Beschwerde gegen „Bild“-Artikel über Mainzer Studie

Weil die „Bild“-Zeitung bei einem Bericht über eine Studie der Uni Mainz gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen hat, ist der Deutsche Presserat nun eingeschritten. Was dahinter steckt.

Beschwerde gegen „Bild“-Artikel über Mainzer Studie

„Flüchtlings-Berichte von Bild waren ausgewogen“ - so lautete die Überschrift eines Artikels, der ausgerechnet in der „Bild“ selbst veröffentlich wurde. Doch genau mit diesem hat sich die Zeitung nun Ärger mit dem Deutschen Presserat eingehandelt. Dieser stellte einen Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht fest. Das berichtet das Medienmagazin „Übermedien“, das die Beschwerde eingereicht hatte.

Doch was war passiert? In dem Artikel geht es um die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Uni Mainz. Eine Forschergruppe um Publizistik-Professor Marcus Maurer hatte sich unter anderem mit der Ausgewogenheit der Berichterstattung über die Flüchtlingskrise beschäftigt. Drei Faktoren spielten dabei eine Rolle: die positive oder negative Bewertung von Zuwanderern, die Zuwanderung als Chance oder Gefahr und der Vorrang der Bedürfnisse von Einheimischen oder von Zuwanderern. Für die „Bild“ ergab die Studie, dass das Blatt beim ersten und dritten Faktor sehr ausgewogen berichtete. Nur beim zweiten Faktor blieb die „Bild“ einseitig und stellte laut Studie „Zuwanderung bei weitem überwiegend als Gefahr“ dar. Das betraf aber alle untersuchten Medien („Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Tagesschau“, „heute“ und „RTL aktuell“).

„Unvollständiger und unzutreffender Eindruck“

Dieses Ergebnis erwähnte „Bild“ mit keinem Wort in dem Artikel, mit seinem dazugehörigen Kommentar rückte Chefredakteur Julian Reichelt das Ganze sogar ins Gegenteil. Gegenüber „Übermedien“ äußerte sich Forschungsleiter Maurer wie folgt: „Der ‚Bild‘-Beitrag enthält (…) zwar keine falschen Fakten, vermittelt aber durch die Auswahl nur solcher Befunde, die die ‚Bild‘-Zeitung in ein positives Licht rücken, einen unvollständigen und insgesamt unzutreffenden Eindruck von den Studienergebnissen.“ Auch Reichelt selbst äußerte sich zu dem Vorwurf: „Allein aufgrund der Tatsache, dass die Studie bei dem Indikator 2 nicht zu dem Ergebnis komme, dass ‘Bild’ – wie alle anderen der untersuchten Medien auch – vollständig ausgewogen berichtet habe, solle nun die Wertung einer grundsätzlich ausgewogenen Berichterstattung über die Flüchtlingskrise unzutreffend sein?“

Der Presserat begründet seine Beschwerde wie folgt: „Der Ausschuss ist der Auffassung, dass die Redaktion unter anderem in der Überschrift eine Behauptung aufstellt, die nicht ausreichend von Tatsachen gedeckt ist. (…) In der Textberichterstattung berichtet die Redaktion nach Auffassung des Gremiums einseitig, nur positive Ergebnisse der Studie in Bezug auf die Zeitung werden erwähnt, negative nicht. Dadurch entsteht beim Leser ein falsche Eindruck von den Ergebnissen der Studie. Zwar sind sich die Ausschussmitglieder einig, dass die Redaktion ein hohes Maß an Freiheit bei der Interpretation der Ergebnisse hat und die durchaus auch zuspitzen darf, sie darf durch das Weglassen negativer Ergebnisse jedoch keinen falschen Eindruck beim Leser erzeugen.“ (rk)

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