Warum „Mainz bleibt Mainz“ in diesem Jahr besonders wird

Am Freitag läuft die bekannteste Fernsehsitzung Deutschlands, „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Bei der Generalprobe im Kurfürstlichen Schloss zeigte sich bereits: Es wird eine besondere Sendung.

Warum „Mainz bleibt Mainz“ in diesem Jahr besonders wird

Endlich wieder Fernsehfastnacht, wie man sie kennt: Nachdem „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ 2021 wegen Corona ohne Saalpublikum aufgezeichnet werden musste und 2022 wegen des Ukraine-Kriegs in die Mediathek verbannt wurde, wird die Sendung in diesem Jahr wieder live am Freitag (17. Februar) ausgestrahlt. Wir waren bei der Generalprobe am Mittwoch und erzählen, auf was ihr euch freuen könnt. (Achtung, Spoiler!)

Oliver Mager mit Mainz-Medley

Nach dem Einmarsch der Garden macht Oliver Mager mit seinem „Meenz-Medley“ den musikalischen Anfang. Dabei singt er seine Klassiker „Du bist en Meenzer“, „Wir sind Mainzer“ und „Moguntia“. Bardo Frosch sorgt mit seinem Protokoll für den ersten politischen Vortrag. Bei seinem „Mainz bleibt Mainz“-Debüt knöpft er sich unter anderem Putin, Klimakleber und Boris Becker vor. Marcus Schwalbach vergleicht in seinem Kokolores-Vortrag als „Gardist“ die Partnersuche mit dem Lottospielen. „Alle machen mit, aber nur wenige haben Glück.“ Immerhin habe er beim Lotto wenigstens mal einen „Dreier“ gehabt.

Florian Sitte als „Mutti allein zuhaus“

Erste „Zugabe“-Rufe aus dem Publikum gibt es nach dem Auftritt von Andreas und Matthias Bockius als „Dobbelbock“. Sie singen und rappen ihren Hit „Alles wieder gut“. Dann folgt auch in der Bütt einer der Höhepunkte des Abends: Florian Sitte als „Mutti allein zuhaus“. Vor zwei Jahren hatte Sitte noch erklärt, dass ihn die Merkel-Rolle langsam selbst nerve. Dass er jetzt als „Pensionärin“ erneut in die Rolle schlüpft, ist aber eine sehr gute Entscheidung.

In der Bütt steht Sitte allerdings nur manchmal. Mit pinkem Jogginganzug („Von der Staatsfrau Nummer 1 zu Cindy aus Marzahn“) wuselt er über die Bühne, telefoniert mit Olaf Scholz („Übergangskanzler“) sowie Karl Lauterbach („der AstraZeneca unter den Gesundheitsministern“) und sorgt für große Lacher. Friedrich Merz habe sie und Marie-Agnes Strack-Zimmermann nach deren Büttenrede auf eine romantische Ballonfahrt eingeladen – vor der amerikanischen Küste. Außerdem übersetzt Merkel/Sitte „alter weißer Mann, der Frauen auf den Hintern starrt“ auf Russisch: „Kubicki“. Auch für das Silvestervideo von Ex-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat „Angela Merkel“ eine eigene Theorie: „Ich dachte nur: Hape (Kerkeling), eben gehst du zu weit.“

Moguntia und Ernst Lustig

Auf hohem Niveau geht es in der Bütt weiter: Nach Sitte tritt Johannes Bersch als „Moguntia“ auf. Bersch geht auch auf die aktuelle OB-Wahl ein, die sonst kaum jemand erwähnt. „Haase als OB? Warum nicht. Schließlich hatten wir auch schon einen Fuchs. Was kommt als nächstes? Ein Igel? Dann würde es direkt eine ‘Stichwahl’ geben.“ Vor zwei Jahren begeisterte Bersch als Karl-Lauterbach-Double, mittlerweile sei es für Fastnachter aber eine echte Herausforderung, „lustiger zu sein als er“. Auch Altkanzler Gerhard Schröder kriegt sein Fett weg: Der habe sich mit Olaf Scholz in Putins Magen getroffen. „Der Putin hat uns wohl gefressen“, sagt Scholz. Schröders Antwort: „Nein, ich komme aus der anderen Richtung.“

Nach dem nächsten Musik-Act, Handkäs un sei Mussig („An Fassenacht“), kommt eine der festen Größen der Fernsehfastnacht auf die Bühne: Jürgen Wiesmann in seiner Paraderolle als „Ernst Lustig“. Wie immer nimmt er dabei in Reimform die fiktiven Figuren Sören, Malte, seine Frau und – ganz neu – Hauke auf die Schippe. Auch einige Seitenhiebe auf die Klimakleber gibt es bei Wiesmanns Vortrag. Die stehen dann ganz im Mittelpunkt beim Auftritt von Thomas Becker, Kati Greule und Dennis Roßkopp („Der Büttenkleber“). Auch das Thema Geschlechtsidentität kommt bei den Dreien vor: „Ich war monatelang gefangen im Körper einer Frau. Aber dann wurde ich endlich geboren.“

Gagfeuerwerk bei „Charles und Camilla“

Für ein wahres Gagfeuerwerk sorgen Martin Krawietz und Johannes Bersch als „Charles und Camilla“. Ein paar Kostproben der Denglisch-Wortwitze: In Rheinhessen und im Rheingau fühlen sich die Royals besonders wohl, weil es da sehr vieler „Winzer“(Windsor)-Familien gibt. Boris Johnson sei zwar ein Konservativer, trotzdem feiere seine „Leber Party“. Die Stimmung beim begeisterten Generalproben-Publikum dreht sich nur kurz bei einem fiesen Queen-Witz. Die habe von Premierministerin Liz Truss schon nach zwei Tagen genug gehabt und sich gesagt: „Das kann ich mir nicht länger antun.“

Kabarettist Lars Reichow kann sich bei seinen „Fastnachtsthemen“ einen Seitenhieb gegen die Mainzer Hofsänger nicht verkneifen. Ein Mitglied der Formation war in Reichsbürger-Verdacht geraten, seitdem ruht seine Hofsänger-Mitgliedschaft. Reichow dichtete einen der größten Hits der Gesangsgruppe um: „So ein Reichstag, so wunderschön wie heute.“ Später machten auch die Hofsänger selbst einen Witz über das Thema.

Gänsehaut bei „Im Schatten des Doms“

Auch in diesem Jahr bringen Thomas Neger und die Humbas mit ihrer Mainz-Hymne „Im Schatten des Doms“ den ganzen Saal zum Mitsingen. Spätestens beim „Ave“-Teil gibt es wieder Gänsehaut-Garantie. Anschließend geben die Anarcho-Komiker Christian Schier und Martin Heininger nach drei Jahren „Mainz bleibt Mainz“-Pause ihr Comeback mit dem „Fastnachts-Battle“. Wie immer setzen die Mainzer Hofsänger mit ihrem „Potpourri“ den Schlusspunkt.

Tanzeinlagen gibt es vom Ballett der Füsilier-Garde Mainz-Gonsenheim, von den Rot-Weissen Funken Frickhofen, dem GCV-Ballett und vom MCV-Hofballett. Außerdem wird es eine emotionale Geburtstagsüberraschung für Margit Sponheimer geben, die vor rund zwei Wochen ihren 80. Geburtstag feierte. Nicht in der Bütt stehen wird in diesem Jahr Andreas Schmitt als „Obermessdiener“. Wie Merkurist berichtete, wird sich Schmitt in diesem Jahr ganz auf seine Rolle als Sitzungspräsident konzentrieren.

Fazit: „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ wird die beste Fernsehfastnacht seit Jahren. Vor allem Florian Sitte als „Angela Merkel“ und der Auftritt von Johannes Bersch und Martin Krawietz als „Charles und Camilla“ ragen heraus. Doch auch sonst gibt es kaum Füllmaterial. Nach zwei Jahren Corona-Fastnacht setzt der SWR sowohl in der Bütt als auch bei den Musik-Auftritten auf die erste Liga der Mainzer Fastnachtsstars. Der einzige wirkliche Wehrmutstropfen: der fehlende Auftritt des „Obermessdieners“.

Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ könnt ihr am Freitag, den 17. Februar ab 20:15 Uhr live im Ersten sehen.

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