"Ein Feuerball leuchtete hell auf"

Am 29. Juni 1988 stürzten zwei US-Kampfjets in Bodenheim bei einem Übungsflug ab. Ein Pilot wurde getötet, der andere schwer verletzt. Was passierte damals wirklich? Zeitzeugen erinnern sich an das damalige Unglück.

"Ein Feuerball leuchtete hell auf"

Es war ein heißer Sommertag in Nackenheim, der kleinen, knapp 6000 Einwohner zählenden Ortsgemeinde am linken Rheinufer. Die Sonne stand hoch und strahlte auf die grünen Rebhügel. Plötzlich erschienen zwei Kampfjets am blauen Himmel. Ein lauter Knall ertönte und durchbrach die Stille.

“Ein Feuerball leuchtete hell auf.“

Astrid Lathomus, damals 28 Jahre, war zu diesem Zeitpunkt mit ihrem zweijährigen Sohn im Garten. Sie lag auf einer Liege und sonnte sich, als sie auf einmal etwas bemerkte. Sie schreckte auf: „Ich sah im Himmel zwei Kampfjets, sie prallten direkt aufeinander. Es gab einen lauten Schlag und ein Feuerball leuchtete hell auf.“

An diesem Mittag des 29. Juni 1988 hatten sich zwei US F-16 Kampfjets auf einem Übungsflug über der Frankfurter Zone befunden. Dort wurden sie von der Flugsicherheit aufgefordert, die Zone zu verlassen. Bei einer Geschwindigkeit von ca. 900 km/h waren sie innerhalb von Sekunden kurz vor Bodenheim. Der eine Pilot brach nach rechts aus, der andere blieb, trotz anders lautender Anweisungen, auf seinem Kurs, wodurch die beiden Kampfjets vor Nackenheim mit den Tragflügeln kollidierten.

Fast wäre eine Schule getroffen worden

Die Feuerwehr Mainz schreibt in ihrer Chronik: „Hätte sich die Kollision der beiden Flugzeuge über dem nördlichen Ortsrand von Nackenheim eine Sekunde früher ereignet, hätten die abstürzenden Flugzeuge unweigerlich die Schule in Nackenheim getroffen, eine Sekunde später wären sie in das Gewerbegebiet von Bodenheim gestürzt.“ Die Piloten schafften es allerdings noch, über unbewohntes Feld bei Bodenheim zu fliegen. Dort stürzten sie ab.

„Ich konnte einen Piloten erkennen, der im Schleudersitz herausgeschossen wurde“, erzählt Astrid, „mein Mann stand deshalb stundenlang im Stau und hat an der Unglücksstelle, heute in der Höhe des Aldi in Bodenheim, Übungsbomben des Kampfjets im Asphalt, mitten auf der Straße, stecken sehen.“

Der eine Pilot Mike Crandall, 30 Jahre, starb bei dem Zusammenstoß. Der andere Pilot, Robert McCormack, 31, konnte sich über seinen Schleudersitz noch aus seinem Kampfjet retten. Er überlebte schwer verletzt und landete in einem angrenzenden Getreidefeld. Dort traf er auf die jetzige Ortsbürgermeisterin von Nackenheim, Margit Grub. Sie sah damals den Absturz mit eigenen Augen, drückte ihrer Mutter ihr Kind in die Hand fuhr so schnell sie konnte zur Unfallstelle. „Aus dichtem Rauch rannte mir ein dunkelhäutiger Mann mit seinem Fallschirm über den Schultern entgegen“, erzählt sie, „er schrie panisch auf Englisch, er müsse dringend telefonieren. Ich schickte ihn zu einem Bürogebäude.“ Kurze Zeit später wurde der Unfallort weiträumig durch die US Army abgesperrt, die, so Grub, „mit drei riesigen Fahrzeugen ankamen“.

Was befand sich wirklich in den Kampfjets?

Grub erzählt weiter, dass sich damals jeder im Ort die Frage stellte, was sich wirklich in den Kampfjets befunden hatte. Zwar steckten in der Straße nur die Überreste einer Bombenattrappe. Allerdings gäbe es Gerüchte, dass in einer Nacht- und Nebelaktion der Boden, auf dem die Trümmerteile verteilt lagen, abgetragen und neu befüllt wurde. Etwa, um Spuren zu verwischen, die auf echte Waffen in den Kampfjets hindeuten? „Die ganze Angelegenheit“, sagt Grub, „wurde aber schnell unter den Teppich gekehrt und die Wahrheit kam nie ans Licht.“

Ein Pilot war übermüdet

Später stellte sich heraus, dass der bei dem Unfall verstorbene Pilot Crandall übermüdet war. Sein Dienst dauerte bereits 18 Stunden, in denen er mehrere Trainingsflüge flog. Dennoch schickte die Leitung der Jagdstaffel auf der Air Base in Hahn den Piloten nochmal in die Luft. Wegen dieser Entscheidung musste der Staffelkapitän nach dem Unglück zurücktreten. Der überlebende Pilot, McCormack, fing nach langer Genesungszeit wieder bei Continental Airlines in den USA an zu arbeiten. An der Unfallstelle bei Bodenheim erinnert heute noch ein Gedenkstein an den verstorbenen Piloten.

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