Das Publikum entscheidet

Am Dienstagabend fand im Residenz die Eröffnungsgala des diesjährigen FILMZ – Festival des deutschen Kinos statt. Von Filmvorführungen über Symposien bis zum Drehbuchpitching erwartet die Besucher ein breitgefächertes Programm.

Das Publikum entscheidet

Die Hoffnung auf ein besseres Leben hat Gesim nach Deutschland geführt. Seinen zehnjährigen Sohn Nori hat er bei Verwandten im Kosovo zurückgelassen. Doch Nori ist fest entschlossen, seinem Vater über die gefährliche, illegale Reiseroute zu folgen.

Mit Babai, dem unaufgeregten aber eindringlichen Spielfilmdebüt von Visar Morina startete am Dienstagabend das diesjährige FILMZ. Seit 2001 präsentiert das vom Verein Brainstream e. V. ausgerichtete Filmfestival aktuelle deutschsprachige Produktionen und ist mittlerweile eine feste Größe in der deutschen Kulturlandschaft. Bis Sonntagabend werden an verschiedenen Vorführorten insgesamt 69 Lang-, Mittellang-‚ Kurz- und Dokumentarfilme gezeigt.

Den Machern des FILMZ ist es wichtig, eine Plattform zum Austausch zwischen Filmschaffenden und Filminteressierten zu bieten. Nicole Gerhards, die Produzentin von „Babai“ stellte sich im Anschluss an die Vorführung am Dienstagabend den Fragen des Publikums und erzählte von den Dreharbeiten im Kosovo, der dortigen Filmszene und der Motivation von Regisseur Visar Morina, der selbst im Alter von 15 Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland kam. „Babai“ sei nicht autobiographisch, verarbeite aber viele persönliche Erfahrungen. Trotz des sehr aktuellen Themas sei der Film absichtlich in der Vergangenheit verortet, um die Zeitlosigkeit der Problematik darzustellen.

"Ein Vollzeitjob neben dem Vollzeitjob"

Auch beim anschließenden Sektempfang gab es die Möglichkeit zum Austausch. Wie schon den ganzen Abend traten die Mitglieder und Helfer von Brainstream sehr geduldig, offen und freundlich auf. Die Arbeit der vergangenen Monate sieht man ihnen nicht an. Einen Überblick, wie viel Energie sie in das FILMZ gesteckt haben, gab Jan Peschel, der Mitglied der Festivalleitung ist.

Von den ersten Planungen zu Jahresanfang, über die Festlegung des Programms im August bis zur Organisation kurz vor Festivalbeginn sei jeder an der Arbeit beteiligt. Die 40 Mitglieder von Brainstream, von denen viele aktive oder ehemalige Studenten der Filmwissenschaft seien, organisierten sich in Arbeitsgruppen um die Aufgabenbereiche, die von der Filmauswahl über Pressearbeit bis zur Personalplanung reichen.

Zwar vereinfachten langjährig bestehende Kontakte einiges, aber in den letzten Wochen vor Festivalbeginn sei trotzdem jeder von morgens bis abends eingespannt. Einen „Vollzeitjob neben dem Vollzeitjob“ nannte Jan Peschel die Arbeit der Mitglieder von Brainstream, die sich neben ihren eigentlichen Berufen oder dem Studium ehrenamtlich für die Durchführung von FILMZ engagieren.

Das Publikum als Jury - volles Programm

Beim FILMZ spielt das Publikum eine wichtige Rolle, nämlich die der Jury. Nach jedem Film haben die Zuschauer die Möglichkeit, diesen per Stimmzettel zu bewerten und so aus jeder Kategorie einen Favoriten zu wählen. Der Gewinner des Kurzfilmwettbewerbs, der am Freitag um 20 Uhr im Residenz ermittelt wird, wird im Anschluss an die Veranstaltung bekannt gegeben.

Auch der Sieger aus der Kategorie „andersARTig“, die am Mittwochabend um 22:30 Uhr im CinéMayence präsentiert wird und ungewöhnliche Beiträge aus den Bereichen Experimentalfilm, Animation, Kunst und Außergewöhnliches zum Thema hat, wird noch am gleichen Abend ermittelt. Die Gewinnerbeiträge der Kategorien Spielfilm, Mittellanger Film und Dokumentarfilm werden erst am Sonntagabend im Rahmen der Preisverleihung im Capitol bekanntgegeben.

Abseits der Filmvorführungen bietet das FILMZ ein vielseitiges Rahmenprogramm. So befasst sich das diesjährige FILMZ mit dem Thema „Frauen. Macht. Filme.“ Verschiedene Symposien, die sich mit der Rolle der Frau vor und hinter der Kamera befassen, versprechen interessante Diskussionen. Zusätzlich zu den Gesprächsmöglichkeiten nach den Filmvorführungen gibt es den allabendlichen Filmzirkel. Am Sonntagnachmittag findet im Lomo das traditionelle Drehbuchpitching statt, in dessen Verlauf vier Kandidaten versuchen, das Publikum und eine Jury von ihren Ideen zu überzeugen. Drehbuchpitching.

Merkurist