Ali B.: „Mir wurde schwarz vor Augen, dann war sie tot“

Vor dem Landgericht Wiesbaden begann am Dienstag der Prozess um den Fall Susanna. Der Angeklagte Ali B. schilderte dabei erschreckende Details über den Tathergang.

Ali B.: „Mir wurde schwarz vor Augen, dann war sie tot“

Etwa drei Monate kannten sich Susanna F. und Ali B. Sie liefen Händchen haltend durch die Stadt, tranken zusammen Alkohol und plauderten, bis am nächsten Morgen die Sonne aufging. „Mehr war da nicht“, sagt B., der mithilfe eines Dolmetschers am Dienstagmorgen vor dem Wiesbadener Landgericht aussagte. Ihm wird vorgeworfen, die 14-jährige Susanna F. aus Mainz im Sommer 2018 im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim vergewaltigt und ermordet zu haben.

Angeklagter fasst tragische Nacht zusammen

Bei einem ihrer nächtlichen Treffen wurde Susanna wütend, schildert der Iraker. Sie habe ein Glas Wodka, er selbst gemeinsam mit einem weiteren Freund eine ganze Flasche geleert. „Danach haben wir noch gekifft, mein Freund und ich“, sagt B. „Susanna wollte dann gehen.“

Ihm selbst sei schwindelig geworden, er habe kurz geschlafen, wollte sie dann aber noch zum Bus bringen. Doch es fuhr kein Bus mehr, zum Bahnhof war es der 14-Jährigen zu weit. Von da an nahm die Nacht einen tragischen Verlauf.

Einvernehmlicher Sex?

Die beiden hätten über Sex geredet, sagt B. Er habe mit Susanna schlafen wollen. Fragte erst einmal, bekam eine Abfuhr. Beim zweiten Mal soll Susanna Ja gesagt haben. In einem Gebüsch sei es dann zum Verkehr gekommen. „Wir sind dann weiter in Richtung der Gleise gegangen. Susanna ist hingefallen, ihre Kleidung war ganz dreckig und sie hatte eine blutende Wunde im Gesicht“, schildert Ali B. unter großem Zuschauerinteresse im Gerichtssaal.

Warum die 14-Jährige dann die Polizei rufen wollte, kann er sich nicht erklären. Wohl aber, dass er das um jeden Preis verhindern wollte. Laut Anklageschrift habe B. die Schülerin von hinten gewürgt, mit seinem Arm so fest auf ihren Kehlkopf gedrückt, dass sie erstickt ist. Erst als ihr Körper leblos und schlaff wurde, ließ er von seinem Opfer ab. Schaum trat aus ihrem Mund hervor. Susanna war tot.

„Mir wurde schwarz vor Augen.“ - Angeklagter Ali B.

Daran will sich B. nicht mehr erinnern können. „Mir wurde schwarz vor Augen. Zwei, drei, vielleicht vier Minuten später kam ich wieder zu mir. Ich habe ihren Puls gefühlt, aber sie war tot“, sagt er. Im Anschluss habe er die Leiche kurz alleine gelassen, sei dann aber wieder zurückgekehrt und habe sie in einem Erdloch vergraben. „Dann bin ich nach Hause, habe geduscht.“

Die Staatsanwaltschaft spricht jedoch von Vergewaltigung. B. habe die 14-Jährige zunächst mit der Hand penetriert, sei dann in sie eingedrungen. Die Hose nach unten, das Top nach oben geschoben. Der Mord an Susanna sei aus Heimtücke geschehen, heißt es in der Anklageschrift. Mit dem Ziel, die vorangegangene Vergewaltigung zu vertuschen. Dies hatte der Iraker bereits im Vorfeld bestritten.

Mutter bricht in Tränen aus

Unter Tränen verfolgt Susannas Mutter die Ausführungen des Mörders ihrer Tochter. Sie tritt als Nebenklägerin auf. Susannas Vater sitzt im Zuschauerraum. Auch er wird immer wieder von den Tränen übermannt. Der Angeklagte hingegen wirkt während der Aussage gefasst. Er berichtet von den Vorgängen in der tragischen Nacht in sachlichem Ton, ein Dolmetscher überträgt seine Worte ins Deutsche. B. blickt abwechselnd zu seinem Dolmetscher und auf den Boden, dem traurigen Blick der Mutter weicht er aus.

Am Ende hat er dann doch noch ein paar Worte für Susannas Eltern übrig. „Es tut mir leid“, lässt er seinen Dolmetscher sagen. „Ich wollte nie einen Menschen töten. Das, was ich getan habe, kann ich nicht wieder gutmachen. Es tut sehr weh und beschäftigt mich jeden Tag.“ Weitere Angaben wollte er am Dienstag nicht machen, auch Nachfragen wollte er nicht beantworten.

Der Prozess wird am Montag, den 18. März, fortgesetzt.

(nl/js/ms)

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