Wie zwei Mainzer das europäische Instagram bauen wollen

Der Algorithmus bei Instagram und TikTok nervt? Zwei 22-jährige Gründer aus der Region Mainz wollen mit ihrer neuen App „Feeds“ die Kontrolle zurück an die Nutzer geben und den Fokus wieder auf Freunde legen.

Wie zwei Mainzer das europäische Instagram bauen wollen

Man öffnet Instagram, um zu sehen, was die Freunde machen, und versinkt stattdessen in einem endlosen Strom von vorgeschlagenen Videos und Werbeanzeigen. Dieses „asoziale Verhalten“ der großen Social-Media-Plattformen hat die beiden 22-jährigen Gründer Lennart Hampel und Luca Schneider so sehr gestört, dass sie eine eigene App entwickelt haben: „Feeds“. Ihr Ziel ist es, den sozialen Aspekt wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Oder um es anders zu sagen: Das Duo plant nicht weniger als das europäische Instagram.

Die Idee entstand aus eigener Frustration, wie die beiden im Gespräch mit Merkurist berichten. Bei den etablierten Apps gehe es vor allem um Unterhaltung und algorithmisch gesteuerte Inhalte, während die Beiträge von Freunden und Familie untergehen. „Über 70 Prozent der Befragten nutzen Social Media, um im Kontakt mit den Freunden und der Familie zu bleiben“, erklärt Luca Schneider, der an der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) in Mainz studiert. Genau das werde aber immer schwieriger.

Mehr Kontrolle und lokale Inhalte

Die App „Feeds“, die seit Kurzem für iOS- und Android-Geräte verfügbar ist, soll das ändern. Eine der Kernfunktionen ist der „Friends-Feed“. Schaltet man in diesen Modus, werden ausschließlich Beiträge von Personen angezeigt, denen man gegenseitig folgt. So werden die Urlaubsbilder von Freunden nicht mehr von unzähligen Posts großer Accounts verdrängt. Zusätzlich können Nutzer die angezeigten Inhalte filtern und beispielsweise Kurzvideos komplett ausblenden, um sich nur auf Fotos zu konzentrieren.

Eine weitere Besonderheit ist der „Local Feed“. Diese Funktion zeigt Beiträge aus der unmittelbaren Umgebung an, zum Beispiel aus Mainz. Das soll es einfacher machen, neue Orte zu entdecken oder zu sehen, was in der eigenen Stadt los ist. Wer eine Reise plant, kann auch gezielt nach anderen Städten suchen, um sich inspirieren zu lassen. Dabei achtet die App nach Angaben der Gründer auf den Datenschutz und verwendet nur den ungefähren Standort der Nutzer.

Von Mainz aus gegen die Tech-Giganten

Hinter „Feeds“ steckt nicht nur eine nutzerfreundlichere Idee, sondern auch ein politischer Gedanke. „Es gibt einfach keine europäische Alternative zu den großen Tech-Plattformen“, sagt Schneider. Diese Abhängigkeit von Konzernen aus den USA und China wollen die beiden Gründer durchbrechen. Ihre gesamte technische Infrastruktur ist deshalb in Europa angesiedelt, um volle Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu gewährleisten.

Dass sie es mit ihrer App ernst meinen, zeigt ihr Engagement: Lennart Hampel hat sein Studium der Wirtschaftsinformatik abgeschlossen und seine Bachelorarbeit über das Empfehlungssystem seiner eigenen App geschrieben. Beide arbeiten zusammen nun in Vollzeit an ihrem Startup. Hampel ist dabei der Mann für die Programmierarbeiten, Schneider kümmert sich um das Design der App. Unterstützung erhalten sie dabei von der Mainzer Wirtschaftsförderung und einem ersten Business-Angel-Investor aus Mainz. Ihre Strategie ist es, zunächst eine starke Nutzerbasis in Mainz aufzubauen. Und wer weiß, vielleicht wird „Feeds“ ja wirklich so etwas wie das europäische Instagram?