Stadionverbot, ja bitte!

In diesen Wochen spielen die Frauen- und Männerteams von Mainz 05 in der Fußball-Bundesliga gegen Clubs mit lebenden Maskottchen, die in volle Fußballstadien gekarrt werden. Die Tiere werden dabei unnötigem Stress ausgesetzt.

Stadionverbot, ja bitte!

Es gibt Dinge bei Mainz 05, die ich besonders mag, gerade weil Mainz 05 sie nicht hat. Maskottchen sollen Emotionen wecken und eine Marken-Bindung aufbauen. Es dürfte bei Fußballfans Konsens sein, dass ein grünes Stoffkrokodil oder eine runde, kuschelige Plüschbiene nicht unbedingt die Auslöser sind, die dafür sorgen, dass wir uns mit unserem Club verbunden fühlen und seine Teams im Stadion bestmöglich unterstützen.

Daher bin ich froh, dass Mainz 05 bisher auf diesen Trend nicht aufgesprungen ist. Zwar hat der Verein mit „Johannes“ einen Clown, der aber nur für Kinder im Einsatz ist. Er besucht Schulen und ist bei Aktionen des KidsClubs dabei. Das Clownskostüm mag helfen, die jüngsten 05er*innen an den Verein zu binden.

In diesen Wochen spielen die 05er*innen allerdings gegen Clubs, deren Maskottchen nicht aus Stoff und Plüsch bestehen. Beim 1. FC Köln müssen Geißbock Hennes IX. und bei der Eintracht Steinadler Attila bei jedem Männer-Heimspiel ins Stadion gekarrt werden. Ein Fußballstadion ist vieles, nur kein artgerechter Lebensraum für Böcke und Adler. Die Geräuschkulisse, das Flutlicht und die unnatürliche Umgebung führen zu vollkommen unnötigem Stress. Sie bedeuten eine erhebliche Belastung für die Tiere. 2015 wurde Hennes VIII. im emotionalen Rausch nach einem Tor von einem Spieler von hinten an den Hörnern gepackt und nach oben gerissen.

Daher plädiert nicht nur die Tierschutzorganisation PETA für ein Stadionverbot von Attila, Hennes und auch Esel Andile in Großaspach. Tierethiker*innen kritisieren, dass Tiere als reine „Objekte“ zur Markenbindung eingesetzt werden.

Und die Vereine? Sie verweisen auf artgerechte Haltung außerhalb der Auftritte und sprechen von Tradition und Identifikationsfiguren. Angeblich hätte Attila bei den Geisterspielen während der Pandemie die Fans vermisst. Auch klassischer Whataboutism (Polizeipferde, Nutztiere etc.) wird vom jeweiligen Club-Umfeld genutzt, um die Kritik zu entkräften.

Der Tierschutz ist seit August 2002 als Staatszielbestimmung in Artikel 20a des Grundgesetzes (GG) verankert. Die Vereine sollten sich an das GG halten. Und wir Fans sollten wie bei Investoreneinstiegen und Montagsspielen auch bei diesem Thema Sichtbarkeit für die Problematik schaffen – gerade, wenn manche Clubs dieses Thema aussitzen möchten. Denn Tiere haben auf dem Papier zwar Rechte, aber weder eine Stimme noch eine starke Lobby.

Über den Autor

Christoph Kessel ist in Mainz geboren und betreibt den Reise- und Fußball-Blog „Meenzer on Tour“ seit 2009. Der passionierte Mainz 05-Fan hat 2022 sein viertes Buch „Nachhaltigkeit würde der Liga guttun“ veröffentlicht. Bei Merkurist ist er Gastautor und Teil des Fan-Kolumnen-Teams.

Über die Fan-Kolumne

Was ist gerade Thema bei Fußball-Fans in Mainz und Umgebung? In der Fan-Kolumne berichten Felicitas Budde, Christoph Kessel, Sebastian Schneider und Alex Schulz im Wechsel, was sie gerade rund um Mainz 05, den Fußball allgemein oder gesellschaftspolitisch bewegt.