Familienstreitigkeiten und Brände: Was Polizisten an Weihnachten erleben

Während die meisten von uns Weihnachten und Silvester feiern, muss es Menschen geben, die trotzdem Dienst machen. So wie Polizeihauptkommissar Rainer Steines. Was er in 25 Jahren erlebt hat, erzählt er im Merkurist-Interview.

Familienstreitigkeiten und Brände: Was Polizisten an Weihnachten erleben

In diesem Jahr sind es eben der Nachtdienst an Weihnachten und der Nachtdienst an Silvester: Polizeihauptkommissar Rainer Steines hatte schon „unzählige Male“ während der Weihnachts- und Silvestertage Dienst. „Im Laufe meiner langen Dienstzeit gewöhnt man sich daran, an Feiertagen, Weihnachten und Silvester arbeiten zu müssen.“ Das bringe der Polizeiberuf im Wechselschichtdienst einfach mit sich. „Auch die eigene Familie gewöhnt sich mit der Zeit daran“, erzählt Steines gegenüber Merkurist.

Immer mindestens ein Weihnachtsdienst

Steines ist stellvertretender Dienstgruppenleiter im „Altstadtrevier“. Seit 25 Jahren ist der 47-Jährige bereits im Wechselschichtdienst bei der Polizeiinspektion Mainz 1 tätig. Aufgrund der Schichtfolge sei mindestens einer der Weihnachtstage betroffen, „und alle fünf Jahre ein Nachtdienst an Heilig Abend und Silvester.“ Wenn genug Einsatzkräfte zur Verfügung stünden und die „erwartete Einsatzlage“ es erlaube, sei es aber vor allem für Kollegen mit Kindern auch möglich, kurzfristig dienstfrei zu bekommen. Den Schichtplan für das ganze Jahr erhalten die Beamten bereits Anfang Januar. Dadurch könne sich auch die eigene Familie weit im Voraus darauf einstellen und frühzeitig planen.

Es sei für ihn aber eine „ausgleichende, weihnachtliche Alternative“, mit den Kollegen an Weihnachten und Silvester zusammen sein zu können, mit denen man das ganze Jahr über Dienst verrichtet. Dann denken sich die Beamten auch mal etwas Besonderes aus: Beispielsweise haben sie im vergangenen Jahr, bekleidet mit Weihnachtsmützen, an Seniorenheime Adventskalender verschenkt. In diesem Jahr tragen einige von ihnen Mund-Nasen-Bedeckungen mit weihnachtlichem Motiv.

Interessant wird der Dienst an Silvester

Dass Weihnachten nicht immer das besinnliche Fest der Familie ist, hat Steines schon des Öfteren hautnah miterlebt. Im vergangenen Jahr etwa hatte er an Heilig Abend Nachtdienst und wurde zu einer Familienstreitigkeit gerufen. Der erwachsene Sohn schlug seinen Vater und verletzte ihn dabei. „Das sind Momente, die einen selbst in dieser weihnachtlichen und besinnlichen Familienzeit zum Nachdenken bringen“, so der Polizist. Solche Familienstreitigkeiten seien gerade während der Feiertage keine Seltenheit.

Hinzu kommen Brände, etwa von Weihnachtsbäumen und Adventskränzen. Auch angebranntes Essen auf dem Herd löst immer wieder Einsätze aus. Auf Silvester ist Steines schon gespannt: Normalerweise werden dann die Polizisten zu ausgelassenen Silvesterpartys oder zu Feiernden auf der Straße geschickt. Auch das illegale Abbrennen von Feuerwerkskörpern gehöre standardmäßig zu den Einsätzen dazu. „Es wird interessant sein, wie sich aufgrund der Corona-Pandemie die damit einhergehenden Beschränkungen und Verbote auswirken.“ So ist in diesem Jahr wieder das Böllerverbot aktuell. Auf jeden Fall, so Steines, werde die rheinland-pfälzische Polizei über die Feiertage auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, „damit die Bürger*innen friedvolle und besinnliche Feiertage verbringen können.“

Logo