME-Erkrankungen wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr übermittelt. Das waren zwar 45 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor, doch das sei immer noch ein hoher Wert, wie Gerhard Dobler, Leiter des „Nationalen Konsiliarlabors FSME“ am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München gegenüber Spiegel Online sagt. Die Schwankungen hängen demnach von den Witterungen und vom Freizeitverhalten der Menschen ab – ob sie sich also mehr im Grünen aufhalten.

Risikogebiete sind vor allem die südlichen Länder: Bayern, Baden-Württemberg, das südliche Hessen, Thüringen und Sachsen. Wie das RKI mitteilt, befinden sich jedoch auch „einzelne Risikogebiete“ etwa in Mittelhessen und Rheinland-Pfalz. In diesem Jahr sind sogar sechs neue Risikogebiete hinzugekommen, heißt es im „Epidemiologisches Bulletin“ des RKI. „Somit sind aktuell 175 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert“ – von insgesamt 401 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland.

Gehören Mainz und Wiesbaden zu Risikogebieten?

Betrachtet man die Zahlen des RKI, gehören weder Wiesbaden noch Mainz bisher zu den FSME-Risikogebieten. In Wiesbaden hat es in den vergangenen 17 Jahren zwei FSME-Fälle gegeben, in Mainz gar keinen. Der Landkreis Birkenfeld ist das einzige vom RKI ausgewiesene Risikogebiet in Rheinland-Pfalz. In Hessen jedoch ist die Lage ganz anders: Hier zählen zehn Landkreise und Städte zu den Risikogebieten, darunter auch der Kreis Groß-Gerau, der Main-Kinzig-Kreis, Darmstadt und Umgebung sowie der Odenwald und Offenbach. Der Rhein sei eine natürliche Grenze „für Naturherde“, heißt es beim RKI.

„Der Rhein stellt in dieser Region eine plausible natürliche Grenze für Naturherde dar“ – Robert-Koch-Institut

Geschätzte 70 bis 95 Prozent der FSME-Infektionen verlaufen zwar ohne Symptome oder einen schweren Krankheitsverlauf. Doch wen die Erkrankung erwischt, kann gefährliche neurologische Schäden davontragen. Typischerweise beginnt eine FSME-Erkrankung nach einer Inkubationszeit von sieben bis 14 Tagen mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Kopfschmerzen und Fieber. Dann lassen erst einmal die Symptome nach. Anschließend können jedoch neurologische Schäden entstehen, darunter Meningitis (Gehirnhautentzündung), Enzephalitis (Entzündung des Gehirn-Gewebes) oder Myelitis (Rückenmarkentzündungen). Schutz kann eine Impfung beim Hausarzt bieten.

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