Kommt es seit einiger Zeit zu mehr Fluglärm in Mainz?

Flugzeuge sollten immer gegen die Windrichtung starten und landen. Wenn Ostwind ist, verläuft die Landeroute daher über Mainz. In letzter Zeit landen die Flieger aber vermehrt auch bei Süd- und Südwestwind über der Stadt. Das sorgt für mehr Fluglärm.

Kommt es seit einiger Zeit zu mehr Fluglärm in Mainz?

In letzter Zeit wurde wieder vermehrt über Fluglärm in Mainz diskutiert. Nach Wahrnehmung vieler Bürger hat dieser nämlich in den letzten Jahren zugenommen. Merkurist-Leser Phil schreibt: „Als ich in diese Wohnung in Mainz gezogen bin, gab es den Fluglärm nicht. Beim nächsten Umzug suche ich mir eine Bude, über der keine Flieger Lärm verursachen.“ Auch Merkurist-Leser Steffen beschwert sich: „In zwei Mainzer Krankenhäusern und fünf Schulen gibt es extreme Probleme wegen des Lärms und die DFS und die Airlines könnten viel leiser fliegen... Patienten, bei denen man beim Abhören Pause machen muss... traurig.“

Grund für den zunehmenden Lärm: Die Flugzeuge landen nicht nur bei Ostwind, sondern auch bei Süd- und Südwestwind über Mainz. Das schreibt Leser Steffen in seinem Snip. Normalerweise verläuft die Landeroute der Flugzeuge ausschließlich bei Ostwind über der Stadt. „Dann kommen die Flugzeuge von Westen in Frankfurt an und können den Gegenwind zum Landen nutzen“, sagt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung (DFS). Wenn die Flugzeuge aber, wie von Steffen beobachtet, bei Süd- oder Südwestwind über Mainz fliegen, müssen sie mit Rückenwind landen. Das kann gefährlich werden, weil das Flugzeug beim Landeanflug zusätzlich beschleunigt wird. Warum fliegen die Flugzeuge also trotz Süd- und Südwestwind über die Stadt?

Die 5-Knoten-Regelung

Bei geringer Windstärke wird der Rückenwind beim Landen in Kauf genommen, um den Fluglärm in den Frankfurter Gebieten zu reduzieren. „Dadurch werden die Geräusche zwar nicht leiser, aber für eine kürzere Zeit hörbar“, erklärt das Kelsterbacher Informationszentrum „Umwelt- und Nachbarschaftshaus“. Die Höchstgrenze für die Windstärke liegt dabei aber nach Empfehlungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) bei fünf Knoten. Bei einer Windstärke von bis zu fünf Knoten aus Südwestrichtung ist das Landen aus Mainzer Richtung also erlaubt. Laut Merkurist-Leser Steffen wird diese Empfehlung aber beliebig ausgelegt. „Die Gegenwindregel bis fünf Knoten wird nur noch dafür ausgelegt, über Mainz zu fliegen.“ In die andere Richtung, also bei Ostwind, sei dies nicht der Fall. „Wenn man fragt, warum die Fünf-Knoten-Gegenwindregelung nicht angewendet wird, bekommt man genau gar keine Antwort.“

Ungenaue Messungen

„Die Windmessungen der normalen Wettervorhersagen können für den Flugverkehr nicht herangezogen werden“, sagt Ute Otterbein von der DFS. Wenn die Wetterapp anzeigt, dass gerade Süd- oder Südwestwind ist, könne das für die Piloten ganz anders aussehen. „Die Windkomponenten setzen sich aus den Windverhältnissen in den verschiedenen Höhenlagen zusammen. Alles zusammen betrachtet beeinflusst im Endeffekt die Betriebsrichtung“ , erklärt Otterbein.

Der Wetterdienst auf der Website von Fraport sei da schon genauer. „Aber alle diese Wetterdienste sind nicht valide für die Festlegung der Betriebsrichtung“, so Otterbein. Die Fluglotsen haben noch genauere Informationen, um die Situation einschätzen zu können. Und auch die Piloten dürfen mitreden. „Wir würden nie einen Piloten zwingen, mit hohem Rückenwind zu landen. Sie können die Situation in der Luft besser einschätzen“, sagt Ute Otterbein. Der Wind kann kurzzeitig abflauen oder drehen. Außerdem kann es sein, dass die Windverhältnisse in der Höhe ein Drehen nicht zulassen. Welcher Kurs geflogen wird, liegt also im Ermessen der Fluglotsen und Piloten.

Vermehrter Flugverkehr über Mainz

Aber auch ohne das von Leser Steffen beklagte Ignorieren der Windrichtung dürfte es in diesem Jahr in Mainz zu vermehrtem Flugverkehr über der Stadt gekommen sein. „Im langjährigen Mittel wird in Frankfurt zu 75 Prozent West- und zu 25 Prozent Ostbetrieb geflogen“, schreibt das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in einer Erklärung zu Betriebsrichtungen und Rückenwind. 25 Prozent des Flugverkehrs läuft also durchschnittlich über Mainz. Dieses Jahr dürfte es aber mehr gewesen sein. „In Schönwetterphasen ist meistens Ostwind“, sagt Ute Otterbein. „Da es dieses Jahr viele warme Tage gab, dürfte es also vermehrt zu Flugverkehr über Mainz gekommen sein.“ (df)

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