Trinkwasserbrunnen in Mainz – wird die Stadt das neue Gesetz umsetzen?

EU und Bundeskabinett fordern, dass Menschen im öffentlichen Raum Trinkwasser zur Verfügung stehen soll. In Mainz jedoch wurden alle Trinkwasserbrunnen deaktiviert. Was plant die Stadt nun?

Trinkwasserbrunnen in Mainz – wird die Stadt das neue Gesetz umsetzen?

„Allen Bürgerinnen und Bürgern soll im öffentlichen Raum Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser ermöglicht werden“ – diese Richtlinie der Europäischen Union (EU) will nun auch die Bundesregierung für die deutschen Städte durchsetzen. Dafür soll sogar das Wasserhaushaltgesetz geändert werden.

Ein wichtiger Bestandteil des geplanten Gesetzes sind Trinkwasserbrunnen an öffentlichen Orten, also etwa in Parks, Fußgängerzonen und in Einkaufspassagen – „sofern dies technisch machbar ist und dem lokalen Bedarf entspricht“, heißt es von Seiten der Bundesregierung. Grund sei die erwartbare Hitze, vor allem in Innenstädten. Auch sollen dadurch weniger Flaschen genutzt werden, was Ressourcen einspare.

Brunnen aus Hygienegründen abgeschaltet

In Mainz gab es auch einmal Trinkwasserbrunnen. Der letzte auf dem Rebstockplatz wurde jedoch zur Zeit der Coronapandemie abgestellt. Es sei immer wieder zu technischen Problemen gekommen. Letztendlich wurde er dann „aus Hygienepunkten“ abgeschaltet, ist auf Nachfrage von der Stadt zu erfahren. Betrieben wurde der Spender, der Trinkwasser auf Knopfdruck lieferte, von den Mainzer Stadtwerken. Seitdem gibt es keine einzige öffentliche Stelle in der Innenstadt mehr, an der die Mainzer kostenlos Trinkwasser bekommen.

Vor drei Jahren hatte die SPD noch einen Antrag gestellt, der im Stadtrat einstimmig angenommen wurde. Zehn Trinkwasserspender solle es „für den Anfang“ geben. Doch passiert ist seitdem nichts. Vor ein paar Wochen fragte die CDU-Stadtratsfraktion noch einmal bei Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) nach: „Welche Möglichkeiten zum Aufstellen von weiteren Trinkwasserbrunnen gibt es in der Stadt Mainz?“

Betrieb aufwändig und teuer

Die Antwort – kurz gefasst: Um diese Anlagen hygienisch einwandfrei betreiben zu können, sei der Aufwand sehr hoch und „ökologisch bedenklich“. Denn je nach Standort sei es notwendig, einen zusätzlichen Kanalanschluss zu legen. „Umgerechnet für jeden Liter Trinkwasser, der an einem solchen Brunnen entnommen würde, müssten nach ersten Berechnungen der Mainzer Netze GmbH bis zu 22 Liter Trinkwasser gespült und in den Kanal geleitet werden“, so Steinkrüger. Die Suche nach einem geeigneten Standort sei also schwierig, die Anforderungen hoch.

Denn nicht nur müsse die Trinkwasserqualität sichergestellt und regelmäßig überprüft werden, es müsse auch ständig Wasser vor- und nachlaufen. Außerdem müsse der Brunnen vor Frost und Vandalismus geschützt werden. Daher könne man Trinkwasserspender nur an wenigen Stellen betreiben. Sinnvoll sei es nur dort, wo die Nachfrage sehr hoch sei und die Brunnen kontinuierlich genutzt würden.

Auch die Kosten seien hoch. Je nach Standort würden die Mainzer Netze mit mindestens 10.000 Euro für einen Trinkwasserbrunnen rechnen, so Steinkrüger. Liege der Brunnen weiter entfernt von bestehenden Ent- und Versorgungsleitungen oder seien weitere Grabungs- und Anschlussarbeiten notwendig, könnten die Kosten auch noch höher liegen. Jedoch könnten auch Mittel vom Land beantragt werden. Im Rahmen des Förderprogramms „100 Trinkwasserbrunnen für Rheinland-Pfalz“ gebe es immerhin 4000 Euro Zuschuss.

Dennoch sei es mit Blick auf Klimawandel und Hitze immer wichtiger, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Daher würden „unterschiedliche Möglichkeiten geprüft und bewertet“, um die Mainzer vor allem an Hitzetagen mit Trinkwasser zu unterstützen, erklärt Steinkrüger. Was genau das für die Zukunft der öffentlichen Trinkwasserstellen bedeutet, bleibt aber unklar.

Eine Alternative ist momentan das Mainzer Projekt „Refill“: An 36 Stationen, vor allem bei Geschäften und Gastronomien in der Alt- und Neustadt, können kostenlos Wasserflaschen aufgefüllt werden. Erkennen kann man diese Stationen an dem Refill-Aufkleber am Fenster oder der Tür. Eine Liste der Stationen in Mainz findet ihr hier.

Hinweis:

Die EU-Trinkwasser-Richtlinie ist teilweise bereits in deutsches Recht umgesetzt. Die noch verbliebenen Vorgaben – etwa zu den Trinkwasserbrunnen – sollen nun im Infektionsschutzgesetz und in der Trinkwasserverordnung festgelegt werden. Das Kabinett hat bereits einen Entwurf beschlossen, dem Gesetz muss nun noch der Bundesrat zustimmen.

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