Warum Frauen in der Bütt eine Seltenheit sind

Ballett und Showtanz – vor allem in diesen Sparten sind Frauen in der Mainzer Fastnacht aktiv. Doch guckt man auf die Bütt, stehen dort bis auf wenige Ausnahmen fast nur Männer. Woran liegt es also, dass es nur wenige Frauen in der Bütt gibt?

Warum Frauen in der Bütt eine Seltenheit sind

Erst vor wenigen Tagen sorgte die TV-Sitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ wieder für ein Millionen-Publikum. Stars wie der „Obemessdiener“, die „Hofsänger“ und „Fastnachtsthemen“-Moderator Lars Reichow begeisterten die Zuschauer. Frauen in der Bütt suchte man in der ARD-Show dagegen vergeblich. Selbst die Figuren „Moguntia“, „Bundeskanzlerin Angela Merkel“ und die „CDU-Vorsitzende AKK“ wurden von Männern dargestellt. Lediglich bei den Tanzeinlagen und im Elferrat (eine Frau) waren Frauen auf der Bühne präsent.

Auch einer Merkurist-Leserin ist das aufgefallen: „Frauen sind nur auf der Bühne, um in knappen Outfits zu tanzen. Oder wenn sie Glück haben, um ein Lied zu singen.“ Leserin Tanja spricht von einer „Männerdomäne Fastnachtssitzung“. Ähnlich bewertet der Mainzer Journalist und Autor Harald Martenstein, der unter anderem für die „Zeit“ schreibt, die Situation: „Die letzten Männerhochburgen sind der Vatikan und die Mainzer Fastnacht. Beim Vatikan hat es religiöse Gründe, die der Fastnacht kenne ich nicht“, so Martenstein 2018 gegenüber der „Narhalla“, Deutschlands ältester Fastnachtszeitung, die vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) herausgegeben wird. Mehr als eine Frau im Komitee oder Elferrat könnte es schon sein. „Es gibt inzwischen auch viele gute Kabarettistinnen. Warum sollte man die nicht stärker einbinden?“, so Martenstein.

Frauen eher zurückhaltend

Dass es eher wenige Frauen gibt, die in der Bütt stehen, bestätigt auch der Pressesprecher des MCV Michael Bonewitz. „Es wäre aber sehr erfreulich, wenn sich das ändern würde.“ Ähnlich bewertet der Sitzungspräsident des Gonsenheimer Carneval Vereins (GCV) Sebastian Grom die Situation. „Es gibt viel zu wenige Frauen in der Bütt“. Beim GCV sei das auch der Fall. Deshalb versuche man, Mädchen und Frauen im Verein zu animieren, sich auch in der Bütt zu engagieren. Das Problem dabei sei, dass Mädchen meistens zurückhaltender und schüchterner als Jungen sind, obwohl sie genauso Talent hätten, so Grom.

Beim Karneval-Club Kastel (KCK) sind zwar Frauen in verschiedenen Funktionen auf und hinter der Bühne aktiv, allerdings nicht in der Bütt. Wie Elena Urban vom KCK sagt, engagierten sich Frauen unter anderem im Technik- und Bühnen-Team, beim Tanz und Gesang. Büttenrednerinnen gebe es im Club aktuell aber nicht.

Eine Künstlerin, die sich aktiv auf der Bühne engagiert, ist Julia Döring vom Mainzer Carneval Club (MCC). Zwar ist die Mainzerin auch nicht in der Bütt zu sehen, dafür trat die Sängerin (damals noch unter ihrem Mädchennamen Mathes) schon zusammen mit Thomas Neger bei „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ auf.

Im Alter von neun Jahren stand sie mit ihrer Schwester Sandra das erste Mal als Sängerin auf der Bühne, so Döring gegenüber Merkurist. „Später sind wir dann auch bei ‘Jugend in die Bütt’ aufgetreten.“ Vor knapp 20 Jahren entstand der Kontakt zu Thomas Neger. „Nach einer tollen erfolgreichen Zeit als Trio haben wir uns alle neu orientiert und wollten mal was neues probieren“, so Döring. Sie trat daraufhin als Solo-Sängerin auf, inzwischen ist sie die Gardesängerin bei der Mainzer Kleppergarde sowie Aktive beim MCC.

„Es gibt meiner Meinung nach einige tolle Frauen, die in der Bütt stehen, sowie auch tolle Sängerinnen, die sich auch in der Mainzer Fastnacht schon etabliert haben“, so Döring. Trotzdem wünscht sie sich, dass junge und neue Talente mehr gefördert würden und die Chance bekämen, auf großen Bühnen zu stehen. „Es gibt die MCC-MPG Rednerakademie. Hier fördern bekannte Mainzer Redner junge Talente. Vielleicht ist das auch ein Weg für eine Frau in der Bütt.“

Laut Döring habe Fastnachter Jürgen Wiesmann, der auch regelmäßig bei „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ auftritt, mal gesagt, man müsse als Programmgestalter zwar mutig sein, jungen Talenten auf großen Sitzungen eine Chance zu geben. Im Laufe der Jahre entwickle sich daraus aber ein „spritziges Programm“. Das sei zwar ein Prozess und gehe nicht von heute auf morgen, aber es ginge, so Wiesmann laut Döring.

(ps)

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