Wie steht es um die Zug-Ente?

Vor 30 Jahren markierte die Zug-Ente erstmals das Ende des Rosenmontagszugs. In dieser Zeit hat sie viel erlebt. Doch wird sie in diesem Jahr den Umzug durchhalten?

Wie steht es um die Zug-Ente?

Seit 30 Jahren ist sie einer der wichtigsten Wagen beim Rosenmontagszug - die Zug-Ente. Und jedes Jahr aufs Neue stellen sich viele Narren die Frage: Schafft sie dieses Mal die gesamte Zugstrecke?

Denn das war ihr nicht immer gelungen. Beim Umzug im Jahr 2017 schaffte sie es nicht einmal von der Wagenhalle in Mombach zur Aufstellung in die Boppstraße. Und auch 2019 ging dem Gefährt des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) die Puste aus. Im vergangenen Jahr endete die Fahrt schon in der Kaiserstraße. Ein lauter Knall, der Motor versagte und die Ente blieb mitten auf der Straße stehen. Zeit also für eine Generalüberholung.

Dieses Jahr aber kehrt die Zug-Ente zurück - mit einem neuen Elektromotor. Und auch die erste Probefahrt hat sie schon hinter sich. Von der Wagenhalle ging es zwölf Kilometer zum Flugplatz in Finthen. 60 Minuten dauerte die Fahrt, an deren Ende die Ente mit Applaus begrüßt wurde. „Das ständige Anfahren und der Anstieg in Finthen haben die Batterie gefordert und gezeigt, dass die MCV-Zug-Ente den Anforderungen gerecht wird“, so der MCV in einer Pressemitteilung.

„Die Ente war von Anfang an der Star.“ - Michael Bonewitz, MCV-Pressesprecher

Die Idee, die Ente ans Ende des Zugs zu setzen, stammt ursprünglich von Wagenbauer Dieter Wenger. „Früher war ein Schwellkopp in Entenform am Ende. Dieser war aber sehr empfindlich und wurde beschädigt“, sagt der Pressesprecher des MCV, Michael Bonewitz, 2017 gegenüber Merkurist. Der Schwellkopf konnte nicht mehr benutzt werden. Zu dieser Zeit bekam der Wagenbauer wohl einen alten VW-Käfer geschenkt und hatte kurz darauf den Einfall, eine Ente um das Auto herum zu bauen. „Die Ente war von Anfang an der Star.“

Und so ein Star hat in seiner Karriere auch Höhepunkte erlebt. So zum Beispiel 2016, als sie beim Rheinhessenumzug anlässlich des 200. Geburtstags der Region als erster Wagen fahren durfte. „Davon träumt sie natürlich, dass sie nicht dem Zug hinterher tuckert, sondern ganz vorn fahren darf“, sagte Bonewitz damals. Doch es sei eine Ausnahme gewesen und nicht geplant, dass die Ente noch einmal als Erstes fahren darf - höchstens zu ihrem 50. Geburtstag.

Vor ein paar Jahren wurde die Zug-Ente sogar „entführt“, erzählte Bonewitz. Eine Gruppe von Fastnachtern, die Clownskostüme trugen, habe sich vor der Ente postiert, um den Fahrer der Zug-Ente offensichtlich in die Irre zu führen. Der Fahrer sei der Gruppe dann gefolgt, auch, als diese in eine Seitengasse abbog und den Zugweg damit verließ. Da der Fahrer nicht gut durch die Sichtschlitze in der Zug-Ente sehen konnte, hätte er dies nicht bemerkt, bis die Clowns weg gerannt seien. „Da wollte sich wohl jemand einen Scherz erlauben“, sagt Bonewitz, „die Ente wurde dann wieder zurück auf den Zugweg geschoben, was gar nicht so einfach war.“

So oder so sei die Ente immer schon ein beliebtes Motiv gewesen. Da kam es nicht selten vor, „dass sie stehen bleiben musste, damit die Leute Fotos mit ihr machen konnten“, so Bonewitz. Sie sei deshalb immer langsam, mit ein wenig Verzögerung dem Zug hintergetrudelt. Ein Bild, das die Narren am 24. Februar wieder sehen können - wenn die Zug-Ente wieder das Schlusslicht des Rosenmontagszugs ist. (pk)

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