Mitbewohner: „Ali war nicht normal“

Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft auf dem Kreuzberger Ring sind schockiert: Einer ihrer Mitbewohner soll einen Mord begangenen haben. Ein Bewohner erzählt.

Mitbewohner: „Ali war nicht normal“

Die Lage an der Flüchtlingsunterkunft auf dem Kreuzberger Ring in Erbenheim ist am Donnerstag ruhig, aber angespannt. Gerade hat die Wiesbadener Polizei gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft verkündet, dass der Tatverdächtige im Mordfall Susanna F., Ali Bashar, Bewohner der Unterkunft war. Seitdem bewachen Polizisten das Gebäude. Uniformierte und Zivilbeamte patrouillieren vor dem Haus.

Bashar ist jedoch längst nicht mehr dort. Er soll sich - gemeinsam mit seiner Familie - wieder im Irak aufhalten. In dem Land, aus dem er im Sommer 2015 floh. Er sei dort von der PKK verfolgt worden. In der Unterkunft auf dem Kreuzberger Ring lernte er seinen Namensvetter Ali kennen. Er kommt gerade vom Einkaufen, als wir ihn vor dem Gebäude treffen. „Bashar war nicht ganz normal“, erzählt er. Ein Freund übersetzt.

„Er hat viel geraucht, oft auch Haschisch.“ - Bewohner Ali

Der Tatverdächtige habe, so sein Mitbewohner, keinen Plan für sein Leben gehabt, habe viel rumgehangen. Auch Drogen soll er konsumiert haben. „Er hat viel geraucht, oft auch Haschich.“ Ein Drogenproblem gebe es in der Unterkunft aber nicht.

Flucht mitten in der Nacht

Auch die Polizei sei, anders als derzeit, nicht häufig an der Unterkunft gewesen. „In den vergangenen Tagen war aber viel Polizei hier“, schildert Ali. „Seit drei Tagen wurde es immer mehr.“ Er habe von anderen Bewohnern erfahren, dass sein Mitbewohner ein Mädchen ermordet haben soll. Darüber gesprochen habe er mit ihm nicht, Bashar habe die Unterkunft in einer Nacht- und Nebel-Aktion verlassen.

„Sie sind gegen Mitternacht durch den Hinterausgang raus.“ - Bewohner Ali

„Es war gegen Mitternacht“, sagt Ali. „Bashar und seine Familie sind durch den Hinterausgang raus, sie waren ganz leise dabei.“ Mit zwei Autos seien sie verschwunden. Wie sich später herausstellt, fuhren sie zum Düsseldorfer Flughafen, um von dort - über eine Zwischenlandung in der Türkei - in den Irak zurückzukehren.

Bewohner sind verunsichert

Die Bewohner der Unterkunft sind nun verunsichert. „Natürlich sind wir das, so etwas macht man nicht, es ist sehr schlimm für uns“, erklärt Ali. Seine Frau und sein Kind seien sehr aufgeregt. „Es ist ja nicht normal, das jemand so etwas macht, dass jemand tötet“, sagt er.

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