Mainzer CDU bringt „MeinRad“-Aus ins Spiel

Nachdem das Fahrrad-Verleihsystem MeinRad in Wiesbaden vorübergehend eingestellt worden ist, soll das System nun auch in Mainz auf den Prüfstand kommen. Das jedenfalls fordert die Stadtratsfraktion der CDU. Droht MeinRad sogar das Aus?

Mainzer CDU bringt „MeinRad“-Aus ins Spiel

Die Stadtratsfraktion der Mainzer CDU fordert, das Fahrradverleihsystem „MeinRad“ der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) grundsätzlich zu hinterfragen. Das geht aus einer Mitteilung vom Montag hervor.

In der vergangenen Woche hatte der Wiesbadener Verkehrsbetrieb ESWE Verkehr angekündigt, den Radverleih vorerst auszusetzen. Dort hatte sich „MeinRad“ wirtschaftlich offenbar nicht gelohnt, weshalb nun ein verbessertes Konzept erarbeitet werden soll (wir berichteten). Ob der Fahrradverleih in Wiesbaden aber überhaupt noch einmal an den Start geht, ist unklar.

Die Mainzer CDU fordert nun, „MeinRad“ auch in Mainz genauestens auf seine Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Der verkehrspolitische Sprecher der Stadtratsfraktion, Thomas Gerster, erklärt, dass die Gesellschaft mit dem Angebot jährlich hohe Verluste zwischen 300.000 und 1,3 Millionen Euro schreibe. Die Nutzungszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück.

E-Bikes als Ergänzung?

„Insbesondere seit der Corona-Pandemie sind die Nutzungszahlen stark zurückgegangen“, erklärt Gerster. Er schlägt vor, die Nutzungsgewohnheiten der „MeinRad“-Kunden zu analysieren und das Angebot an ihre Bedürfnisse anzupassen. Gegebenenfalls solle die MVG „MeinRad“ sogar ganz einstellen, so Gerster weiter. Es müsse beispielsweise überprüft werden, wie viele Fahrten länger als einen Kilometer getätigt werden. Gersters Verdacht: Ein Großteil der Fahrten ersetze lediglich Wege, die vorher zu Fuß zurückgelegt werden.

„Um die Verkehrswende erfolgreich zu gestalten, muss den Menschen eine gute Alternative zum Auto gemacht werden“, sagt Gerster. Es müsse geprüft werden, ob E-Bikes eine sinnvolle Ergänzung des Angebots darstellen würden. Eventuell ergebe die Prüfung aber auch, dass die eingesetzten finanziellen Mittel an anderer Stelle besser eingesetzt wären, wie beispielsweise bei der Stärkung des ÖPNV. „Am Ende muss es eine Kosten-Nutzen-Abwägung sein und das bestehende System scheint offensichtlich kein adäquates Angebot zu sein, was durch die geringe Nachfrage belegt wird“, so Gerster.

Laut MVG kein Ende in Sicht

MVG-Sprecher Michael Theurer hatte in der vergangenen Woche gegenüber Merkurist erklärt, dass sich ein Ende von „MeinRad“ in Mainz nicht abzeichne: „Hier denkt keiner an eine Einstellung des Systems. Im Gegenteil: Wir haben ehrgeizige Pläne mit MeinRad.“ So sollen unter anderem Lastenräder Teil des Verleihsystems werden (wir berichteten). Von Anfang Januar bis Mitte Mai seien in Mainz knapp 40.000 Räder verliehen worden. Nach zwei Corona-Dellen 2020 und 2021 sei ein Anstieg der Zahlen seit Oktober 2021 in Mainz wieder klar erkennbar, so Theurer weiter.

Übrigens: Ab dem 1. Juni plant die MVG bei „MeinRad“ umfassende Änderungen. Weitere Infos dazu findet ihr hier.

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