Gefährdete Greifvögel haben sich im Mainzer Dom eingenistet

Seit vielen Jahren nisten Wanderfalken an einem Dachfenster. Das Bistum will damit den selten gewordenen Vögeln neuen Lebensraum bieten. Noch im März wird Nachwuchs erwartet.

Gefährdete Greifvögel haben sich im Mainzer Dom eingenistet

Wer über den Domplatz läuft und aufmerksam lauscht, wird die typischen Falkenschreie nicht überhören. Denn mitten in der Stadt hat sich ein Wanderfalken-Pärchen hoch oben im Dom niedergelassen.

Tatsächlich nisten bereits seit vielen Jahren Falken-Paare im Mainzer Dom. „Das Wanderfalken-Pärchen nutzt sehr rege eine Nistvorrichtung, die wir im südöstlichen Dachgaupen-Fenster angebracht haben“, berichtet der Steinmetz und Steinbildhauer der Mainzer Dombauhütte, Jörg Walter. Eine Ausnahme war das vergangene Jahr, als sich dort ein Uhu niedergelassen und „für etwas Unruhe gesorgt hat“, so Walter.

Nistkasten aus der Dom-Schreinerei

Die Idee zu einem Falken-Nistplatz mitten in der Stadt sei damals aus den Reihen des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) gekommen. Wie der Geschäftsführer des NABU Rheinland-Pfalz, Olaf Strub, berichtet, seien vor 13 Jahren rund um den Dom zwar Wanderfalken gesichtet worden, aber keine Stelle, die sich als Brutplatz geeignet habe. Kurzerhand baute die Schreinerei der Dombauhütte einen geeigneten Nistkasten, der im Ostturm in einer Fensternische angebracht wurde. Hinzu kam ein kleiner Balkon, der den kleinen Falken, die noch nicht flügge sind, mehr Bewegungsfreiheit bieten sollte. Noch im März rechne man mit dem diesjährigen Nachwuchs, sagt Jörg Walter.

Dem Bistum sei es damals wie heute ein Anliegen gewesen, durch die Nistvorrichtung neuen Lebensraum für die Falken zu schaffen. „Da sich dieser insgesamt mittlerweile verändert hat und sie nun auch zum Teil auf den urbanen Raum angewiesen sind“, so Walter. Gleichzeitig würden die Falken dazu beitragen, das „Problem der Tauben am Dom in den Griff zu bekommen“. Denn Tauben gehören zu den Beutetieren der Wanderfalken.

Hintergrund

In weiten Teilen der Welt ist der Wanderfalke bereits ausgestorben. Auch in Rheinland-Pfalz war sein Bestand zwischen den 1950ern und 70ern laut dem NABU „katastrophal eingebrochen“. Jungvögel wurden im Auftrag von Falknern und illegalem Fang aus ihren Horsten entfernt, Altfalken von Taubenzüchtern abgeschossen. Hinzu kam der Einsatz von Pestiziden in der Land- und Forstwirtschaft. Ende der 1960er sei der Bestand des Wanderfalken in Rheinland-Pfalz und dem benachbarten Elsass zum Erliegen gekommen. Dank verschiedener Schutzmaßnahmen ist der Bestand in Deutschland inzwischen wieder gesichert.

Der Wanderfalke ist eigentlich ein Felsbrüter und der schnellste Vogel, der hierzulande vorkommt. Im Sturzflug kann er Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern erreichen. Zu seiner Beute zählen ausschließlich fliegende Vögel.

Logo