Warum Mainz keinen Kiez hat

Eine Partymeile, in der man laut sein darf bis spät in die Nacht - das kennt man aus den richtig großen Städten. Doch braucht auch Mainz einen solchen „Kiez“?

Warum Mainz keinen Kiez hat

Wer das Wort „Kiez“ hört, denkt sofort an die größten Städte des Landes: Berlin und Hamburg. Vor allem die Reeperbahn, das Vergnügungsviertel im Hamburger Stadtteil St.Pauli, ist eng mit dem Begriff verbunden. Deshalb wirkt die Frage von Merkurist-Leser Moritz zunächst irritierend. „Warum hat Mainz keinen Kiez?“, will er in seinem Snip wissen.

Die Reaktionen der anderen Leser sind entsprechend: Johanna geht das „Kreuzberg-Getue“ auf den Keks, Kathinka schreibt: „Wers Rotlichd sucht, werd aach fündisch. Was denn noch? Berliner Ferz.“ Um Rotlicht, so stellt Snipersteller Moritz klar, geht es ihm aber nicht. „Mit Kiez meine ich Studentenviertel oder ‘Kneipenstraße’ mit Sitzgelegenheiten draußen“, schreibt er. Denn in Mainz gebe es keine zusammenhängende Straße, an der es erlaubt sei, etwa auf Bierbänken länger laut zu sein.

Kiez ist nicht gleich Kiez

Dass der Begriff „Kiez“ ein sehr dehnbarer ist, findet auch die Stadt. Pressesprecher Ralf Peterhanwahr sagt auf Merkurist-Anfrage: „In Berlin ist es zum Beispiel ein Wohnquartier, mit dem sich die Anlieger besonders identifizieren. Es muss also nicht stets eine ‘Party-Meile’ mit langen Öffnungszeiten sein.“ Das würde zum Beispiel auf die Mainzer Neustadt zutreffen.

Zudem kann laut Stadtplanungsamt ein Kiez nicht einfach „geplant werden“. Peterhanwahr sagt: „Stadtstrukturen entwickeln sich dynamisch und sind vielen Veränderungsprozessen, die auch mit Entscheidungen der privaten Immobilienbesitzer verbunden sind, unterworfen.“

Hat Mainz schon längst einen Kiez?

Doch hat Mainz vielleicht schon längst einen Kiez? Für einige Kommentatoren erfüllt zum Beispiel das Bleichenviertel viele Anforderungen, früher außerdem die Neutorstraße, die vor einiger Zeit noch eine Art Vergnügungsmeile war. „In der Zanggasse sind heute noch viele Kneipen, früher gab es dort auch ‘Rotlicht’-Kneipen und Erotikshops! Genauso in der Neutorstraße. Ich glaube das ist schon Kiez-ähnlich genug“, kommentiert Leserin Lieschen.

Was Moritz unter einem Kiez versteht, erfüllt das Bleichenviertel aber doch nicht ganz. Denn spät nachts darf man auf der Straße nicht mehr laut sein, Bierbänke stehen auch nicht am Straßenrand. „Das Bleichenviertel ist ein dicht besiedeltes Quartier mit einem hohen Wohnanteil. Hier müssen alle Bedürfnisse, auch die nach Wohnruhe, berücksichtigt werden“, sagt Stadt-Pressesprecher Peterhanwahr.

Es sieht also so aus, als müssten die Mainzer auch in Zukunft auf einen Kiez verzichten. Anlässe und Möglichkeiten zum Feiern gibt es dagegen auch in Mainz. Peterhanwahr sagt: „Nach unserer Auffassung bestehen in Mainz ausreichend feste Angebote wie Clubs und Kneipen sowie temporäre Angebote wie Weinsalon und Marktfrühstück für junge Menschen.“ (ab)

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