WM-Sieg nach dem Tod: Die tragische Geschichte des Mainzers Jochen Rindt

Vor 50 Jahren wurde der Mainzer Rennfahrer Jochen Rindt Formel-1-Weltmeister. Den WM-Sieg erlebte er allerdings nicht mehr - denn er starb kurz vor seinem größten Triumph.

WM-Sieg nach dem Tod: Die tragische Geschichte des Mainzers Jochen Rindt

Im Jahr 1970 war für den Mainzer Rennfahrer Jochen Rindt - damals 28 - alles angerichtet: Ein paar ordentliche Rennen noch und Rindt wäre der Sieg in der Formel-1-Fahrerweltmeisterschaft nicht mehr zu nehmen gewesen. Den WM-Sieg sollte Rindt tatsächlich erringen, erleben durfte der Mann mit dem kurzen aber bewegten Leben den Triumph jedoch nicht mehr.

Rindt ging offiziell für Österreich an den Start. Dass hinter seinem Namen eine rot-weiß-rote Flagge statt einer schwarz-rot-goldenen aufgeführt wurde, liegt am tragischen Schicksal seiner Eltern: Im April 1942 in Mainz geboren, wurde Jochen Rindt schon mit einem Jahr Vollwaise. Seinen Eltern hatte die Gewürzmühle „Klein & Rindt“ in der Rheinallee gehört. In der Kaiserstraße 55 stand das Elternhaus. Als die Eltern im Sommer 1943 geschäftlich in Hamburg waren, fielen sie einem Bombenangriff der Alliierten zum Opfer.

Der kleine Jochen wurde Alleinerbe der Gewürzmühle, zog aber zu seinen Großeltern nach Graz. Bei Betriebsversammlungen oder Vorstandssitzungen wurde er von einem richterlichen Vormund vertreten. Gelegentlich reiste sein Großvater, Dr. Hugo Martinowitz, mit ihm nach Mainz, um nach dem Rechten zu sehen. Teilweise wohnte Rindt in der Jakobsbergstraße, wo sich auch der Firmensitz befand. In der Ausstellung „Jochen Rindt – Mainzer Spuren“ aus dem Jahr 2012 wurde die Anekdote beschrieben, dass Rindt nach einem Skiunfall, der ihn vorübergehend bewegungsunfähig machte, ein VW Käfer inklusive Chauffeur aus Mainz geschickt wurde. „Jochen fand allerdings nur den Käfer gut. Den Chauffeur wurde er auf ganz galante Weise los. Der Käfer wurde für illegale Wettrennen zweckentfremdet“, hieß es in der Ausstellung.

Die deutsche Staatsbürgerschaft legte Rindt nie ab, doch sein steirischer Dialekt ließ seine Herkunft nicht vermuten. Im Aktuellen Sportstudio drückte es Rindt einmal diplomatisch aus: „Ich fühle mich als Europäer.“ Als er in die Formel 1 kam, erntete Rindt schnell Bewunderung. Motorsport-Legenden wie Graham Hill oder Jackie Stewart schätzten den Mainzer Rennfahrer - zumindest abseits der Strecke. Stewart sagte mal über Rindt: „Er ist der Fahrer, der mir im Rennen die meisten Sorgen bereitet, aber ist einer meiner besten Freunde.“

Tragischer Unfall vor dem Triumph

1970 war Jochen Rindt bereits sechs Jahre Formel-1-Pilot und vieles deutete darauf hin, dass es sein Jahr werden sollte. Rindt gewann fünf Rennen steuerte mit Vollgas auf seinen ersten WM-Titel zu. Doch dann kam der 5. September 1970. Im Abschlusstraining zum Grand Prix von Monza überholte Rindt mit seinem Lotus 72 den Neuseeländer Denis Hulme. Als er vor der Parabolica-Kurve herunterschaltete, brach vermutlich seine vordere rechte Bremswelle. Der Wagen prallte links in die Leitplanken, drehte sich einige Male und touchierte mehrmals die Begrenzung, ehe er etwa fünf Meter neben der Leitplanke liegen blieb. Jochen Rindt starb noch im Rettungswagen auf dem Weg in die Mailänder Universitätsklinik. Er wurde nur 28 Jahre alt und konnte seinen größten Triumph nicht mehr miterleben.

Denn trotz dreier ausstehender Rennen wurde Rindt als erster und bisher einziger Fahrer posthum Weltmeister. Seine Witwe Nina nahm den Pokal entgegen. Tochter Natasha war zwei Jahre alt, als ihr Vater starb. In Mainz erinnert abgesehen von der Ausstellung 2012 kaum noch etwas an den berühmten Sohn der Stadt. Wo früher die Gewürzmühle der Rindts war, steht heute ein Neubau des „Erdal“-Unternehmens. Eine Gedenktafel oder ähnliches gibt es nicht. Dafür erinnerte Udo Jürgens, einer von Rindts besten Freunden, an den Mainzer Weltmeister. In dem Lied „Der Champion“ heißt es unter anderem: „Sieg, Niederlage oder Tod. Nur die drei Chancen kennt dein Spiel. Auf eine davon rast du zu, in Richtung Ziel.“ (mm)

Artikel: Ralf Keinath und Peter Kroh

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