Messerangriff: „Die Polizei hat Schlimmeres verhindert“

Bei einem Messerangriff am Alicenplatz in Mainz sind am Dienstag mehrere Menschen verletzt worden. Offenbar hat der Angreifer seinen früheren Fahrlehrer attackiert. Wir haben mit dem Chef der Fahrschule V.I.P. gesprochen.

Messerangriff: „Die Polizei hat Schlimmeres verhindert“

Der gestrige Dienstag war ein trauriger Tag in Mainz: Erst wurde am Mittag ein 3-jähriges Mädchen bei einem Unfall in der Parcusstraße tödlich verletzt (wir berichteten). Davon unabhängig attackierte nur wenige Stunden später und keine 100 Meter entfernt ein 32-jähriger Mann mehrere Menschen mit einem Messer (wir berichteten). Dieser Vorfall ereignete sich vor der Fahrschule V.I.P. am Alicenplatz. Und das ist offenbar kein Zufall: Denn bei den Opfern handelt es sich um Fahrlehrer der Schule – darunter der schwerer verletzte Zeynel T. (48). Der Täter ist offenbar ein früherer Fahrschüler. Die Polizei prüft diesen Zusammenhang noch genauer.

Der Chef der Fahrschule, Ali Sirimsi, war zum Zeitpunkt der Tat nicht vor Ort, konnte aber mit den verletzten Kollegen sprechen. „Auch heute stehen viele Mitarbeiter noch unter Schock“, sagt er gegenüber Merkurist. Sirimsi kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass der Täter Fahrschüler bei V.I.P. war. Doch höchstwahrscheinlich handelt es sich um einen 32-Jährigen, der sich am 25. Oktober 2019 bei der Fahrschule angemeldet hatte. Das legen laut Sirimsi Geburtsdatum und weitere von der Polizei genannte Fakten nahe. Im Jahr 2020 sei der 32-Jährige dann drei Mal bei der theoretischen Fahrprüfung durchgefallen, erst beim vierten Mal habe er sie bestanden. Im Jahr 2021 sei er dann noch drei Mal durch die praktische Prüfung gefallen – zuletzt am 23. September. Also genau vor einem halben Jahr.

Von hinten mit dem Messer attackiert

„Seitdem hatten wir nie wieder was von ihm gehört“, sagt Sirimsi. Auch in seiner Fahrschul-Zeit unter Lehrer Zeynel T. (48) sei der 32-Jährige nicht aufgefallen. Doch am gestrigen Dienstag griff der 32-Jährige den Fahrlehrer offenbar gezielt an. „Es scheint so, als hätte er in der Nähe auf ihn gewartet.“

Zum Tatzeitpunkt um 15:08 Uhr stand der Fahrlehrer mit mehreren Kollegen draußen am Eingang der Fahrschule. Der 32-jährige Täter sei aus der Binger Straße von hinten auf den Fahrlehrer zugekommen. Ohne ein Wort zu sagen, habe er sein Messer gezogen und auf den 48-jährigen Fahrlehrer eingestochen. T.s Kollege Ali E. (28) sei dann dazwischen gegangen und selbst von dem Messer erwischt worden. Der Täter wollte offenbar noch auf einen dritten Kollegen losgehen, doch Ali E. konnte ihn mit einem Tritt davon abhalten. Ein weiterer 48-jähriger Kollege sei zwar nicht von dem Täter getroffen, doch nach hinten gefallen und leicht verletzt worden.

Zur Schwere der Verletzungen von Fahrlehrer Zeynel T. gibt es unterschiedliche Versionen. Die Polizei schrieb in einer Pressemitteilung am Dienstagabend von lebensgefährlichen Verletzungen eines 48-Jährigen. Laut Sirimsi wurde T. an Hals und Ohr erwischt, sei aber mittlerweile ansprechbar. Der 28-jährige Ali E., der mutig dazwischen gegangen war, erlitt eine Schnittwunde am linken Arm.

„Die Polizei hat Schlimmeres verhindert“

Dass nicht noch mehr Menschen verletzt wurden, ist laut Sirimsi vor allem der Mainzer Polizei zu verdanken. Ein Beamter stoppte den Täter mit mehreren Schüssen. „Die Polizei hat Schlimmeres verhindert. Der Täter hätte sonst einfach weiter gemacht und noch mehr Menschen mit dem Messer attackiert.“

Dass der Polizist so schnell da sein konnte, hatte einen tragischen Grund: Wegen des tödlichen Unfalls in der Parcusstraße waren noch Beamte vor Ort. Sirimsi sagt: „Man muss da einerseits ‘leider Gottes’ sagen, aber andererseits ‘Gott sei Dank’, dass die Polizei da war.“ Der Beamte gab mehrere Schüsse ab und traf den Täter. Eine Kugel landete in einem Fahrschulauto.

Der Angreifer liegt laut Polizei im Krankenhaus und wird von Beamten bewacht. Für Sirimsi ist die Tat unbegreiflich. „Der angegriffene Kollege ist seit 14 Jahren im Dienst. Es gab in dieser Zeit keine Beschwerden über ihn. Er ist ein ruhiger und netter Typ, wurde nie laut.“ Wenn jemand sechs Mal durch Prüfungen falle, könne das nicht die Schuld des Fahrlehrers sein.

Fahrschul-Chef dankbar

Am Mittwochvormittag hatte Sirimsi eine längere Besprechung mit seinen Mitarbeitern. „Ich habe versucht, sie zu beruhigen. Habe ihnen deutlich gemacht, dass dieser Angriff nichts mit der Fahrschule zu tun hat und überall hätte passieren können. Wir haben jetzt sehr viele Prüfungen vor uns, darauf müssen wir uns konzentrieren.“

Sirimsi ist dankbar, dass sich so viele Menschen gemeldet haben. Der Fahrlehrerverband habe seine Unterstützung angeboten, auch viele ehemalige Fahrschüler hätten angerufen – darunter auch Polizisten, die in der Fahrschule ihren Motorradführerschein gemacht hatten. „Am meisten danke ich dem Polizisten vor Ort für sein schnelles Eingreifen.“

Update: Polizei veröffentlicht weitere Details zum Messerangriff

Die Polizei hat mittlerweile weitere Informationen zu dem Messerangriff veröffentlicht.

Logo