„Mainz bleibt Mainz“: Warum keine Frauen in der Bütt waren

Am Freitag sorgte die TV-Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ wieder für ein Millionen-Publikum. Stars wie der „Obemessdiener“ und „Fastnachtsthemen“-Moderator Lars Reichow begeisterten die Zuschauer. Frauen in der Bütt suchte man in der TV-Show vergeblich.

„Mainz bleibt Mainz“: Warum keine Frauen in der Bütt waren

„Bundeskanzlerin“ Angela Merkel (Florian Sitte) und „Moguntia“ (Johannes Bersch) gehören aktuell zu den großen Stars der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Doch selbst diese weiblichen Protagonisten werden von Männern gespielt. Die einzige weibliche Aktive in der TV-Show am vergangenen Freitag war Laura Heinz, die „Heile, heile Gänsje“ sang. Abgesehen davon sind Frauen auch sonst häufig als Tänzerin oder im Komitee anzutreffen - selten aber in der Bütt.

„Männerhochburg Fastnacht“

Auch Merkurist-Leserin Anna ist das aufgefallen. Sie fragt deshalb: „Warum gab es bei ‘Mainz bleibt Mainz’ nur Auftritte von Männern?“ In der Tat war die Bütt 2021 wieder einmal eine reine Männerdomäne.

Ähnlich bewertete schon der Mainzer Journalist und Autor Harald Martenstein, der unter anderem für die „Zeit“ schreibt, die Situation: „Die letzten Männerhochburgen sind der Vatikan und die Mainzer Fastnacht. Beim Vatikan hat es religiöse Gründe, die der Fastnacht kenne ich nicht“, so Martenstein 2018 gegenüber der „Narrhalla“, Deutschlands ältester Fastnachtszeitung, die vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) herausgegeben wird. „Es gibt inzwischen auch viele gute Kabarettistinnen. Warum sollte man die nicht stärker einbinden?“, so Martenstein. Zuletzt immerhin im Zweijahres-Rhythmus in der TV-Fastnacht dabei war die „Chefhostess der Stadt Mainz“, Sabine Pelz vom Mainzer Carneval-Verein (MCV). Eine Kollegin in der Bütt, die für die Fastnachtsshow in Frage kommen würde, hat Pelz zurzeit anscheinend aber nicht. Doch warum ist das so?

Was der SWR sagt

Verantwortlich für die diesjährige Ausgabe von „Mainz bleibt Mainz“ war der Südwestrundfunk (SWR). Gegenüber Merkurist bedauert der Sender, dass bis auf eine Ausnahme keine weiblichen Aktiven in der Sitzung vertreten waren. Zudem verweist der Sender darauf, dass es 2021 - coronabedingt - ein „etwas anderes Auswahlverfahren“ bei den Künstlern gab. „Die Saalfastnacht fand nicht statt und damit gab es auch für die Redaktion von ‘Mainz bleibt Mainz’ nicht die Möglichkeit, eventuelle Beiträge für die Fernsehsitzung vorab in den Sälen anzuschauen, wie es üblicherweise gemacht wird“, so SWR-Sprecherin Sibylle Schreckenberger.

So seien die vier an der Fernsehsitzung beteiligten Vereine Mainzer Carneval Verein (MCV), Mainzer Carneval Club (MCC), Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) und Karneval Club Kastel (KCK) gebeten worden, auf den in Frage kommenden Aktivenkreis zuzugehen und diesen darum zu bitten, Vorträge zu schreiben. Es sollten bekannte Gesichter der Fastnacht sein, die über entsprechende Erfahrung verfügen und die vor allem für den unverzichtbaren Markenkern der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ stehen: die politisch-literarische Fastnacht. „Von den mitwirkenden Vereinen wurden dieses Mal leider keine Rede-Beiträge von Fastnachterinnen ins Programm der Fernsehsitzung eingebracht“, so Schreckenberger. Der Weg über die Vereine sei dabei aber die Grundvoraussetzung.

„Weiblicher, närrischer Nachwuchs“ soll sich einbringen

Doch gibt es wirklich keine geeigneten Fastnachterinnen, die das Zeug haben, in der Bütt aufzutreten? „Das fragt sich die SWR-Redaktion natürlich auch und bedauert dies“, sagt SWR-Sprecherin Schreckenberger und ruft gleichzeitig „den weiblichen, närrischen Nachwuchs“ dazu auf, sich in die Fastnacht einzubringen: „Werden Sie Aktive in den genannten Vereinen und überzeugen Sie mit närrischen Beiträgen, die ein bundesweites Fernsehpublikum mitreißen. Vielleicht schlummert unter den Merkurist-Leserinnen das ein oder andere Talent, das es zu entdecken gilt.“

„Wenn es darum geht hervorzutreten, gibt es nur wenige Frauen, die ihren Hut in den Ring schmeißen.“ - Andreas Krawietz, GCV

Das würde sich auch der Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) wünschen. Dass es für die Vereine tatsächlich schwierig ist, mehr Frauen auf die Bühne zu bringen, erzählt Andreas Krawietz, Präsident des Vereins, auf Merkurist-Anfrage. Er wünscht sich mehr Frauen in der Fastnacht - und das schon seit Jahren. Gerne würde man den weiblichen Nachwuchs pushen, sagt der Fastnachter. Doch die Sache sei ganz einfach die, dass im Nachwuchsbereich die männlichen Aktiven überwiegen. Und „wenn es darum geht hervorzutreten, gibt es nur wenige Frauen, die ihren Hut in den Ring schmeißen.“ Frauen sollten aber den Mut haben, nach vorne auf die Bühne zu gehen und sich dem Publikum zu stellen, sagt Krawietz.

Generell sei es für eine Frau dann aber auch schwierig, sich zu etablieren. Das fange bereits damit an, eine passende Rolle zu finden - ohne die Künstlerin auf weibliche Merkmale festzulegen. Wie Krawietz sagt, gehe er davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis auch nur ansatzweise gleich viele Frauen wie Männer bei den Aktiven mitwirken. Fördern wolle man den weiblichen Nachwuchs aber sehr gerne. „Wir haben beim GCV die ‘Narrenschau’, einen Nachwuchswettbewerb, bei dem jeder mitmachen kann, der sich dazu berufen fühlt“, so Krawietz.

Und was sagt das Frauenbüro der Stadt Mainz, das 1987 eingerichtet wurde, um - laut Eigenangaben - „die Belange von Frauen in möglichst vielen Bereichen der Stadt zum Thema zu machen und zur Geltung zu bringen“, zu der niedrigen Frauenquote bei „Mainz bleibt Mainz“? Auf Anfrage teilt Stadtsprecherin Leonie von Bremen lediglich mit, dass „die Stadt Mainz an der inhaltlichen Gestaltung der Sendung nicht beteiligt“ war.

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