Wie gefährlich sind die Vulkane vor der Mainzer Haustür?

Es brodelt unter der Erde, immernoch. Ein Vulkanausbruch in der Eifel könnte auch Mainz und vielleicht ganz Europa treffen. Mainzer Vulkanforscher untersuchen die Region und warnen davor, solche Bedrohungen nicht ernst zu nehmen.

Wie gefährlich sind die Vulkane vor der Mainzer Haustür?

Rund 800 Vulkane verteilen sich über die Eifel, nur etwa 100 Kilometer von Mainz entfernt. Einige von ihnen schlafen nur, sagen Experten, es tut sich etwas unter der Oberfläche. Am Laacher See, dem größten von ihnen, wird das besonders deutlich: Hier steigen am Ostufer Luftbläschen, so genannte Mofetten, an die Wasseroberfläche. Das Wasser ist hier ständig in Bewegung, es stinkt nach Schwefel.

Mainzer Forscher wollen nun mit einer für Deutschland einzigartigen Messkampagne herausfinden, wie es um die Vulkane in der Eifel steht und mit was die Menschen vor Ort und im weiteren Umkreis rechnen müssen. „Mainz etabliert sich gerade als Zentrum für Vulkanologie“, sagt Prof. Dr. Luca De Siena, der die Arbeitsgruppe Vulkanseismologie am Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) leitet. In ganz Deutschland gebe es nur zwei Professuren zu diesem Fachgebiet, eine davon an der JGU. Die neue Kampagne sei „gigantisch“ heißt es von Seiten der Uni. Mit von der Partie sind das Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam (GFZ) sowie Fachleute der Universitäten Frankfurt, Kiel, Köln und Mainz sowie des Landeserdbebendiensts Rheinland-Pfalz.

Geofone vermessen den Untergrund

350 Geofone sollen nun seismische Wellen im Untergrund messen. Aus diesen Daten will De Siena dann Computermodelle erstellen und daraus Prognosen ableiten. De Siena selbst hat ein Computerprogramm entwickelt, das seismische Wellen nutzt, um 3D-Modelle von vulkanischen Vorgängen zu erstellen. Eine Forschungsplattform soll sich zudem den magmatischen Prozessen in der Atmosphäre, der Erdkruste und dem Erdmantel widmen. Die letzten groß angelegten Messungen haben Wissenschaftler der Universität Göttingen im Jahr 1990 organisiert.

Reale Erfahrungen mit Vulkanen bringt der Italiener De Siena ohnehin mit: Der in Salerno geborene Wissenschaftler kommt aus einer Region, in der Vulkane eine sichtbare Bedrohung sind. In Neapel hat er unter anderem die Aktivität des Vesuv erforscht. „Die Neapolitaner leben gefährlich. Immer wieder entweichen Gase, die Häuserblocks unbewohnbar machen“, so De Siena. In der Eifel hingegen ist der letzte Vulkan vor 13.000 Jahren ausgebrochen. Für den Forscher sei die Region dennoch „hochinteressant“, sagt er. Der Vulkanismus hier ähnele dem im Yellowstone-Nationalpark. Unter der Oberfläche sammelt sich dort eine Art riesige, pilzförmige Magma-Blase, eine sogenannte „Plume“.

„Der Mensch verliert die Gefahr leicht aus den Augen, einfach, weil in seiner Lebenszeit nirgends eine wirkliche Katastrophe stattfand“ - Prof. Dr. Luca De Siena

Auch in der Eifel gebe es unter den Vulkanen wahrscheinlich Plumen, vermutet De Siena. Er und sein Team sind durch die Region gezogen, um Sensoren und größere Breitband-Geofone zu platzieren. Die Ergebnisse sollen immer präzisere Aussagen ermöglichen. Mit einem spektakulären Ausbruch in absehbarer Zeit rechnet der Forscher zwar nicht, dennoch könne er so etwa herausfinden, ob beispielsweise durch magmatische Aktivitäten schädliche Substanzen ins Grundwasser geraten.

Vulkane können das Klima entscheidend beeinflussen

Forschungen zum Vulkanismus seien wichtig, ist De Siena überzeugt. „Der Mensch verliert die Gefahr leicht aus den Augen, einfach, weil in seiner Lebenszeit nirgends eine wirkliche Katastrophe stattfand“, so der Wissenschaftler. „In Italien ist die Bedrohung sichtbar und spürbar, deswegen wird dort die Vulkanforschung sehr unterstützt. Dabei spielt Vulkanismus für die gesamte Welt eine wichtige Rolle – nicht zuletzt als ein Faktor, der das Klima entscheidend beeinflussen kann.“

Wann die Vulkane in der Eifel tatsächlich noch einmal ausbrechen könnten, ist allerdings ungewiss. „Irgendwann wird es wohl einen Ausbruch geben, aber das kann Tausende bis Hunderttausende Jahre dauern“, sagt De Siena. Bei der bislang letzten Eruption, die mehrere Tage dauerte, wurden weite Teile Europas verwüstet. Vierzig Meter hoch ist die Aschesäule gestiegen, Aschewolken zogen über den Himmel, pyroklastische Stürme sorgten dafür, dass die Region unter einer 60 Meter dicken Schicht Vulkanasche und Bims begraben wurde. Feine Partikel flogen bis nach Norditalien, nach Russland und Skandinavien.

Inzwischen ist der Einbruchkrater des größten Vulkans mit rund 3,3 Quadratkilometern und mehr als 50 Metern Wassertiefe der größte See in Rheinland-Pfalz. Der Laacher See und die umliegenden Ländereien sind im Besitz der Abtei Maria Laach. Das Naturschutzgebiet zählt zu den beliebtesten Erholungsgebieten der Region.

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