„Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ – am Mittwochabend war die Generalprobe der bekanntesten Fastnachtssendung Deutschlands. Merkurist war für euch im Kurfürstlichen Schloss dabei und verrät, worauf ihr euch freuen könnt. Diese 16 Auftritte werden am Freitag (13. Februar) bei der Live-Übertragung im ZDF um 20:15 Uhr zu sehen sein. Achtung, Spoiler!
Erstmals Chefin vom Protokoll
Los geht es mit dem Einmarsch der Garden, dieses Jahr angeführt von der Kinderprinzessin Luise I., gefolgt von einem Medley der Schnorreswackler – inklusive kreativer Trommelperformance auf umgedrehten Eimern. Danach folgt als erstes Highlight das Protokoll – vorgetragen von Christina Grom. Zum ersten Mal in 200 Jahren tritt eine Frau die Rolle der Protokollantin an, wie Sitzungspräsident Andreas Schmitt stolz verkündet.
Als erste Rednerin in der Bütt reimt Grom über den verwirrenden Wechsel von Tempo 30 zu Tempo 50 und wieder zurück in der Mainzer Innenstadt. Selbst auf der anderen Rheinseite hätte man mit Tempo 40 einen besseren Kompromiss gefunden: „Wir müssten uns, es ist zum Schämen, an Wiesbaden ein Beispiel nehmen“. Mit großen Bildern schmückt sie ihre Rede aus – zu sehen sind unter anderem Markus Söder („armes Würstchen“) und Wolodymyr Selenskyj mit Donald Trump („ein Staatsmann ohne Anzug und ein Anzug ohne Staatsmann“). Am Ende ihrer gut strukturierten Rede zückt sie eine Bibel und liest Trump daraus die Leviten, wofür sie langen Applaus erntet.
Hobby-Dogging Kokolores
Jürgen Wiesmann ist eine feste Nummer bei „Mainz bleibt Mainz“. Als „Ernst Lustig“ reimt er sich über den alltäglichen Irrsinn in Rage. Auf die Bühne tritt er mit seinem imaginären Hund an der Leine, Hobby-Dogging genannt. Von edler Küche bis zur Diät erzählt Lustig über seine Alltagsleiden und schafft es so, den Saal mitzureißen. Lustig ist zurecht gesetzt und eines der größten Highlights der Sendung für Liebhaber von klassischem Kokolores.
Frauenpower-Fastnacht im Museum
Es folgt ein Lied von „Handkäs un sei Mussig“ und eine Büttenrede von Thomas Becker als „Zeitgeist“. Ohne Dialekt und mit modernem Slang knöpft sich der „Zeitgeist“ das gesamte politische Spektrum vor. Ebenfalls modern und in überspitztem Jugendsprech präsentiert Katharina Greule eine Influencerin im Museum – oder „Mus-Eum“ wie sie es nennt.
Drei ausgestellte Damen berichten aus verschiedenen Epochen über das Leben der Frau: Teresa Batz als Herzogin mit hoher Stimme, Laura Heinz als Hausfrau aus den 50ern und Marie Döngi als moderne Frau aus der Pfalz mit Pälzer-Dialekt. Besonders die Einschübe der Hausfrau, die immer wieder Werbe-Slogans zitiert, sorgen für Lacher. Mit ihrem „Frauengold“ trinkt sie sich ihren Alltag schön. Ein wichtiger Beitrag in der männlich geprägten Fernsehfastnacht, der nur manchmal ein wenig holprig wirkt. Frischer Wind, dank vierfacher Frauenpower.
Musikalische Highlights und bekannte Büttenredner
Es folgt ein Hit-Medley mit Oliver Mager, Newcomer Hollebutz und dem Duo DobbelBock, bevor Florian Sitte als „Till Eulenspiegel“ die Bütt betritt. Er teilt kräftig aus an die politischen Ränder und beklagt eine neue Welle der Judenfeindlichkeit, die von beiden Seiten ausgehe. Weniger politisch, aber nicht weniger meinungsstark tritt Markus Schönberg als „Ignaz“ auf. Er thematisiert die Verlegung seines geliebten Marktfrühstücks weg vom Liebfrauenplatz. Beim selbstgedichteten Lied zu bekannter Melodie am Klavier singt der ganze Saal lauthals mit. Wie schon die beiden Jahre zuvor, wieder ein musikalischer und stimmungsvoller Höhepunkt des Abends.
Als Moguntia ist Johannes Bersch bekannt, der in gewohnt derber Manier Personen des politischen Etablishment und moderne Trends verreißt: „Früher hat man Gespritzte mit Lippen getrunken. Heute trinkt man mit gespritzten Lippen“, sagt er über den Beauty-Trend Lippenfüllung. Aufs Korn nimmt er unter anderem die am Freitag anwesende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und den Wiesbadener OB Gert-Uwe Mende (SPD) oder „wie wir ihn in Mainz nennen: falscher Haase“, so Bersch.
Emotionaler Abschied und eine Wiederkehr
Nach der spektakulären Tanzeinlage des Fernsehballets Rot-Weisse Funken wird es noch einmal emotional. Nach 45 Jahren ist auf der Bühne Schluss für Hans-Joachim Greb, bekannt als „Hobbes“ mit rotem Polo-Hemd, weißen Handschuhen und roter Nase. Ende des Monats wird er 71 Jahre alt, erzählt er. Dieses Jahr wird es deswegen zum letzten Mal am Ende seiner herzlichen Kokolores-Einlage sagen: „Tschüss, helau, das war’s.“ Vom Publikum erhält er Standing Ovations und langanhaltenden Applaus zur Verabschiedung. Weiter emotional und beseelt schunkelt das Publikum zum Fastnachts-Hit „Im Schatten des Doms“, gespielt von den Humbas und gesungen von Thomas Neger.
Mit Spannung erwartet, nach seiner gesundheitsbedingten Pause im letzten Jahr, wird der Auftritt von Andreas Schmitt als „Obermessdiener“. Für Überraschung sorgt gleich zu Anfang die Bütt, die dieses Jahr kein Pult oder Kanzel darstellt, sondern eine Sitzbank. Auf ihr hält Sitzungspräsident Schmitt seine Rede im Sitzen. Der bekennende Katholik und SPD-Kandidat für das Bürgermeisteramt der VG Nieder-Olm scheut sich auch dieses Jahr nicht, seine Partei und seine Kirche scharf zu kritisieren: Müller und Woelki bezeichnet er als „Kardinalsfehler“ und er rügt den Führungsstil von Co-Parteichef Lars Klingbeil (SPD). Dennoch scheint die Wucht, mit der er in der Vergangenheit seine Reden donnerte, ein wenig schwächer auszufallen dieses Jahr.
Finale und Fazit
„Die Hofsänger im Gold’nen Mainz, seit 100 Jahren die Nummer 1“ ist das diesjährige Fastnachtsmotto. Denn die Hofsänger feiern 2026 ihr 100-jähriges Jubiläum. Traditionell als letzter Programmpunkt in der Fernsehsitzung zeigen sie sich reflektiert und greifen Klischees über die eigene Truppe auf. Selbstkritisch, aber ohne große Geschichtsstunde, singen die Tenor- und Bass-Stimmen ihr Potpourri. Zum Abschluss schallt wieder „Olé, Olé, Fiesta“ durch den Saal, während es Luftballons, Luftschlangen und Konfetti von der Decke regnet.
Zuschauer von „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ erwarten am Freitagabend Premieren, Jubiläen und ein emotionaler Abschied. Gelungene Fastnachts-Neustarts brechen mit dem Klischee der männlich dominierten Sitzungen, während altbekannte Gesichter in der Bütt stehen. Meinungsstark, aber weniger polarisierend als die Jahre zuvor, wirkt der Abend gewohnt heiter und stellenweise fast schon versöhnlich.
Nur die Politik bekommt wie immer ihr Fett weg – gerade vor der Landtagswahl und aufgrund der Prominenz im Saal, ein wichtiger Bestandteil der Live-Sendung. Nur Bundespolitiker sind unter den Gästen leider rar. Das Bühnenprogramm lässt hingegen wenig vermissen: jünger, weiblicher und trotzdem traditionell und mit vielen bekannten Gesichtern wird es ein runder und lustiger Abend im ZDF.