Lufthansa schließt Passagier mit Beatmungsgerät von Flug aus

Vom Flug ausgeschlossen - das ist einem Mainzer Unternehmer vor Kurzem am Frankfurter Flughafen passiert. Doch warum durfte er seine Reise nicht antreten?

Lufthansa schließt Passagier mit Beatmungsgerät von Flug aus

Als Unternehmer ist J. viel unterwegs. Auch privat verreist er gern - häufig auch mit dem Flugzeug. Etwa viermal im Jahr flog der Unternehmer an die verschiedensten Orte, unter anderem nach Marokko, wo ein Teil seiner Familie lebt. Bei seiner letzten Flugreise allerdings musste er am Boden bleiben. Doch was war passiert?

Seit vier Jahren ist J. auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Vor einigen Wochen habe er deswegen bereits über den Malteser Hilfsdienst mit der Lufthansa über die anstehende Reise gesprochen. „Es war von Anfang klar, dass es um eine Person mit Beatmungsgerät geht. Die Lufthansa wollte alle Unterlagen inklusive Flugtauglichkeitsbescheinigungen. Anschließend sprach die Lufthansa mit meinem Arzt, der auch versicherte, dass ich reisefähig bin“, sagt J. Doch die Fluggesellschaft sagte dem Unternehmer ab. Man wolle ihn nicht einem Passagierflugzeug mitnehmen. Die Begründung: Man könne ihn nicht auf einem sogenannten Stretcher, einer Transportliege, mitnehmen. Für etwaige „Interventionen“ sei dann zu wenig Platz.

Für J. unverständlich: „Ich bin anders als andere, die ein Beatmungsgerät brauchen. Ich muss zum Beispiel nicht abgesaugt werden, bin medizinisch gesehen total fit.“ Das habe er auch an die Lufthansa so weitergegeben, sei sogar bereit gewesen statt auf einem Stretcher in der Business Class zu sitzen. Doch gab es erneut eine Absage.

Das sagt die Lufthansa

Lufthansa-Pressesprecher Michael Lamberty schätzt den Vorfall folgendermaßen ein: „Der Patient leidet an einer schwerwiegenden Grunderkrankung, die eine komplexe medizinische Versorgung notwendig macht, die über die Versorgung mit einem Beatmungsgerät hinausgeht. In der unserem Medical Operations Center vorliegenden Anfrage über den Malteser-Hilfsdienst wird diskutiert, ob ein Transport an Bord einer Linienflugzeugs überhaupt möglich sei oder ob nur ein Ambulanzjet infrage käme.“ Zusammenfassend sei zu sagen, dass der Patient nicht aufgrund des Beatmungsgerätes ausgeschlossen wurde, sondern wegen einer schwerwiegenden Grunderkrankung mit der Notwendigkeit einer komplexen medizinischen Versorgung, die auf einem Linienflug nur schwerlich zu leisten wäre. „Andernfalls wäre die Flugsicherheit für alle Gäste sowie die Crew an Bord beeinträchtigt gewesen.“

Grundsätzlich werden laut Lamberty medizinische Geräte vom Medical Operation Center freigegeben. „Für die gängigen Geräte liegen entsprechende Daten und Absprachen mit Lufthansa Technik vor, sodass diese Freigabe zügig erfolgen kann. Insbesondere bei der Mitnahme von Sauerstoffflaschen ist die Gefahrgutvorschrift der International Air Transportation Association, des weltweiten Dachverbands der Linienfluggesellschaften, für alle Fluggesellschaften bindend.“ In der Regel stelle das medizinische Gerät an sich kein Hindernis für die Flugreise dar, jedoch müsse auch die Grunderkrankung stets mit in Betracht gezogen werden.

Entschädigung für den Fluggast?

Eingeschränkt flugreisetauglich können zum Beispiel Passagiere mit akuten oder chronischen Erkrankungen, aber auch Behinderungen sein. „Die speziellen Umgebungsfaktoren der Flugzeugkabine auf Reiseflughöhe wie geringerer Luftdruck oder Vibrationen können sich negativ auf eine bestehende Grunderkrankung auswirken“, so Lamberty. Dies könne Komfortverlust mit sich bringen, die Gesundheit beeinträchtigen, aber auch die Flugsicherheit für alle Beteiligten gefährden.

Bei gewissen Erkrankungen sei eine Beurteilung der Flugreisetauglichkeit durch das Medical Operation Center einzuholen. „Dies gilt etwa für Herz-/Lungenerkrankungen oder Schlaganfälle, für Verletzungen nach Unfällen oder chronischen Leiden.“ Im Krankheitsfall könnten Hilfsmittel wie medizinischer Sauerstoff oder Extra-Sitze ein „fit-to-fly“ ermöglichen. „Sollte ein Fluggast ohne vorherige ärztliche Konsultation fliegen wollen, ist es häufig der Fall, dass seine Krankheit bereits beim Check-in oder später beim Boarding erkannt wird.“ In diesem Fall werde das Medical Operation Center kontaktiert. Dies könne, so Lamberty, dazu führen, dass der Fluggast aufgrund seiner Krankheit für fluguntauglich erklärt und vom Flug ausgeschlossen werden müsse.

„Eine Entschädigung des Fluggastes bei Ausschluss vom Flug aus gesundheitlichen Gründen ist nicht vorgesehen. Was die Erstattung der Ticketkosten angeht, gelten die Regeln der jeweiligen Ticket- beziehungsweise Buchungsklasse“, so Lamberty. Cornelia Cramer, Sprecherin des Luftfahrtbundesamts, ergänzt: „Bei Vorliegen der Voraussetzungen hat die Person einen Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises oder anderweitige Beförderung.“ Für J. ein schwacher Trost, denn bisher hat er keine Entschädigung erhalten. „Ich konnte mein Reiseziel auch nicht mit einer anderen Airline erreichen.“ (pk)

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