„Belastete“ Straßennamen in Mainz: Welche umbenannt werden, welche nicht

In Mainz tragen bis heute 15 Straßen und Plätze Namen von Personen, die stark mit dem Nationalsozialismus in Berührung stehen. Nun kommt es vereinzelt zu Umbenennungen. Wo die Änderungen greifen.

„Belastete“ Straßennamen in Mainz: Welche umbenannt werden, welche nicht

In Mainz gibt es einige Straßennamen, deren Namensgeber politisch umstritten sind. Dabei handelt es sich meistens um Persönlichkeiten, die in der Zeit des Nationalsozialismus gelebt haben. Verschiedene politische Gruppen fordern nun schon seit Jahren, diese historisch belasteten Namen endlich aus dem Stadtbild zu entfernen. Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Doch ein Name wird wohl weiterhin präsent bleiben in Mainz.

Wer entscheidet über die Namen?

Bereits seit 2011 beschäftigt sich bei der Stadt Mainz die Arbeitsgruppe (AG) „Historische Straßennamen“ mit der Thematik. Unter ihnen sind Historiker und Angehörige des Stadtarchivs und des Amts für Kultur und Bibliotheken sowie Mitglieder der Stadtratsfraktion. Ihre Aufgabe ist es, die historisch belasteten Straßen- und Platznamen zu überprüfen und Vorschläge zum Umgang mit diesen zu machen. Nun rücken aufgrund einer Stadtratsanfrage der „PARTEI“ die Agnes-Miegel-Straße, die Pfitznerstraße und der Hindenburgplatz sowie die Hindenburgstraße in den Fokus.

Wie es jetzt in einer Beschussvorlage heißt, die dem Stadtrat vorliegt, habe die AG nach sorgfältiger Prüfung der Lebensgeschichte von Agnes Miegel, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus, einstimmig empfohlen, die Agnes-Miegel-Straße umzubenennen. So hat sich die Dichterin Miegel laut AG ab dem Jahr 1933 öffentlich positiv über Adolf Hitler geäußert und sich bereitwillig von der NS-Propaganda vereinnahmen lassen. Auch nach dem Krieg habe sie sich nie von ihren Äußerungen während der NS-Zeit distanziert und keinerlei Reue gezeigt.

Auch die Verwaltung folgt nun der Empfehlung der AG, die Agnes-Miegel-Straße „unter dem Aspekt der Aufhebung eines anstößigen Straßennamens“ umzubenennen. Der Ortsbeirat Finthen hat inzwischen für die Umbenennung den Namen „Betty-Winterfeld-Straße“ beschlossen. Der Ortsbeirat hat sein Votum wie folgt begründet: Der Name Betty Winterfeld (...) „soll an das unsägliche Leid erinnern, welches Juden in Finthen im Nationalsozialismus zugefügt wurde“. Winterfeld wurde 1942 aus Mainz nach Piaski bei Lublin (Polen) deportiert, wo sie 1943 starb, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Auch in der Mainzer Neustadt soll demnächst eine Straße umbenannt werden. Dabei geht es um die Pfitznerstraße, die nach dem Komponisten und Autor Hans Pfitzner benannt ist, der wegen seiner Rolle im Nationalsozialismus ebenfalls stark umstritten ist. So hatte die Stadt Frankfurt bereits 2020 angekündigt, die dort nach ihm benannte Straße umzubenennen, weil Pfitzner „erwiesener Antisemit und Holocaustleugner sei.“ Der Ortsbeirat Mainz-Neustadt hat nun ebenfalls beschlossen, der Empfehlung der AG zu folgen und die Pfitznerstraße umzubenennen. Sobald der Verwaltung ein alternativer Namensvorschlag vorliegt, werde das Umbenennungsverfahren in die Wege geleitet, erklärt Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) auf die Stadtratsanfrage der „PARTEI“.

Ein Name bleibt

Seit jeher umstritten ist auch die Person Paul von Hindenburg, der als Reichspräsident Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Sein Name wird aber nicht aus dem Stadtbild verschwinden. So gelangten die Mitglieder der AG Historische Straßennamen mehrheitlich zu der Ansicht, dass der damalige Reichspräsident zwar ein überzeugter Monarchist, nicht aber ein Nationalsozialist gewesen sei. Wie Grosse auf die Stadtratsanfrage der „PARTEI“ erklärt, konnten von sieben Fragen eines Kriterienkatalogs lediglich zwei zu Lasten Hindenburgs beantwortet werden.

Dabei handle es sich unter anderem um die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, mit der Hindenburg „einen Beitrag zur Anbahnung der NS-Herrschaft geleistet hatte“. Fragen zur Mitgliedschaft in der NSDAP, zu positiven Äußerungen über Adolf Hitler, die NSDAP oder über die Ausgrenzung und Verfolgung von NS-Opfergruppen seien hingegen zu verneinen. Somit hätten nach Ansicht der Mehrheit der Mitglieder der AG keine hinreichenden Gründe für eine Umbenennung von Hindenburgplatz und -straße vorgelegen, wie Grosse erklärt.

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