TV-Übertragung: Wieso hat sich der SWR für die Bohnebeitel entschieden?

Seit 23 Jahren überträgt der SWR die Fastnachtssitzung der Mombacher Bohnebeitel. Doch warum entschied sich der Sender für diesen Verein? Und könnten auch andere Fastnachtsvereine eine Chance bekommen?

TV-Übertragung: Wieso hat sich der SWR für die Bohnebeitel entschieden?

Knapp zwei Millionen Menschen verfolgten in diesem Jahr die Fastnachtssitzung der Mombacher Bohnebeitel, „Mumbach, Mumbach Täterä!“, vor den Bildschirmen. Wie „Mainz bleibt Mainz“ ist die Übertragung im SWR für viele ein Pflichttermin - und das seit 23 Jahren. Merkurist-Leserin Sophie fragt sich in ihrem Snip allerdings: „Wieso bekommt kein anderer Verein mal die Chance?“

Günther Dudek ist Leiter der Hauptabteilung „Land und Leute“ beim SWR - und damit auch zuständig für die Fernsehübertragung der Bohnebeitel-Sitzung. Er sagt gegenüber Merkurist: „Dass andere Vereine die Chance bekommen, ist eher schwierig.“ Die Kooperation mit den Bohnebeitel funktioniere auch nach mehr als zwanzig Jahren sehr gut. „Das Gesamtpaket passte und passt für uns als übertragender Sender bis heute. Bereits die ersten Übertragungen zeigten sehr schnell und deutlich, dass sowohl die Qualität der Vorträge als auch der Zuspruch der Zuschauer überzeugend und zufriedenstellend waren.“ Andere Fastnachtsvereine aus Mainz hätten in Fernsehen und Hörfunk auch eine Vielfalt an Möglichkeiten, sich zu präsentieren, zum Beispiel auch in der „Radiofastnacht“.

„Sie gehörten damals wie heute zu den traditionellen Mainzer Fastnachtsvereinen.“ - Günther Dudek, Leiter „Land und Leute“

Fastnacht sei für den SWR ein Programmschwerpunkt - und werde es auch bleiben. „Wir müssen sicher eher die Frage stellen, wo sich denn der ‘Rest’ aus Rheinland-Pfalz bei uns im Programm findet: Trier, Koblenz, das nördliche Rheintal, der Hunsrück, der Westerwald. Auch hier gibt es Fastnachtshochburgen, an die wir denken müssen“, so Dudek. Jährlich gebe es in Kooperation mit der „Landesschau“ den Wettbewerb „Superfastnachter“, für den sich sich Talente aus dem ganzen Land in Tanz, Büttenrede und Gesang präsentieren und in einer gemeinsamen Sitzung auftreten können. „Wir bekommen jedes Jahr viele Bewerbungen aus dem ganzen Land. Talente aus Mainz sind aber eher selten vertreten. Das zeigt uns auch, dass die Mainzer Aktiven anscheinend keine weiteren Bühnen suchen auf denen sie sich präsentieren können“, sagt Dudek.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit den Bohnebeitel?

Doch wie kam es zur Zusammenarbeit mit den Mombacher Bohnebeitel? Dudek erklärt: „Sie gehörten damals wie heute zu den traditionellen Mainzer Fastnachtsvereinen, die ganz besonders für die Urtümlichkeit des Brauchtums in Mainz standen und stehen. Diese Urtümlichkeit wird zum Beispiel auch durch den Veranstaltungsort geprägt. Die Turnhalle des Mombacher Turnvereins vermittelt doch eine ganz andere Atmosphäre als etwa die Rheingoldhalle, in der einige der großen Stadtvereine ihre Sitzungen abhalten.“

Aber vor allem seien die Redner und Aktiven das Aushängeschild des Vereins. „Hier haben und hatten die Bohnebeitel immer mehr als nur einige herausragende Persönlichkeiten in ihren Reihen, zum Beispiel Heinz Schier, Heinz Koch, Marianne Schaffner, Robert Bartsch, Heinz Meller oder die ‘Maledos’.“ Später seien prägende Gestalten der Mainzer Fastnacht hinzugekommen wie der Begge Peder, Ramon Chormann, Frank Golischewski, Hildegard Bachmann, Helmut Schlösser, Nick Benjamin, Burkard Steger oder Jürgen Leber. „Viele dieser Redner und Aktiven waren und sind vor allem oder auch ausschließlich bei den Sitzungen der Mombacher Bohnebeitel zu sehen.“

Andere Vereine hätten damals nicht zur Auswahl gestanden, so Dudek. Und das hatte einen Grund: „Die großen Mainzer Vereine hatten mit ‘Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht’ bereits eine große TV-Bühne. Und auch für diese Produktion sind wir als SWR ja alle zwei Jahre im Wechsel mit dem ZDF zuständig. Und da viele andere kleinere Mainzer Vereine ihre größten Talente oft auch in die großen Mainzer Vereine einbringen können, waren auch diese kleinen damit berücksichtigt und bedacht. Hier war also bereits für ausreichend Möglichkeiten zur TV-Präsenz gesorgt.“ (ts)

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