Huchs Einsatz für die Kurden

Von Kurden geliebt, von Erdogan-Anhängern gehasst: Der Mainzer FDP-Politiker Tobias Huch polarisiert wie kaum ein anderer. Doch nicht nur mit seinem Einsatz für die Kurden sorgt er für Kontroversen.

Huchs Einsatz für die Kurden

„Bira Tobias“ – so wird der Mainzer FDP-Politiker Tobias Huch unter vielen Kurden bezeichnet. Sinngemäß bedeutet es „Bruder Tobias“ und zeigt ihr herzliches Verhältnis zu Huch. Seit August 2014 setzt er sich für Kurdistan ein. Zugleich engagiert er sich gegen die Verbreitung der Ideologie des Islamischen Staates (IS). Außerdem setzt sich Huch aktiv gegen die Koranverteilungskampagne „LIES“ ein, durch die sich viele junge Menschen in Deutschland radikalisiert und terroristischen Gruppen wie beispielsweise dem IS angeschlossen haben. Während er von den Kurden respektiert wird, erhält er von nationalistisch gesinnten Türken und Salafisten Morddrohungen.

Doch den Namen Tobias Huch verbindet man nicht nur mit Kurdistan und IS: Er ist Kommunalpolitiker der FDP und Geschäftsführer der BAB Media GmbH mit Sitz in Mainz. Mit 18 Jahren gründete Tobias Huch das Altersverifikationssystems ueber18.de. Dafür erhielt er den Eroticline Award 2006 und 2007. Auf Facebook und Twitter ist er als Netzwerkjournalist aktiv und auch als Schreiber für die BILD tätig. Seit neun Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe. Begonnen hat sein Engagement in West- und Ostafrika, heute liegt sein Fokus auf Kurdistan.

Mehr Likes als Sigmar Gabriel

Auf Facebook gilt Huch mit über 230.000 „Gefällt mir“-Klicks als prominentester Kommunalpolitiker Deutschlands, während Bundestagsabgeordnete wie der SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gerade mal 60.000 erzielen. Huch sagt dazu: „Wenn man selber etwas in die Hand nimmt und immer so handelt, wie man es auch selbst von anderen fordert, dann erzielt man Glaubwürdigkeit und erhält Unterstützung für die eigene Arbeit.“ Diesem Leitsatz folgend startete Tobias Huch gemeinsam mit Gunter Völker die Aktion „Wasser für Kurdistan“, als der IS die Stadt Sindschar, die zur Heimatstadt der jesidischen Kurden gehört, angriff und zehntausende von Menschen zur Flucht trieb. Aus dieser Aktion gründete sich später der gemeinnützige Verein „Liberale Flüchtlingshilfe e.V.“, durch den bereits zwei Millionen Flaschen Trinkwasser nach Kurdistan ausgeliefert wurden.

Eindrücke aus Kurdistan

Während seiner Reisen in die umkämpften Gebiete des Iraks und Syriens hat Huch unzählige Flüchtlinge getroffen. Geschichten, Eindrücke, Erlebnisse, die sich, so Huch, nur schwer in Worte fassen ließen. „Die Kurden sind herzlich, mutig und zu Recht ein stolzes Volk“, sagt Tobias Huch und berichtet über ein Ereignis sehr berührt. „Während einer Wasserflaschenlieferung in ein Camp in der Nähe von Duhok kamen Flüchtlingskinder auf den LKW zugerannt. Ich sah das erste Mal in den Augen von Menschen pure Angst. Angst, den nächsten Tag nicht überleben zu können.“ Aus den Begegnungen mit dem kurdischen Volk schließt er, dass die Kurden bereits seit über 100 Jahren von der internationalen Staatengemeinschaft betrogen worden seien „und jetzt wird es Zeit, dass das größte Volk ohne Land seinen eigenen Staat bekommt“, so der FDP-Politiker.

Kaum einer polarisiert wie er

Einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist Huch aber vor allem, weil er polarisiert wie kein Zweiter. Seine meinungsstarken Posts in den sozialen Medien rufen Begeisterung und Verachtung hervor. Gerade wenn es um Islamismus geht: So postete er vergangene Woche die Nachricht eines IS-Kämpfers aus Syrien, die an 175 in Deutschland lebende IS-Anhänger rausgegangen sei. Der Islamist ruft dazu auf, man solle dem „FDP Köter und Feind Allahs“ einen freundlichen Besuch abstatten, mit dem Hinweis versehen, dass Huch in Mainz wohne. Die „Allgemeine Zeitung“ warf dem Politiker daraufhin einen „Egotrip“ vor. Huch würde sich als „Reizfigur für Islamisten und türkische Nationalisten“ zelebrieren. Der Politiker sagt dazu: „Ich bin bisher noch nie so niederträchtig beleidigt worden.“

Auch in seiner eigenen Partei ist Huch nicht unumstritten: So schrieb er 2014 in der Bild-Zeitung, er habe für befreundete Studenten Hausarbeiten geschrieben und somit beim Betrügen geholfen. Die Mainzer FDP forderte ihn daraufhin zum Rücktritt auf und leitete sogar ein Parteiordnungsverfahren ein. Das Parteigericht konnte jedoch weder einen Verstoß gegen die Satzung noch einen Schaden für die Partei feststellen.

Huch ist außerdem Gründer einer Facebook-Gruppe mit über 400.000 Mitgliedern, die den früheren Minister Karl-Theodor zu Guttenberg gegen eine angebliche „Hetzjagd“ wegen Plagiatsvorwürfen verteidigte. In der Sarrazin-Debatte setzte er sich nicht etwa gegen die Thesen des SPD-Politikers, sondern für die Meinungsfreiheit ein. „Der Mann für spektakuläre Nachrichten“ nannte ihn die Rhein-Zeitung damals.

Für die wird er auch weiterhin sorgen: Das Erdogan-nahe Medium Yeni Safak behauptete erst am gestrigen Sonntag, dass Huch ein PKK-Bundestagsabgeordneter und großer Fan von Adolf Hitler sei. Huch konterte in Form eines Erdogan-Memes: Er schrieb auf ein Bild des türkischen Präsidenten, der konzentriert am Laptop sitzt: „Was?! Tobias Huch kritisiert mich! Anzeige ist raus!“

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