„Mainz bleibt Mainz“ nicht im TV: So reagieren Fastnachter

War das die richtige Entscheidung? Das ZDF wird die Mainzer Fernsehfastnacht in diesem Jahr nicht im TV ausstrahlen, sondern nur in der Mediathek. Fastnachter finden das zwar ok, hätten sich zum Teil aber auch mehr Mut vom ZDF gewünscht.

„Mainz bleibt Mainz“ nicht im TV: So reagieren Fastnachter

Nachdem es den gesamten Donnerstag über schon zur Debatte stand, fiel am frühen Abend noch die Entscheidung: Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ wird in diesem Jahr vom ZDF nicht wie üblich am Fastnachtsfreitag um 20:15 Uhr ausgestrahlt (wir berichteten). Stattdessen können Fastnachtsfans die Sendung am Abend (ab 20:15 Uhr) in der ZDF-Mediathek schauen, wenn sie wollen.

Hintergründe zum TV-Aus hält das ZDF auch am Freitag noch weitestgehend zurück. Auf Merkurist Anfrage erklärt eine ZDF-Sprecherin lediglich, dass man wegen der „aktuellen Ereignisse“ auf eine Ausstrahlung im Hauptprogramm verzichte. Unbeantwortet bleiben dagegen Fragen, ob „Mainz bleibt Mainz“ zu einem späteren Zeitpunkt im Hauptprogramm wiederholt wird oder warum man die Sendung nicht um 20:15 Uhr auf einem Spartenkanal wie ZDFneo zeigt. Auch eine ausführliche Begründung zur Absage will das ZDF derzeit offenbar nicht abgeben.

Verständnis für Entscheidung, aber dennoch Chance verpasst?

Radiomoderator Andreas Bockius (Antenne Mainz) bildet mit seinem Bruder Matthias das Musik-Duo „Dobbelbock“, gemeinsam traten die Bockius-Brüder in der aktuellen Ausgabe der Sitzung auf. „Ich kann die Entscheidung des ZDF nachvollziehen und akzeptiere sie“, sagt Andreas Bockius am Freitag im Gespräch mit Merkurist. „Ich selbst hätte am Ende auch nicht final entscheiden wollen, wie mit der Situation und dem Druck umgegangen wird, die Sitzung live auszustrahlen oder eben nicht.“

Dennoch sieht Bockius es auch als verpasste Chance, dass „Mainz bleibt Mainz“ nicht im linearen ZDF-Programm gezeigt wird: „Die politisch-literarische Mainzer Fastnacht steht für gewisse Werte und Demokratie. Es wäre eine Chance gewesen, die Qualitäten unserer sehr starken Redner einem großen Publikum zu zeigen“, sagt er.

Nun hofft Bockius, dass die ZDF-Server stark genug sind, den Ansturm auf die TV-Sitzung in der Mediathek auszuhalten, wie er im Scherz sagt. „So viele Menschen wie heute Abend werden noch nie in der ZDF-Mediathek gewesen sein“, prognostiziert er. Bockius selbst will die Sitzung dann übrigens mit ein paar Freunden bei sich zu Hause auf der Couch verfolgen.

MCV-Präsident trägt ZDF-Entscheidung mit

Auch der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban kann die ZDF-Entscheidung nachvollziehen, wie er am Freitag gegenüber Merkurist sagt. Der MCV veranstaltet die Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ traditionell gemeinsam mit dem Mainzer Carneval Club (MCC), dem Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) und dem Karneval-Club Kastel (KCK). Die Entscheidung werde nun nicht nur vom MCV, sondern von allen beteiligten Vereinen mitgetragen.

„Politisch-literarisch bedeutet für mich, dass man Dinge kritisch hinterfragt und klar anprangert. Wichtig ist es dann aber auch, dass das Timing stimmt und man aktuell ist.“ - MCV-Präsident Prof. Dr. Dr. Reinhard Urban

„Natürlich hätte ich mir auch vorstellen können, dass die Sitzung im Fernsehen gezeigt wird, aber ich kann die Gründe des ZDFs eben auch nachvollziehen“, so Urban. Einerseits ginge es um Solidarität mit denen, die es nun besonders schwer haben. Andererseits hätte die Solidarität ja auch ausgedrückt werden können, mit der Fernsehsitzung und politisch-literarischem Witz zur besten Sendezeit, meint der MCV-Präsident. „Politisch-literarisch bedeutet für mich, dass man Dinge kritisch hinterfragt und klar anprangert. Wichtig ist es dann aber auch, dass das Timing stimmt und man aktuell ist.“

Was Urban meint: Weil die Sitzung bereits am Dienstag- und Mittwochabend aufgezeichnet wurde, war Putins Marschbefehl zu dieser Zeit noch nicht ausgesprochen. Und somit wären viele Spitzen gegen den russischen Präsidenten auch nicht mehr auf dem aktuellsten Stand gewesen.

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