5 irre „Mainz bleibt Mainz“-Momente

In dieser Top-5 berichten wir euch von Politikern, die die „Mainz bleibt Mainz“-Bühne stürmen wollten und Sitzungen, die komplett aus dem Ruder gelaufen sind.

5 irre „Mainz bleibt Mainz“-Momente

2021 wird es die vielleicht ungewöhnlichste Ausgabe der legendären Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ geben. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Sitzung bereits vorab aufgezeichnet, Saalpublikum wird nicht im Kurfürstlichen Schloss sein und auch sonst läuft vieles anders (wir berichteten). Grund genug, auf fünf irre Momente der Mainzer Fernseh-Fastnachtssitzung zurückzublicken.

1972: Ist das noch „Mainz bleibt Mainz“?

Zu Beginn der Siebzigerjahre wurden Fernsehfastnachtssitzungen zu immer größeren Quotenerfolgen. Der Druck auf die Programmgestalter der öffentlich-rechtlichen Sender wuchs an. Die Folgen: Tänzerinnen hoben plötzlich die Unterröcke, ein Moderator führte Interviews auf der Bühne und Schlagersänger Tony Marshall präsentierte seinen Hit „Schöne Maid“. Kurioser Höhepunkt: Ein Reporter schlängelte sich durch das Publikum und interviewte RLP-Ministerpräsident Helmut Kohl, auf dessen Kosten gerade Witze gemacht wurden.

SWR-Unterhaltungsredakteur Norbert Christ, der für die heutigen Fernsehsitzungen mitverantwortlich ist, sagte 2015: „Der Fehltritt war eine Verletzung der Traditionen, die die Mainzer Saalfastnacht ausgebildet hat.“ Bis heute würden Fernsehmacher diesen Fehltritt nicht mehr wiederholen.

2017: Uwe Junge will die Bühne stürmen

Das gefiel dem rheinland-pfälzischen AfD-Vorsitzenden Uwe Junge überhaupt nicht: Gerade hatte „Obermessdiener“ Andreas Schmitt seinen Vortrag gehalten und darin schwer gegen die AfD ausgeteilt. Da wollte Junge offenbar die Bühne stürmen und Schmitt die Meinung geigen. Das Sicherheitspersonal im Saal hielt Junge jedoch zurück.

Junge sagte später gegenüber der FAZ: „Das ist Quatsch.“ Ein Parteikollege und er hätten sich lediglich bei Karnevals-Präsident Schmitt „abmelden“ wollen. Schmitts Kommentar zu Junge: „Der hätte ruhig hochkommen können. Dem hätt’ ich noch drei bis vier Vierzeiler an den Kopp geschmisse und ihn dann am Kopp unn am Arsch genomme und ausm Fenster geworfen!“

1992: Norbert Blüm stürmt die Bühne

25 Jahre zuvor stürmte schon einmal ein deutscher Politiker die Bühne bei „Mainz bleibt Mainz“. Der Auftritt von Norbert Blüm (CDU) kam beim Publikum allerdings deutlich besser an als Junges Aktion. Fünf Jahre bevor Blüm den berühmten Satz „Die Rente ist sicher“ im Bundestag sagen sollte, sorgte der damalige Bundesarbeitsminister bereits für ein berühmtes Renten-Zitat.

Gerade als sich „Erna aus Ostpreußen“ alias Manfred Friedrich über Blüms Rentenpolitik auslassen wollte, nutzte Blüm eine Kunstpause, um auf die Bühne zu gehen. „Erna“ sagte damals: „Als ich Blüm nach meiner Rente gefragt habe - hören Sie mal zu, was er da geantwortet hat.“ Unter dem Beifall des Publikums ging Blüm ans Mikrofon und sagte: „Mädchen, so lange wir regieren, hast du eine gute Rente.“ Danach tobte der Saal.

1964: „Humba Täterä“

Noch heute ist das Lied „Humba Täterä“ in Mainz Kult. Der blinde Komponist Toni Hämmerle hatte es für den singenden Dachdecker Ernst Neger geschrieben. Als beide den Titel bei „Mainz bleibt Mainz“ 1964 aufführten, kannte die Begeisterung beim Saalpublikum keine Grenzen. Die Zuschauer feierten „Humba-Täterä“ so ausgelassen, dass die Liveübertragung sogar um eine Stunde verlängert wurde. „Das Publikum war wie befreit“, erinnert sich Fastnachts-Legende Margit Sponheimer zurück.

2005: Bonewitz teilt beim Comeback aus

Bereits in den Achtzigerjahren hatte sich Fastnachtslegende Herbert Bonewitz aus der Fernsehfastnacht verabschiedet. Doch zur 50. Ausgabe von „Mainz bleibt Mainz“ kehrte er noch einmal in die TV-Bütt zurück und war kein bisschen altersmilde. Im Gegenteil: Als Senior verkleidet wetterte er so richtig gegen die Fastnacht: „Wo wir mal hinlachen, wächst garantiert kein Spaß mehr.“ Auch das Komitee bekam sein Fett weg: „Alles Spezialisten“, rief Bonewitz und wirbelte mit einem Gehstock vor den irritierten Gesichtern der Komitee-Mitglieder herum.

Doch nicht nur die Fastnacht wurde von Bonewitz abgewatscht: „Politiker gucken immer nur in Richtung der Kameras. Was hier auf der Bühne passiert, bekommen die meisten nicht mit.“ Zum Ende seines Vortrags wurde er jedoch versöhnlich: „Feiert noch schön, nicht übertreiben, die Fastnacht muss sauber bleiben! Lasst euch mit dem Altwerden Zeit und bleibt gesund, macht’s gut ihr Leut.“

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