Wann ist die Corona-Pandemie vorbei?

Vor rund einem Jahr trat das Coronavirus in unser Leben und brachte vieles durcheinander. Abstand halten, Maskenpflicht und häufiges Händewaschen gehören inzwischen zum Alltag - doch wie lange bleibt das noch so?

Wann ist die Corona-Pandemie vorbei?

Frisöre, Händler und Gastronomen in Existenznot, Pflegepersonal am Rande der Erschöpfung, Risikopatienten in Angst: Seit einem knappen Jahr herrscht wegen des Coronavirus gesellschaftlicher Ausnahmezustand. Die Hoffnungen vieler Menschen ruhen nun auf Impfstoffen. Bund und Länder versprachen zu Beginn der Woche, dass jeder Deutsche bis Ende des Sommers geimpft werden kann (wir berichteten). Ist die Corona-Krise dann beendet oder hält uns das Virus noch länger in Atem?

Das sagt der Vorsitzende des Ethikbeirats

Professor Dr. Norbert W. Paul ist Mediziner, Direktor des „Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“ an der Universitätsmedizin Mainz und gleichzeitig Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees. Wie Paul im Merkurist-Interview Ende Januar sagte, hofft er auf eine große Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Sollte das nicht der Fall sein, zeichnet er ein düsteres Bild: „Wir werden immer wieder in kleinere, vielleicht auf Städte oder betroffene Einrichtungen begrenzte Lockdowns kommen. Größere Veranstaltungen wie Stadionbesuche und Konzerte sehe ich dann auch nicht auf uns zukommen. Und das wird richtig bitter. Das wird uns geistig, kulturell, sozial und wirtschaftlich verarmen.“

Paul hofft, dass die Menschen irgendwann mit Corona so leben können, wie sie es derzeit schon mit der Grippe tun. Bis dahin könne es aber noch eine Weile dauern. „Optimistisch würde ich sagen, wir kommen Ende dieses Jahres in diese neue Normalität, pessimistisch wäre es im Herbst nächsten Jahres. Dazwischen wird es aber sicherlich graduell Erleichterung geben“, so Paul.

Das sagt der Virologe

Der Frankfurter Virologe Dr. Martin Stürmer glaubt nicht, dass Festivals, Messen oder Stadionbesuche bald wieder möglich sind. Bei solchen Veranstaltungen sieht er „mit die schlechtesten Chancen für eine schnelle Rückkehr zum Normalzustand“. Stürmer sagt: „Je mehr Menschen auf einem Haufen zusammenkommen, desto größer ist das Infektionsrisiko. Selbst wenn die Inzidenzen sinken würden, wäre das Risiko immer noch sehr hoch, dass einer dabei ist, der die Infektion in die Gruppe hereinträgt.“

Derzeit müsse sich erst zeigen, ob die Impfstoffe nur vor einer Erkrankung oder auch vor einer Infektion schützen. Zudem sei wichtig, wie lange der Impfschutz anhält (wir berichteten). „Wenn der Impfstoff all das hält, was er verspricht, und er bis Herbst flächendeckend angeboten werden kann, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, ab diesem Zeitpunkt über die Rückkehr zur Norm zu diskutieren. Dann wäre auch eine Maskenpflicht nicht mehr notwendig.“

Normalerweise scheue er den Vergleich zwischen der viralen Grippe und dem Coronavirus, so Stürmer. Sollte die Impfung aber erfolgreich verlaufen, könne man hier durchaus einen Vergleich ziehen: „Denn bei der Influenza gibt es keine Maskenpflicht, keine Abstandsregeln oder vergleichbare Maßnahmen. Wir akzeptieren, dass pro Jahr bei einer schweren Grippewelle durchaus 20.000 oder 30.000 Menschen sterben können. Das liegt auch daran, dass es eine Grippeschutzimpfung gibt, wir das Virus schon sehr lange kennen und uns über die Risiken mehr oder weniger im Klaren sind. Soweit sind wir aber bei Sars-Cov-2 noch nicht.“

Das sagt der Oberbürgermeister

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) gibt sich derzeit hoffnungsvoll. Mitte Januar antwortete er im Merkurist-Interview auf die Frage, ob eine Veranstaltung wie das Marktfrühstück 2021 wieder möglich sei: „Ich sehe eine reale Chance dafür. Real deshalb, weil Mainz mittlerweile zur Stadt der Hoffnung geworden ist. Hier ist von klugen Mainzern der erste Impfstoff gegen das Virus entwickelt worden. Von hier aus geht also das Signal, dass es eine Möglichkeit gibt, dass wir die Pandemie hinter uns lassen.“

Voraussetzung dafür sei aber, dass vorher genügend Menschen geimpft werden müssen. Ebling weiter: „Um es aber klar zu sagen: Ich sehe das nicht vor dem Sommer. Wie groß diese Veranstaltungen werden, das kann ich nicht sagen, ich bin kein Prophet.“

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