Mainzer Filmfestival gestartet

Am gestrigen Dienstagabend ist das FILMZ 2016 mit der Tragikomödie „Die Hannas“ im Residenz Kino gestartet. Noch bis Sonntag laufen insgesamt über 80 Filme auf dem Festival in Mainz.

Mainzer Filmfestival gestartet

Am Dienstagabend ist der gelbe Teppich vor dem Eingang des Residenz & Prinzess ausgerollt. Denn in dem Kino findet der Auftakt zum FILMZ 2016 statt - dieses Jahr ist das Filmfestival zum letzten Mal hier zu Gast. 2017 wird das Kino mit der kompletten Residenzpassage abgerissen, um Platz für neuen Wohnraum zu machen (wir berichteten). „Nicht nur uns wird es fehlen, es wird eine Lücke in der Mainzer Kulturszene hinterlassen“, sagt Sabina von Paleske von der Festivalleitung bei der Begrüßung. Mit der Tragikomödie „Die Hannas“ eröffnen die Veranstalter dann das FILMZ, bei dem Filme aus dem deutschen Kino gezeigt werden.

“Im Kompromiss glücklich“

Die Veranstalter wählten einen unterhaltsamen Publikumsfilm für den Festivaleinstieg: Anna und Hans - von ihren Freunden „Hannas“ genannt - sind nach 15 Jahren Beziehung eigentlich immer noch glücklich. „Das einzige Paar, das es schafft, im Kompromiss glücklich zu sein“, wie es eine Freundin der beiden im Film beschreibt. In ihrer Vertrautheit sind sie auch statisch, jeder Tag bringt das selbe, jeder Urlaub führt sie an die Ostsee. Doch dann beginnen Anna und Hans (gespielt von Anna König und Till Butterbach) jeweils eine Affäre - ohne zu wissen, dass ihre Geliebten Nico und Kim Schwestern sind.

Nahaufnahmen von Gesichtern dominieren die Bilder, die auch mal kurz rauschen oder mal in türkises oder rotes Licht getaucht sind. Mit einer experimentellen Kameraführung erzählt der Spielfilm von Julia C. Kaiser die Geschichte einer turbulenten Vierecksbeziehung. Dabei beweist der Film vor allem eines: Eine Beziehungsgeschichte kann durchaus lustig sein, ohne zur flachen Komödie zu werden. Ob ein sprechendes Mangobäumchen oder eine Frau, die mit einem Baseball-Schläger halbnackte Männer durch den Wald jagt: Skurrile Situationen und Dialoge bringen das Publikum im gut gefüllten Residenz-Kino alle paar Minuten zum Lachen.

Publikumsgespräch im Kinosaal

Nach dem Film können die Besucher ihre Fragen direkt an die Filmemacher stellen - Regiesseurin Julia Kaiser, Produzentin Milena Klemke und drei Hauptdarsteller sind dafür zum FILMZ gekommen. „Wie lange wurde an dem Drehbuch geschrieben?“, fragt ein Gast. Zweieinhalb Jahre seien es gewesen, mit großen Lücken, weil zwischendrin noch andere Dinge anstanden, so Kaiser. „Der ganze Entstehungsprozess verlief unfassbar schnell“, antwortet sie auf eine andere Frage. In fünfeinhalb Wochen sei der Film abgedreht worden, etwa zwölf Wochen lang wurde geschnitten. „Dementsprechend fertig waren wir danach.“ Schauspielerin Ines-Marie Westernströer, die im Film als Nico für ein Date einen Hahn schlachtet, erzählt, dass sie das Tier auch tatsächlich beim Dreh geschlachtet hatte. „Ich fand es weniger schlimm, als ich es vorher gedacht hatte“, sagt sie.

Nach dem Publikumsgespräch holen sich Zuschauer wie auch Filmemacher an der Bar vorm Kinosaal noch ein Bier und vertiefen sich in Gespräche. „Seit 16 Jahren ist das FILMZ eine Plattform für den direkten Austausch zwischen Filmemachern und ihrem Publikum“, so Stella Dresselhaus von der Festivalleitung. Wie bei anderen Vorführungen des Festivals auch können die Besucher außerdem eine Bewertung des Films abgeben. Ihre Stimmen fließen dann in die Ergebnisse der Filmwettbewerbe ein, die ein wichtiger Teil der Festivals sind. Die Gewinner werden am kommenden Sonntag um 20 Uhr im Capitol gekürt.

Insgesamt über 80 Filme laufen dieses Jahr bei dem Filmfestival. „Das gesamte Jahr über haben unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter viel investiert, um das Filmz auf die Beine zu stellen“, so Dresselhaus. Etwa ein Stummfilmkonzert in der Altmünsterkirche, Kurzfilme aus der Region oder auch ein Symposium stehen auf dem Programm. Eines der Highlights ist der Besuch des renomminierten Regiesseurs Dominik Graf zur Filmaufführung seines Films „Verfluchte Liebe“ am heutigen Mittwoch.

Das FILMZ endet am 27. November mit einer Preisverleihung. Bis dahin gibt es täglich Filme in den Mainzer Kinos Capitol, Palatin und Residenz & Prinzess zu sehen. Die Symposien finden in der „Bar jeder Sicht“ statt. Weitere Veranstaltungen und Infos zu den Tickets gibt es hier.

Merkurist