Gehört Politik wirklich nicht in den Fußball?

Immer wieder fordern gewisse Fans, Politik aus dem Fußballstadion zu verbannen. Fan-Kolumnist Alex Schulz hat dazu eine klare Meinung.

Gehört Politik wirklich nicht in den Fußball?

Eine Länderspielpause ist immer eine gute Gelegenheit, um mal über Themen zu reden, die Mainz 05 zwar betreffen, aber doch viel globaler sind.

In vielen Diskussionen im Stadion wie auch im Alltag und vor allem in sozialen Medien findet man regelmäßig den Wunsch, Politik aus dem Fußball rauszuhalten. Das Thema „nerve“ und „Fußball bleibt Fußball, Politik bleibt Politik“.

Das gilt natürlich nur, solange die Nationalspieler optisch ins eigene Weltbild passen. Und wenn die Iren gegen Israel protestieren, kann man das auch schon mal gut finden, mag man die ja auch nicht. Vielleicht nur aus anderen Gründen. Ist doch aber alles keine Politik, nur Meinung. Ach ja, „Fußball ist Männersport“!

Die Preise bei der vergangenen WM waren alles andere als sozialverträglich. „Kein Zwanni für 'nen Steher!“ ist eine klare Forderung. Generell braucht Fußball günstige Stehplätze. Und Vereine gehören den Mitgliedern! Aber Fanpolitik ist ja auch wieder was anderes. Nicht erst das Pokalspiel eines rheinland-pfälzischen Zweitligisten rief die Innenpolitik auf den Plan. Die Polizeikosten bei Risikospielen an die Vereine weiterzuleiten, ist ein aktuelles Thema. Und auch sonst hat die Innenpolitik, in deren Bereich auch der Sport fällt, viele Ideen, wie man die sehr sicheren Spiele noch sicherer machen könnte. Etwas mehr Law & Order ist bei Fußballfans schon okay. Sehen regelmäßige Stadiongänger häufig anders! Kurzum spielen Sozial- und Innenpolitik im Fußball immer eine Rolle. Und das sind ja nur die offensichtlichsten Verbindungen.

Bezeichnend ist, dass die, die diese klare Trennung von Sport und Politik fordern, bei den genannten Themen durchaus eine Position beziehen.

Wenn es dann jedoch um Themen geht, die eigentlich Konsens in einer Gesellschaft sein sollten, sieht es ganz anders aus.

Wenn wir über die Geschichte eines Vereins reden und aus den Schicksalen von Menschen wie Eugen Salomon eine Verantwortung ableiten, ist das zu viel. Wenn wir Fußball und das Stadion zu einem Ort machen wollen, wo sich alle Menschen willkommen und sicher fühlen können. Wenn ein Verein seine Vorbildfunktion erkennt und sich für Umweltschutzthemen einsetzt. Ja, dann ist die vermeintliche Politik ein Dorn im Auge.

Fußball war und ist schon immer politisch! Auf so viele Arten und Weisen. Unpolitisch sein ist immer nur ein Feigenblatt, um unliebsame Ansichten zu diskreditieren.

Und so unterstützen wir gerne die Bestrebungen, das Erlebnis Fußball für alle möglich und angenehm zu machen. Wenn wir verhältnismäßig günstig im Block stehen, freuen wir uns, wenn wir mit Nadiem Amiri einen deutschen Nationalspieler in unseren Reihen haben, der mit vielen anderen Spielern aus allen Teilen der Welt für uns auf Torejagd geht.

Wenn dann das Siegtor fällt, liegen wir uns in den Armen und jubeln gemeinsam. Egal, wer da gerade noch so in Rot und Weiß steht, wie die Person aussieht, woher sie kommt oder wen sie liebt. Das Bier oder die Apfelschorle werden verschüttet. Die Bratwurst fällt beim Jubeln aus der Hand, egal, ob Schwein, Rind oder vegan. In dem Moment ist dann wirklich Fußball nur Fußball.

Über den Autor

Alex Schulz geht in seine 30. Saison mit nahezu allen 05-Pflichtspielen live vor Ort. In dieser Zeit hat er viel fanpolitische Arbeit in verschiedenen Funktionen geleistet und tut dies noch immer.

Über die Fan-Kolumne

Was ist gerade Thema bei Fußball-Fans in Mainz und Umgebung? In der Fan-Kolumne berichten Felicitas Budde, Christoph Kessel, Sebastian Schneider und Alex Schulz im Wechsel, was sie gerade rund um Mainz 05, den Fußball allgemein oder gesellschaftspolitisch bewegt.