Dieser Mainzer gab seinen Manager-Job auf und reiste zwei Jahre um die Welt

Florian Astor hatte das, wovon viele träumen: viele Freunde, ein eigenes Haus und einen gut bezahlten Job. Doch dann entschied er sich, alles aufzugeben. Astor startete eine Reise, die sein Leben veränderte.

Dieser Mainzer gab seinen Manager-Job auf und reiste zwei Jahre um die Welt

Eigentlich wollte er nur eine berufliche Veränderung. Dass er auf eine Reise gehen sollte, die sein ganzes Leben verändern würde, damit hatte Florian Astor Ende 2015 nicht gerechnet. Als Manager bei einer großen deutschen Fluggesellschaft verdiente der Frankfurter viel Geld. „Ich war damals überhaupt nicht unzufrieden in meinem Beruf. Ich hatte viele Freunde und ein schönes Haus“, erinnert sich Astor, der inzwischen in Mainz lebt, im Gespräch mit Merkurist zurück.

Als er mehrere Hundert Stellen in seiner Abteilung abbauen musste, kam dem damals 33-Jährigen der Gedanke: „Noch bist du der junge Manager. Doch was, wenn du irgendwann auf der anderen Seite stehst?“ Astor wachte eines Morgens auf und wollte einen Berufswechsel. „Ich wollte nicht mein ganzes Leben lang im gleichen Konzern arbeiten. Da wurde mir klar: Ich muss den Absprung wagen und das vermeintlich Sichere aufgeben.“

„Ich bin dann mal weg“

Bevor er sich aber nach einem neuen Job umschaute, plante er einen längeren Urlaub. „Zunächst sollten es sechs Wochen sein, doch irgendwann wollte ich immer mehr Zeit für mich.“ Dann wurde ihm klar: „Ich kündige.“ Obwohl ihm sein Arbeitgeber ein Sabbatjahr anbot, wollte Astor sich frei von allem machen. Der Urlaub sollte so lange dauern, wie Astor es wollte. Getreu dem Motto: „Ich bin dann mal weg.“

Astor räumte sein Haus aus, verschenkte seine Einrichtung, stellte ein paar Kisten in den Keller. Dann ging es los. Nächstes Ziel: Neuseeland. „Ich wollte eine Outdoor-Challenge, etwas, das man in einem normalen Urlaub nicht machen kann“, erzählt er. Also entschied er sich für eine Wanderung vom südlichsten Punkt der Südinsel bis zum nördlichsten Punkt der Nordinsel Neuseelands - rund 3000 Kilometer weit - allein. Und hier erlebte er einige Abenteuer.

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Einmal hatte sich sein Rucksack verhakt und Astor stürzte fast drei Meter tief von einer Klippe. „Meine Schulter war ausgekugelt und ich konnte nicht mehr aufstehen. Außerdem dachte ich, ich hätte mir den Knöchel gebrochen - ich hatte starke Schmerzen.“ Doch sein Knöchel war nicht gebrochen - er steckte in einem Wespennest fest. „Ich habe mir die Schulter selbst wieder eingerenkt und meinen Knöchel befreit. Am Ende hatte ich an die 25 Wespenstiche.“

Dank eines Schmerzmittels konnte sich Astor nach ein paar Stunden in eine alte Jägerhütte schleppen und musste nicht mitten im Gebirge übernachten. Eine Lektion hat er aus dem Sturz gelernt: „Der Körper kann einiges aushalten - so schnell stirbt oder verhungert man nicht.“

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Bis zu fünf Tage ohne Kontakt zu Menschen

Der Großteil seines Weges führte Astor durch Gebirge und Farmland. Manchmal bekam er bis zu fünf Tage keinen anderen Menschen zu Gesicht. „Es verändert sich etwas in dir, wenn du so lange alleine unterwegs bist. Plötzlich ist da kein Smartphone mehr, keine Werbetafel - einfach nichts.“ Am Ende seiner Reise saß Astor einmal in einem Café in Wellington. Um ihn herum unterhielten sich die Menschen, hatten Spaß und lachten. Und Astor? Er saß alleine an einem Tisch und ließ die Eindrücke auf sich wirken. „Früher hätte ich das nicht ausgehalten. Ich hätte mein Smartphone rausgeholt und mich gefragt, was die anderen Leute von mir denken.“ Er hätte sich dann die Frage gestellt: „Denken die, ich hätte keine Freunde und müsste hier deshalb alleine sitzen?“ Nun war es ihm einfach egal.

„Es ging nie um das Ziel - der Weg selbst war das Ziel“ - Florian Astor

Besonders prägend seien für ihn die letzten Meter seiner Reise gewesen. „Der Endpunkt ist ein großer Leuchtturm. Als ich auf den Turm zugelaufen bin und mir klar wurde, dass meine Reise nun nach fünf Monaten vorbei sein würde, da habe ich angefangen zu weinen.“ Plötzlich, so erzählt er, sei es ihm klar geworden: „Es ging nie um das Ziel - der Weg selbst war das Ziel.“ Er habe so viele verrückte Geschichten erlebt, die Neuseeländer von ihrer gastfreundlichsten Seite kennengelernt - und nun sollte all das vorbei sein. „Ich bin um den Turm herumgelaufen und habe mich einfach hingesetzt und weiter geweint.“ Doch sein Abenteuer sollte noch nicht zu Ende sein.

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Raus aus der Komfortzone

Seine Reise führte ihn noch um die halbe Welt, von Kanada über Mittelamerika bis nach Südamerika und sogar in die Antarktis. Als Astor vor knapp einem halben Jahr zurück nach Deutschland kam, wollte er sein Leben bewusst ändern. „Ich wollte nicht dorthin zurück, wo ich vorher gewohnt habe. Nicht, weil es mir dort nicht gefallen hätte, ich wollte einfach aus meiner eigenen Komfortzone raus - etwas Neues machen.“ Also schlief er in den nächsten Monaten bei einem Freund in Mainz-Kastel auf dem Sofa. Inzwischen lebt Astor in einer Studenten-WG in der Mainzer Altstadt und hat mit einem Mainzer Geschäftspartner, den er auf seiner Reise durch Kolumbien kennengelernt hat, ein Start-Up gegründet.

„Das Unternehmen heißt 'campo-golf'. Wir wollen es unseren Kunden einfacher machen, einen Golfplatz zu reservieren“, sagt Astor. Schon vor seiner Reise habe er gerne Golf gespielt. „Das Elitäre am Golfen hat mich nie gereizt, ich mag einfach das Spiel.“ Mitte April geht das Projekt an den Start. Außerdem hält er Vorträge und erzählt anderen Menschen von seiner Geschichte. „Die wichtigste Lektion meiner Reise war: Man muss die eigene Komfortzone durchbrechen, dann kann man wirklich die magischsten Momente erleben.“

Nun widmet sich Astor mit voller Kraft seinen Projekten. Doch hält einer wie er das überhaupt noch aus, oder zieht es ihn nicht bald schon wieder in die Welt hinaus? „Ich bin gerade glücklich, es ist ok, wenn in diesem Jahr mal keine 5000 Kilometer für mich anstehen. Aber nächstes Jahr...“, Astor schweigt kurz: „Hach, es ist halt schon ein cooles Leben, so im Einklang mit der Natur und den Tageszeiten.“

Florian Astor hat seine Reiseerlebnisse in einem Blog festgehalten. Hier könnt Ihr Euch seine Einträge ansehen.

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