Verein für krebskranke Kinder kämpft um dringend benötigte Spenden

Keine Charity-Aktionen, weniger Spenden: Viele Vereine bringen die coronabedingten finanziellen Einbußen in Existenznöte. Der Mainzer Verein für Tumor- & Leukämiekranke Kinder etwa muss Projekte weiter finanzieren. Helfen soll nun ein Spendenlauf.

Verein für krebskranke Kinder kämpft um dringend benötigte Spenden

Es gibt Tage, die sind nur schwer zu ertragen für Andrea Grimme. „Dass unser Telefon manchmal den ganzen Tag stillsteht, ist ein schlechtes Zeichen.“ Grimme ist im Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder Mainz für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, bei ihr melden sich Spender und Fördermitglieder. Seit Beginn der Coronapandemie haben Grimme und ihre Mitstreiter jedoch ein großes Problem: Die Spendeneinnahmen gehen drastisch zurück.

„Manchmal bekommen wir es wirklich mit der Angst zu tun, dass wir ein Projekt einstellen müssen“, sagt auch Kai Leimig, der Vorstand des Fördervereins. Der Verein hat seinen Sitz im „Elternhaus“ direkt neben der Universitätsmedizin. Hier finden krebskranke Kinder und ihre Familien wichtige Hilfen: Professionelle Psychologen begleiten sie vor, während und nach der belastenden Therapie. Pädagogen schaffen Ablenkung und Kunst- und Musiktherapeuten unterstützen die schwer kranken Kinder dabei, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Der Verein finanziert auch ein Spielzimmer, eine Elternküche sowie zusätzliche Pflegekräfte und eine Erzieherin direkt in der Kinderkrebsstation der Klinik. Hinzu kommen das Elternhaus, eine Ferienanlage und die Trauerbegleitung.

Finanziert werden muss auch das neue Spielzimmer in der Klinik

Mehr als 600.000 Euro fließen so jährlich in die verschiedenen Projekte. Seit etwa einem Jahr jedoch sinken die Einnahmen. Benefizkonzerte, Sport- und Charity-Veranstaltungen – das alles fällt seit Beginn der Pandemie weg. „Teilweise brachten uns die Veranstaltungen Beträge im fünfstelligen Bereich ein“, sagt Vorstand Kai Leimig, der gleichzeitig als Familien- und Paartherapeut im Verein tätig ist. Hinzu kommt der Rückgang an Privatspenden: „In der aktuellen Situation müssen die Menschen an ihre eigene Versorgung denken“, vermutet Leimig. Ausgerechnet in diesem Jahr fällt ein besonders großer Ausgabenposten an, denn die Kinderkrebsstation in der Klinik wird umgebaut. Der Verein finanziert dabei das neue Spielzimmer mit – ein teures, aber notwendiges Projekt, das schon seit Jahren geplant ist.

„Stark zugenommen haben die Anfragen von betroffenen Eltern nach Soforthilfen“ - Kai Leimig, Vorstand im Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder Mainz

Auffällig sei zudem ein weiterer Posten, der sich im Vergleich zu den Vorjahren verteuert hat: „Stark zugenommen haben die Anfragen von betroffenen Eltern nach Soforthilfen“, so Leimig. Aus einem Sozialfonds heraus unterstützt der Verein Familien, die in finanzieller Notlage sind. „Dass dieser Bedarf so auffällig gestiegen ist, ist wirklich schlimm. Da geht es teilweise darum, Zugtickets für die Eltern zu zahlen.“

Ein Euro pro Kilometer geht an den Förderverein

Um die Einbußen wenigstens ein bisschen auffangen zu können, hat sich die 16-jährige Lilly Reischmann eine „coronakonforme“ Aktion ausgedacht: den sogenannten Sololauf, der über das Pfingstwochenende vom 22. bis 24. Mai stattfinden soll. Nach einer Onlineanmeldung auf www.sololauf.com können alle teilnehmenden Läufer einen Euro pro absolvierten Kilometer an den Elternverein spenden. Dabei gibt es eine Startnummer und ein Gewinnspiel für die Teilnehmer.

Lilly ist bereits seit mehr als zehn Jahren mit dem Verein verbunden. Damals starb ihre beste Freundin Anneke an einem Hirntumor. „Laufen kann man überall“, sagt Lilly und hofft auf zahlreiche Unterstützer – bestenfalls sogar mehr Teilnehmer als in Göttingen. Dort organisiert Annekes Onkel Steffen Baumbach parallel dazu einen Sololauf. Er war es auch, der vor sieben Jahren die Spendenaktion „Jedes Training zählt“ ins Leben rief und damit den dort ansässigen Elternverein unterstützt.

Mehrere Mainzer Sportvereine und etwa die Prinzengarde haben Lilly und der Förderverein bereits auf ihrer Seite. Nun hoffen sie auf zahlreiche Anmeldungen von Läufern. Und damit wenigstens auf einen kleinen Ersatz für den diesjährigen Spendenrückgang.

Wenn ihr den Förderverein unterstützen möchtet, könnt ihr euch unter www.sololauf.com anmelden. Dort findet ihr auch alle weiteren Informationen. Das Spendenkonto findet ihr hier.

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